Wie bewertest du vergangene Entwicklungen und Zukunftspläne?

Bei der Recherche von Aktien gibt es eine sehr einfache Möglichkeit, die Spreu vom Weizen zu trennen: Wirf einen Blick auf die Vergangenheit des Unternehmens. Obwohl uns als Anleger natürlich primär die Zukunft interessiert, ist ein Blick nach hinten nicht selten äußerst aufschlussreich, denn er kann uns verraten, wie das Management in bestimmten Situationen gehandelt und auf bestimmte Herausforderungen reagiert hat.

Der extrem zyklische Charakter des Edelmetall- und Rohstoffmarktes erschwert zugegebenermaßen diese Herangehensweise, da weder eine über Jahre schwache, noch eine über Jahre hervorragende Performance der Aktienkurse, Prognosen über eine zukünftig in gleicher Weise fortlaufende Entwicklung rechtfertigen. Dennoch sind es vor allem die schwierigen Zeiten, in denen sich zeigt, welche Unternehmen wirklich im Sinne der Aktionäre handeln und welche Unternehmen primär existieren, um dem Management auf Kosten der Anleger ein angenehmes Leben zu ermöglichen.

Vor allem im Explorationsgeschäft ist es leider fast schon eher die Regel, als die Ausnahme, dass zweimal im Jahr eine Finanzierung (Kapitalerhöhung) stattfindet, die im wesentlichen großzügige Gehälter und Reisekosten des Managements finanziert. Nebenbei wird ein bisschen gebohrt für den Newsflow. In der Folge wird die Aktie stark verwässert und Anleger müssen herbe Verluste hinnehmen.

Auch unter den Produzenten gibt es eher solide, sicherheitsorientierte Geschäftsmodelle und andere Herangehensweisen, z.B. sogenannter leverage plays, die besonders abhängig von der Entwicklung des Goldpreises sein können und diesen sowohl nach unten, als auch nach oben besonders stark hebeln. Als Anleger ist es wichtig, Unternehmen diesbezüglich gut zu verstehen, um eigene Chancen-Risiken-Abwägungen tätigen zu können.

Ich selbst bin sowohl in solide, als auch stärker gehebelte Goldaktien investiert, vermeide aber eine Anlage in Goldaktien, deren Management in der Vergangenheit gezeigt hat, dass sie sie gnadenlos Aktionäre verwässern ohne gebührlichen Gegenwert durch die Entwicklung ihrer Projekte zu liefern.

Auch prozyklisches Verhalten schätze ich als Antizykliker nicht besonders. Vor allem beim Kauf und Verkauf von Projekten zeigt sich, wer dem Markt bloß hinterherläuft und wer im Gegensatz die Rohstoffzyklizität gut verstanden hat und genau dann günstig Unzen im Boden erwirbt, wenn der Markt gerade in schlechter Stimmung ist.

Nicht minder wichtig finde ich aber auch eine klare Strategie für die Zukunft unter Berücksichtigung verschiedener möglicher Szenarien. Exploration hat immer etwas mit Glück zu tun, dennoch ist nach Gold bohren und auf gute Bohrresultate zu hoffen keine zufriedenstellende Strategie.

Genauso wenig ist das Hoffen auf höhere Goldpreise bei Goldproduzenten eine zufriedenstellende Strategie, wenn die laufenden Kosten zu hoch sind. Eine Ausnahme sind für mich hierbei sogenannte optionality plays, also Unternehmen, deren Management bewusst größere, zu aktuellen Preisen unwirtschaftliche Rohstoffprojekte kauft und unter minimalen laufenden Kosten geduldig auf eine bessere Bewertung wartet.

Dies war das neunte von insgesamt zehn Kapiteln aus dem eBook „Goldaktien: 10 Erfolgsfaktoren für fortgeschrittene Anleger“. Das vollständige Dokument kannst du kostenlos hier herunterladen:

Viele Grüße,

Dein Florian

Florian Munsch

Herausgeber goldgeldwelt.de