Techniker und Wissenschaftler sehen Platin so: Es ist dehnbar, lässt sich schmieden, aber schwer schmelzen, rostet nicht und ist aus Katalysatoren, Implantaten und Laborgeräten nicht wegzudenken. Für Investoren könnte das weißgraue Edelmetall quasi das „Gold 2.0“ sein: Noch seltener, noch kostbarer – und derzeit in einem Maße begehrt, dass die Produzenten mit der Nachfrage kaum noch mithalten können. Nicht genug damit, dass die Auswirkungen von Corona und anderen Katastrophen die Nachschubsituation 2020 gehörig auf den Kopf gestellt haben. Auch der Bedarf außerhalb der schieren Anlagevermögen wächst an.

Nachdem der Palladiumpreis in den letzten fünf Jahren einen deutlichen Preisanstieg verzeichnen konnte, hinkt Platin, das eigentlich edlere Metall hinterher. Der richtige Zeitpunkt für Schnäppchen-Deals und Investments in Platin-Explorer und Produzenten? Eine Info hierzu vorab: Platin und Palladium treten in der Regel geologisch strukturell gemeinsam als Platinum Group Metals (PMG) auf, werden in der Regel gemeinsam gefördert und anschließend aufgetrennt. Wer nach einem Produzenten oder aussichtsreichen Explorer für eines der beiden Metalle als Investment sucht, findet in der Regel auch das andere Metall im entsprechenden Rohstoffprojekt vor. Natürlich unterscheiden sich die Anteile je nach Vorkommen stark. Welches Metall bei Produktion als „Hauptprodukt“ und welches als „Nebenprodukt“ definiert wird, hängt u.a. vom Anteil im Gestein ab, aber auch vom Marktpreis. Palladium ist derzeit mehr als doppelt so viel wert wie Platin.

Der Welt könnte nun allerdings ein dramatischer Platin- Engpass drohen. Schätzungsweise mehr als seine Million Unzen des Edelmetalls fehlen am Markt. Das stellt zumindest das World Platinum Investment Council (WPIC) in seinem Marktbericht für das dritte Quartal 2020 fest.

Exkurs: Wer ist das WPIC?

Der World Platinum Investment Council wurde von den führenden Platinproduzenten gegründet. Sein Ziel ist es, die Nachfrage nach Investitionen in Platin zu fördern, unter anderem, indem Informationen bereitgestellt werden, auf deren Grundlage Anleger fundierte Entscheidungen treffen können. Das WPIC arbeitet dabei sowohl mit Marktteilnehmern und Finanzinstituten zusammen. Ein wichtiges Informationsmedium ist namentlich der quartalsweise erscheinende Report „Platinum Quarterly“.

Die Hintergründe des Platin-Mangels

Die Nachfrage nach Platin ist gegenwärtig immens. Die platinfördernden Unternehmen weltweit können derzeit gar nicht schnell genug neues Material produzieren. Sollte diese Lage anhalten, könnte der Markt im kommenden Jahr ein Defizit von über 200.000 Unzen aufweisen, so prognostiziert es das aktuelle Marktscreening der Platinexperten.

Obwohl sich Angebot und Nachfrage aktuell etwas erholt haben, hat das insgesamt schwache Angebot bei steigender Nachfrage 2020 zu einem Defizit von 709.000 Unzen geführt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum war das Platinangebot im dritten Quartal 2020 um fünf Prozent gesunken – in Relation zu zweiten Quartal 2020 waren es jedoch immense 36 Prozent. Zugleich ist das Angebot der Minen gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent rückläufig. Bis Jahresende könnte es um 21 Prozent abnehmen.

Natürlich ist die COVID-19-Krise mitverantwortlich für einen guten Teil der diesjährigen Produktionsausfälle. Aber ein weiterer Umstand, der den Nachschub an Platin stark beeinträchtigte und sich bis ins nächste Jahr auswirken wird, sind die angesichts der Pandemie fast schon ins Vergessen geratenen Stromversorgungsengpässe in Südafrika um den Jahreswechsel herum. Im ersten Halbjahr waren davon natürlich auch die Bergbaubetriebe betroffen. Nachdem Südafrika die weltweit wichtigste Platin-Fördernation ist, haben sich die Stillstände und Minenschließungen in der Gesamtfördermenge deutlich niedergeschlagen.

Beinahe 900.000 Unzen fehlen im Jahresoutput. Die Produktionsausfälle bei wichtigen Produzenten lassen sich so schnell nicht auffangen; aus Kostengründen wird es darüber hinaus auch noch etwas dauern, bis betroffene Minen wieder in vollem Umfang produzieren.

Platin wird nicht nur „frisch“ aus den Minen geholt. Auch Recycling-Platin (hauptsächlich Rückflüsse aus der Glas- und Katalysatorproduktion) bildet einen Teil des Angebots und kann entstandene Lücken etwas auffüllen. Doch auf Dauer ist das keine Lösung zur Deckung der Nachfrage. Was dringend gebraucht wird, sind neue Produktionsstätten und Entdeckungen, die den Mangel mittelfristig ausgleichen.

Steigende Nachfrage durch Investments und Industrie

Aber was macht Platin eigentlich so attraktiv? Warum wird in so großen Mengen danach verlangt?

Zum Einen ist Platin in Zeiten unsicherer Weltwirtschaftslagen (aktuell: Corona und die Folgen) ein attraktives Anlagegut für Investoren; sowohl in physischer Form als Barren oder Münze im Safe als auch indirekt in Form von Aktienanteilen an Platin-Explorern, Entwicklern oder Förderbetrieben.

Laut WPIC ist die Investitionsanfrage im dritten Quartal um 731.000 Unzen gestiegen – das sind 291 (!) Prozent mehr als im Vorjahr. Darin enthalten ist ein Anstieg von 42.000 Unzen in physischer Form. Offenbar möchten Anleger buchstäblich etwas „Greifbares“ haben.

Etwas geringer, aber nicht minder beeindruckend ist, nebenbei bemerkt, auch die Entwicklung bei physischem Gold – hier legt die Goldbarren-Nachfrage um voraussichtlich 123 Prozent zu.

Daneben ist Platin aber auch ein wichtiges Industriemetall. Besonders die Automobilbranche benötigt ausreichende Versorgung. Dazu muss man wissen, dass Platin nicht nur in Katalysatoren eingesetzt wird und so zur Minderung von Emissionen beiträgt. Es wird auch für die Wasserstoff-Antriebstechnologie benötigt, ist also Bestandteil einer nachhaltigen Zukunftstechnologie.

All diese Faktoren haben die Nachfrage, so das WPIC, im dritten Quartal deutlich angehoben.

Stagnierende Kurse: Worauf wartet Platin?

Wo das Angebot knapp ist und die Nachfrage hoch, das steigen die Preise – sollte man meinen. Dennoch passierte im dritten Quartal etwas Atypisches: Der Marktpreis von Platin hat auf die Schere zwischen Angebot und Nachfrage bislang kaum reagiert. Trotz der Kurserholung nach dem kurzzeitigen Corona-Schock im März, der sich in allen Edelmetallcharts niederschlug, stagnieren die Platin-Unzenpreise unterhalb der 1.000 USD Marke. Platin-Futures für Januar rangieren in einem Preisbereich zwischen 850 und 950 USD pro Unze.

Der Bereichsleiter für Recherchen beim WPIC, Trevor Raymond, äußerte, dass Anleger den Platinmarkt stetig im Blick behalten, um die langfristigen Fundamentaldaten zur Marktentwicklung bewerten und die Relation von Angebot und Nachfrage im Blick behalten wollen. Es sei seiner Ansicht nach aber abzusehen, dass die Preise auf das Angebot-Nachfrage-Ungleichgewicht reagieren. Spannend bleibt, wann genau dieser Punkt erreicht ist.

Das betrifft auch andere Börseninstrumente. „Entgegen der Erwartungen von Anlegern, die noch im vergangenen Jahr Platin ETFs einen nachhaltigen Wachstum absprachen, steigt die Nachfrage weiter“, so Raymond.

Während Kupfer, Silber und Gold bereits Aufwärtstrends folgen, erweist sich Platin noch als Spätzünder. Doch Kursanstiege scheinen unvermeidlich – eine gegenläufige Entwicklung ist, angesichts der realen Marktlage, nahezu ausgeschlossen.

Jetzt Chancen nutzen durch gutes Timing

Auf Umwegen dürfte  auch die zarte Hoffnung auf ein Wiedererstarken der Wirtschaft nach der COVID-Krise die Platinnachfrage ankurbeln. Nun, da mehrere Impfstoffe auf dem Weg sind, erscheint es nicht mehr unrealistisch, mittelfristig beispielsweise wieder auf Mobilität zu setzen. Über das Konsumverhalten, sei es nun ein neues Auto oder das Neuerstarken von Flugreisen (Platin ist wichtiger Bestandteil der Beschichtung von Flugzeugturbinen) könnte sich der Tenor des Bedarfs ein wenig von der Geldanlage hin zum Industrierohstoff verlagern.

Platin zählt aktuell also zu den unterbewerteten Rohstoffen – die Gelegenheit für Investoren, sich jetzt Platin in den Tresor oder ins Portfolio zu holen, bevor der Damm bricht und die Preise in die Höhe stellen. Behält das WPIC recht mit seiner Einschätzung, könnte den Platinpreisen ein beachtlicher Höhenflug bevorstehen.

Sibanye Stillwater: Etablierter Player aus Südafrika

Anleger, die bevorzugt in bereits produzierende Unternehmen investieren, sollten sich Sibanye Stillwater (NYSE: SBSW) anschauen, einen wichtigen größeren Akteur im Platin-Business. Gegründet wurde Sibanye Stillwater im Jahr 2013, im Nachgang der Entbündelung einer Firmengruppe durch Gold Fields Limited. Der Firmensitz befindet sich Weltevreden Park, einem Vorort der Stadt Roodepoort in Südafrika.

Als Goldminen-Betrieb anfangend, hat die Firma sich in wenigen Jahren zu einem international wettbewerbsfähigen Edelmetall-Unternehmen entwickelt, das sowohl Gold als auch Metalle der Platinelementgruppe produziert. Börsennotiert ist Sibanye Stillwater an der Johannisburg Stock Exchange und an der New Yorker Börse (JSE: SSW beziehungsweise NYSE: SBSW).

Im Vergleich zu Sienna Resources ist Sibayne Stillwater wesentlich weiter entwickelt und führt in Südafrika und Amerika Betriebe im Produktionsstadium sowie Projekte in Entwicklung; sowohl im Gold- als auch im Platinmetallgruppen-Sektor.

In Südafrika zählen zu den wichtigsten Platinzielen „Rustenburg“ (zu 100 Prozent im Besitz),  Marikana (95,25 Prozent), Krondaal (50 Prozent), Mimosa (ebenfalls 50 Prozent)  und die Aufbereitungsanlage „Platinum Mile“. Daneben gibt es eine Reihe von Projekten, die sich in Entwicklung befinden.

2017 erwarb Sibanye in den USA die Stillwater Mining Company, die damals weltweit größte Übernahme in der Platinmetall-Gold-Gruppen-Branche des Jahrzehnts. Die Projekte „Stillwater“ und „East Boulder“ in Montana produzierten im vergangenen Jahr 593.974 Unzen Platingruppen-Metall; die Ressourcen werden mit 83,8 Millionen Unzen, die Reserven mit 26,9 Millionen Unzen beziffert.

Zu den Projekten im Explorationsstadium zählt übrigens auch ein Segment der Marathon-Lagerstätte in Ontario, wo auch Sienna Resources forscht – ein Vergleich der Ergebnisse beider Akteure verspricht zu gegebener Zeit interessante Aussichten.

Sienna Resources: Platinprojekte auf der Nordhalb-kugel

Wer die Gunst der Stunde nutzt und Platin ins Portfolio aufnehmen will, kann Platinbarren kaufen – oder mit einer Investition in einen aussichtsreichen Platin-Betrieb einsteigen. Ein Unternehmen, das für Anleger in dieser Hinsicht zweifellos interessant ist, ist Sienna Resources (TSX.V: SIE; WKN: A1XCQ0; ISIN:CA82621E1060). Die Kanadier haben gleich mehrere Operationen mit Platin-Kontext angestoßen, die zeitnah für interessante Entwicklungen im Platin-Markt sorgen dürften.

Technisch betrachtet ist Sienna Resources ein Explorationsunternehmen, tatsächlich handelt es sich um erfahrene Akteure der Branche mit langjähriger Projekterfahrung. Gegründet wurde das Unternehmen mit Sitz in Vancouver bereits in den Achtzigerjahren, firmierte im Laufe der Firmengeschichte jedoch mehrfach um. Technischer Vorgänger von Sienna Resources war bis 2016 „Habanero Resources Inc“.

Aktuell hat Sienna Resources fünf Projekte im Portfolio, die zum Teil erst 2020 im Rahmen einer Projektpartnerschaft erworben worden. Für Platin-Anleger ist dabei vor allem das Platin-Palladium-Projekt „Marathon-Nord“ im kanadischen Bundesstaat Ontario von Interesse. Seit Anfang des Jahres besitzt Sienna Resources dort eine Landfläche von 6.677 Hektar in direkter Nachbarschaft des Mitbewerbers Generation Mining Ltd. Bei der „Marathon“-Lagerstätte im sogenannten „Coldwell Complex“ handelt es sich um eine der größten unentwickelten Platinmetall-Mineralressourcen auf dem nordamerikanischen Kontinent.

Die Arbeiten am Marathon-Nord-Explorationsprojekt haben Ende Oktober 2020 begonnen; erste Neuigkeiten vom Projekt sollten also nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Beim Projekt Kuusamo in Finnland handelt es ebenfalls um ein Platinmetall-Nickel-Kupfer-Kobalt-Projekt. Seit einigen Wochen laufen auch hier Explorationsarbeiten, die historische Erkenntnisse über die vielversprechende Mineralisierung bestätigen sollen.

In Slättberg (Schweden) wurde bereits in früherer Zeit erfolgreich Edelmetall gefördert. Die Lagerstätte enthält Platin, Palladium, Nickel, Kupfer und Kobalt in einer massiven Sulfid-Mineralisierung. Ein Highlight bei Probebohrungen war ein Stichprobenwert von 4,05 Gramm Platin und 0,095 Gramm Palladium je Tonne Erz. Explorationsbohrungen, die die Ergebnisse präzisieren und vertiefen sollen, sind in Arbeit.

Auch andere Bodenschätze haben ihren Wert: Bei den Projekten Bleka und Vekselmyr in Norwegen konzentrieren sich die Aktivitäten von Sienna Resources auf die Exploration historischer Goldlagerstätten mit modernen Mitteln. Das Unternehmen ist also auch für Freunde des gelben Edelmetall-Klassikers äußerst interessant. Etwas aus der Reihe fällt nur das Projekt in Clayton-Valley, Nevada: Hier geht es um Lithiumsole, also einen Batterierohstoff.

Da die aktuellen Projekte von Sienna Resources noch in einem frühen Entwicklungsstadium sind und es vielfach zunächst um das Ermitteln belastbarer Zahlen für Ressourcenschätzungen geht, ist das Unternehmen aktuell noch niedrig bewertet. Davon sollten sich Anleger aber nicht irritieren lassen: Die Ergebnisse, die Untersuchungen und Aktivitäten jeweils benachbarter Akteure (z.B. Palladium One) und auch historische Daten dokumentieren, lassen bei allen Unternehmungen vielversprechende Perspektiven erwarten. Investoren können ganz von Anfang an dabei sein, wenn die Suche nach neuen Platinmineralisierungen beginnt und sich auf einen starken Newsflow freuen.