Die monetären Edelmetalle erlebten in der vergangenen Handelswoche eine wahre Achterbahnfahrt. Am Montag, den 17.08.2020 trieben die Bullen nach dem Einbruch der Vorwoche die Preise steil nach oben, in der Hoffnung die Rallye würde sich fortsetzen. Der Goldpreis erreichte am Dienstagnachmittag in der Spitze wieder 2.015 US-Dollar und Silber 28,50 US-Dollar. Dort holten die Bären zum massiven Gegenschlag aus, worauf die Bullen die Schlacht um die wichtigen Unterstützungen bei 1.980 US-Dollar sowie 28 US-Dollar verloren hatten.  Seither befinden sich die Edelmetalle in der Korrektur, wobei starke Käufer die Rücksetzer weiterhin nutzten, um sich in den Gold- und Silbermarkt einzukaufen. Dies zeigte sich in der vergangenen Woche an den untypisch vielen technischen Fehlausbrüchen im Gold- und Silberchart. Immer dann, wenn den Bullen unter massiven Käufen der deutliche Ausbruch über eines der massenpsychologischen Kursmuster gelang, folgte ein unvermittelt starker Preisrücksetzer, ausgelöst durch massive Verkäufe am Terminmarkt.

Seit fast zwei Wochen handeln wir bereits die Einbrüche auf der Shortseite und hatten auch den starken Einbruch bei Gold und Silber der vorletzten Woche antizipiert, nachdem wir vor etwas mehr als zwei Wochen plötzlich ungewöhnlich starkes Angebot am Gold- und Silbermarkt wahrgenommen hatten. Seither vermuten wir, dass die Notenbanken und Regierungen zum Schutz ihres Geldmonopols bei einem Goldpreis oberhalb von 2.000$ begonnen haben am offenen Markt über Verkäufe physischer Ware sowie über kurzweilige Eingriffe am Terminmarkt die Rallye auszubremsen.

Dieses Vorgehen ist logisch und notwendig, denn gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise ziehen steigende Preise weitere Käufer und Spekulanten an, was die kurzfristige Knappheit verschärft und den Preisauftrieb prolongiert. Da Gold echtes Geld und die stärkste Währung der Welt ist, ist es die internationale Benchmark für die Kaufkraft der staatlichen Fiat-Währungen. Ein zu starker Anstieg des Goldpreises könnte das Vertrauen in den Euro und den US-Dollar unterminieren, was politische Konsequenzen hätte, weshalb ein Eingreifen der Politik auf den Goldmarkt notwendig ist.

Da man die Marktgesetze, ebenso wenig wie die Naturgesetze außer Kraft setzen kann, wird der Goldpreis langfristig in dem Maße weitersteigen, wie die Notenbanken Zentralbankgeld aus dem Nichts erschaffen und die Geldmenge inflationieren werden. Auch wenn sie den Anstieg der Edelmetallpreise nicht aufhalten können, so sind sie dennoch in der Lage durch kurzzeitige Interventionen Preiseinbrüche zu erzeugen, die in erster Linie Spekulanten entmutigen oder gar animieren für einige Wochen auf einen fallenden Preis zu setzen. Weiterhin stärkt ein Preisrückgang der Edelmetalle die staatlichen Währungen und mindert den Druck auf Investoren sich kurzfristig gegen steigende Preise durch den Kauf von Gold abzusichern. Dadurch lässt sich die Rallye kurzzeitig unterbrechen und eine mehrjährige Goldhausse gemächlich in der Art und Weise managen, dass ein möglichst geringer Teil der Bevölkerung davon erfährt und daran partizipiert.

Mit diesem Wissen, der Beobachtung der Positionsveränderung am Terminmarkt sowie unserer Erfahrung, waren wir in den letzten Jahren in der Lage Preiseinbrüche zu antizipieren und kurzfristig auch öfters einmal ein paar Chips vom Tisch zu nehmen, um günstiger wieder einsteigen zu können. Die vorübergehende Korrektur wird auch diesmal ihr Ende finden und sich danach die Hausse der monetären Edelmetalle Gold und Silber unweigerlich fortsetzen. Deshalb sollte man das Ende dieser Korrektur nutzen, um wieder als Käufer am Gold- und Silbermarkt aufzutreten, um bei dem nächsten Anstieg voll dabei zu sein.

Gold schafft es auf die Titelseiten

Gold hat es auf die Titelseite von Focus Money geschafft, was zeigt, dass das öffentliche Interesse an Gold aktuell hoch ist. Angesichts der Inflation und dem drohenden Kaufkraftverlust verwundert dies nicht. Oftmals erscheinen derartige Titelgeschichten am Ende eines starken Preisanstiegs oder einer Hausse sowie diametral gegensätzlich am Ende eines Bärenmarktes (Baisse), da dann die meisten Menschen auf diesen Markt aufmerksam wurden und dieser zuletzt auch in den Fokus der Journalisten gerät. Wenn in diesen Titelgeschichten die Experten eine stete Fortsetzung der Rallye prognostizieren, dreht der Markt oftmals in die gegenteilige Richtung. Der Titelblatt-Indikator funktioniert auf allen Märkten und ist ein Sentiment-Indikator, der die Stimmung des Marktes widerspiegelt. Würde Der Spiegel ähnlich berichten, wäre dies ein deutliches Warnzeichen, doch da es sich bei Focus-Money um ein kleineres Finanzmagazin handelt, ist diese Titelgeschichte noch kein Grund zur Sorge, geschweige denn ein Indiz auf ein baldiges Ende der übergeordneten Hausse. Dennoch passt es zu der aktuellen Korrektur, in der sich der Goldmarkt seit zwei Wochen befindet, nachdem bei Preisen über 2.000 US-Dollar eine deutliche Kaufpanik auf einem neuen Allzeithoch herrschte.

Es gibt weitere belastende Faktoren, die eine kurzfristige Korrektur des starken Goldpreisanstiegs von 70% binnen 24 Monaten unterstützen. Die Angst vor einem weiteren Shutdown der Volkswirtschaften ist bei Investoren größtenteils verflogen, da die empirische Datenlage diesen Schritt in keiner Weise stützt. Darüber hinaus verfügt Russland bereits über einen sicheren und schnell verfügbaren Impfstoff sowie die Bereitschaft, diesen an alle Länder zur eigenen Produktion weiterzugeben. Dennoch diskutieren Politiker, insbesondere hierzulande, die Maßnahmen wieder zu verschärfen, um eigene politische Ziele voranzubringen.

Diese Maßnahmen ersticken die europäische Wirtschaft und sorgen für viel Leid, Not, Armut und Tod auf anderen Teilen der Erde. Viele Millionen Menschen weltweit, die sich vor den Shutdowns bereits kaum ernähren konnten, haben nun aufgrund der Shutdowns mit dem Hunger und dem Hungertod zu kämpfen. Doch es gibt Hoffnung, denn nebst den USA und vielen weiteren Ländern, hat nun auch Italiens Gesundheitsminister erklärt, dass Italien keinen weiteren Shutdown erleben wird. Selbst bundesdeutsche Leitmedien beginnen ihre bisherigen Aussagen über die Gefährlichkeit der Pandemie zu relativieren, seitdem Russland den Sieg im Wettlauf um einen Impfstoff verkündet hat. Ein Alleingang für einen erneuten Shutdown der Bundesregierung ist damit unwahrscheinlich geworden.

Für die Aktienmärkte und die Wirtschaft sind dies gute Neuigkeiten, weshalb selbst der breite Aktienindex S&P 500 mittlerweile ein neues Allzeithoch erreichen konnte, nachdem zum Ende der vergangen Handelswoche Widerstände in diesem Index sowie beim Dow Jones überwunden wurden. Die Fortsetzung der V-förmigen Erholung des kürzesten Aktien-Bärenmarktes der Geschichte und das Ausbleiben eines erneuten Shutdowns, gepaart mit niedrigen Zinsen, massiven Fiskalprogrammen und der Rekapitalisierung des Kreditgeldsystems mittels einer Geldflut aus den Schleusen der Notenbanken, verringert die Wahrscheinlichkeit eines nominalen Double Dips in der Realwirtschaft. Investoren, die die Rallye verpasst haben, werden nun zum Einstieg in den Aktienmarkt gezwungen und neigen dazu Gewinne am Goldmarkt zu realisieren.

Erholt sich die Wirtschaft weiter, so könnten die Renditen der Marktzinsen steigen, schon allein wegen der Inflation der Geldmenge in Antizipation der künftig steigenden Konsumentenpreise. Die Veröffentlichung des Protokolls der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank am vergangenen Mittwochabend brachte keine wirklichen Neuigkeiten, doch reagierte der Markt auf die Aussagen zur erhofften Kontrolle der Zinsstrukturkurve durch die Fed. So will die Notenbank die Renditen nun doch nicht deckeln, was die Märkte zuvor jedoch erwartet hatten. (YCC – Yield Curve Control) Dies könnte mittelfristig steigende Zinsen, einen stärkeren US-Dollar bedeuten, was kurzfristig den Goldpreis belasten könnte. Powell erklärte bereits vor einigen Wochen, dass stabile Preise nicht länger ein Ziel der US-Notenbank wären und man stattdessen eine höhere Teuerung akzeptieren wird, um den Arbeitsmarkt über sinkende Reallöhne zu unterstützen. Der USD-Index konnte von der Aussicht auf steigende US-Renditen an Stärke gewinnen und wird womöglich in dieser Handelswoche seinen Abwärtstrend überwinden, womit eine kurzfristige Erholungsphase des US-Dollars bevorstehen dürfte.

Der Goldpreis steigt in Zeiten hoher Inflation bzw. realer Negativrenditen stark an

Kurzfristig mögen steigende Nominalzinsen und ein steigender US-Dollar zu anderen Fiat-Währungen einen negativen Einfluss auf den Goldpreis haben, doch gilt dies nicht auf langfristige Sicht. In den letzten Jahren erklärte ich bereits viele Male, dass die Zinsen in der kommenden Stagflation zwangsläufig inflationsinduziert ansteigen müssen, ebenso wie in den siebziger Jahren. Damals lagen die Zinsen bei bis zu 20% und dennoch stieg der Goldpreis wie eine Rakete in den Himmel.

Dies lag daran, dass die Realzinsen während dieser Periode trotzdem noch negativ waren, was bedeutet, dass die reale Teuerung der Konsumentenpreise noch höher war als die hohen Nominalzinsen. Gerade in einem Umfeld steigender Zinsen wird die Bereinigung von Fehlallokationen in der Realwirtschaft noch einmal vorangetrieben und von Zombieunternehmen bereinigt, weshalb Gold und Silber auch in den kommenden Jahren deutlich besser performen dürften als der Standardaktienmarkt, der sich real in einer Baisse befinden dürfte. Das Dow-Gold-Ratio gibt weiterhin die Richtung vor und könnte folglich in den kommenden Jahren wieder auf 2 oder gar 1 fallen, was bedeutet, dass man mit einer Unze Gold wieder einmal den Dow Jones kaufen kann, während man heute noch 13,4 Unzen Gold dafür auf den Tische legen muss. Wer aktuell also sein Gold verkauft, um wieder in den Aktienmarkt einzusteigen, begeht einen strategischen Fehler, denn die Bereinigung von Fehlallokationen in der Realwirtschaft wird sich spätestens mit steigenden Zinsen noch fortsetzen.

Das Dow-Gold-Ratio befindet sich im Bärenmarkt und somit auch der Aktienmarkt inflationsbereinigt

Technische Analyse zu Palladium: Kurzfristig auf Messers Schneide – Aufwärtstrend noch intakt

Terminmarkt: Physisches Defizit wegen Lockdowns in Südafrika

Nach zwei Wochen mit relativer Schwäche, was auf ein Überangebot am physischen Markt hindeutete, zeigte sich in der letzten Handelswoche relative Stärke. Der Preis stieg um 96 US-Dollar, obwohl die Spekulanten am Terminmarkt nicht den Preis über den Aufbau neuer Longpositionen nach oben getrieben hatten, weshalb der Preis vermutlich durch physische Nachfrage stark war. Die Terminmarktdaten zeigen ein bärisches Sentiment für den Palladiumpreis, was logisch ist, da dieser während Rezessionen traditionell fällt. Hier will sich aktuell kein Spekulant die Finger verbrennen, was erklärt, warum die Masse der Spekulanten auf einen fallenden Preis gewettet haben. Damit besteht jedoch auch das Potenzial für einen Short-Squeeze, sollte sich die Nachfrage aus der Industrie schneller erholen, als man die Minenproduktion nach dem Shutdown in Südafrika wieder hochfahren kann. Insgesamt bieten die CoT-Daten kein grünes Signal, um mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis auf einen fallenden Preis zu setzen, auch wenn dies aktuell unser wahrscheinlichstes Szenario ist.

Die Masse der Spekulanten hat auf einen fallenden Palladiumpreis gewettet

Der Langfristchart zeigt die Rezession von 2008, in der der Palladiumpreis förmlich kollabierte. Dies geschieht regelmäßig während Rezessionen, da Palladium primär in der Automobilindustrie zur Herstellung von Benzinkatalysatoren Verwendung findet. Nimmt die Nachfrage nach Neufahrzeugen während einer Rezession ab, so bricht auch immer die Nachfrage nach Palladium und somit dessen Preis ein.

Während dieser Rezession kam es erstmals jedoch nicht zu einem derartigen Preiseinbruch, da es diesmal aufgrund des Shutdowns der Volkswirtschaften auch zur Schließung der Platin- und Palladiumminen in Südafrika kam, womit auch das Angebot zurückging, was den Rückgang der Nachfrage kompensierte.

Kurz- bis mittelfristig ist die Entwicklung des Palladiumpreises jetzt davon abhängig, wie schnell sich die Wirtschaft und die Automobilnachfrage erholen können und wie schnell die Minenproduktion in Südafrika wieder hochfahren wird. Wir sehen erste Anzeichen, dass letzteres in Bälde geschehen dürfte, weshalb sich das für eine Rezession typische Überangebot doch noch einstellen könnte.

Palladium brach in dieser Rezession nicht so stark ein, da die Minen ebenfalls ihre Förderung einstellen mussten

Der Tageschart zeigt den starken Anstieg des Palladiumpreises in den vergangenen Jahren. Dieser wurde durch ein permanentes Defizit am physischen Markt verursacht. Diese Marktphase war sehr einfach zu handeln und jeder kurzzeitiger Rücksetzer bot immer wieder schöne Nachkaufgelegenheiten. Wie man an den Signalen im Chart sieht, konnten wir den Einbruch des Palladiumpreises mit einem Verkaufssignal bzw. einem Shortsignal antizipieren, was angesichts der einsetzenden Shutdowns und dem bis dahin bereits eingebrochenen Gold-, Silber- und Platinpreises auch nicht schwer war.

Wir hatten zum Tief bei 1.600 US-Dollar die Gewinne aus dem Short-Trade mitgenommen und stehen seither auf der Seitenlinie. Die Schwankungen von Angebot und Nachfrage sind aufgrund der politischen Umstände aktuell zu unberechenbar, als dass wir hier eine Prognose mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis treffen könnten. Wir müssen daher waren, bis sich die Weltwirtschaft halbwegs normalisiert und sich eine gute Chance bietet. Bis dahin werden wir weiter abwarten und den Preis sowie die politische Entwicklung in Südafrika sowie der Weltwirtschaft genaustens verfolgen.

Mittelfristig ist eine Prognose für Palladium sehr schwer

Immerhin bietet der kurzfristige Chart ein paar wenige Informationen für kurzfristig agierende Händler. So zeigten sich bei 1.900 US-Dollar starke Hände, die einen Preisrutsch verhindert hatten. Womöglich hatten hier große Verbraucher die Gunst der Stunde genutzt, um die Lager günstig zu füllen. Daraufhin stellte sich scheinbar ein leichtes Defizit ein, weshalb sich ein Aufwärtstrend ausbildete, der bis dato intakt ist. Sollten die südafrikanischen Minen bald wieder voll operieren, dann könnte dieser Aufwärtstrend brechen. In diesem Fall würde dies ein Verkaufssignal mit dem Ziel bei 1.900 US-Dollar erzeugen. Würde auch diese Unterstützung fallen, so läge die nächste Unterstützung bei 1.500 US-Dollar.

Kurzfristig agierende Trader finden im Chart zwei wichtige Unterstützungen