Optionshandel zeigt positive Tendenzen – Anleger hoffen auf „Phase One Deal“

Dem Kupfer ging es nicht gut, in den letzten Monaten. In den Handelsverläufen an der London Metal Exchange zeichnete sich seit Mitte 2019 ein Seitwärtstrend ab, zugleich verschärfen nach wie vor festgefahrene Handelsgespräche zwischen den USA und China die makroökonomische Lage. Andy Home, Kolumnist für Reuters, berichtete am Dienstag dennoch über Vorboten einer positiven Entwicklung am Kupfermarkt.

Der Optionshandel ist es, der die träge Handelslage beim Kupfer animieren und zu einer positiven Entwicklung der Kupferkurse führen könnte. Rund um das Industriemetall gab es in der Vergangenheit wenig Anlass zur Euphorie. Die Kurse dümpelten im Seitwärtshandel vor sich hin, ein Hinweis darauf, dass Angebot und Nachfrage generell austariert sind.

Zugleich sank der Output an Kupfer aus China und die Handelsstreitigkeiten zwischen dem Reich der Mitte und den USA stagnierten. Deutlich zu sehen war das an der Entwicklung beim Kupfer- Optionshandel, wie er sich bei der CME Gruppe, einer der größten Termin- und Optionsbörsen der Welt, abgezeichnet hatte.

Optionshändler gehen long

Der große Kupfer-Short scheint momentan zu einer Wende zu gelangen. Abzulesen sind die ersten Indikatoren dafür an den aktuellen Reports von CME über den Kupferoptionsmarkt. Dort sind Netto-Short-Positionen von 17.383 Vertragsoptionen verzeichnet. Noch im vergangenen Monat waren es 62.741, ein Vierteljahr davor eine Rekordsumme von 74.597 Verträgen. Die Gesamtshorts haben sich seit starken Ausschlägen in August und September aktuell deutlich reduziert.

Zugleich haben sich die Long-Positionen im vergangenen Monat erholt – von 39.870 Optionen auf nun 61.835 – das ist der stärkste Wert seit April. Damals lag der Handelspreis für Kupfer bei einem Jahreshoch von 6.400 USD pro Tonne. Der Anstieg der Long-Positionen wäre ein Signal für eine optimistische Einschätzung der aktuellen Entwicklung

Ein Großteil der Short-Positionierung war offenbar durch systematische Fonds und durch die Marktdynamik erzeugt worden. Großinvestoren hatten sich aufgrund der Unwägbarkeit Marktsituation in der Industriemetallbranche insgesamt zurückhaltend gezeigt.

Die Calls des März

Das Kaufinteresse für Upside-Calls zum kommenden März ist hoch. Der Interessenschwerpunkt liegt bei Ausübungspreisen von 6.150 beziehungsweise 6.600 USD,  jeweils zu 3.000 Posten. Das entspricht zusammen einer tatsächlichen Kupfermenge von insgesamt 75.00 Tonnen.

Weitere 1.640 Posten basieren auf einem Ausübungspreis von 6.500 USD, 920 Verpflichtungen konzentrieren sich auf einen Preis von 6.300 USD zum Februar.

Kupferpreise steigen wieder

All diese Optionskäufe auf steigende Preise haben ebenso das Interesse der Rohstoff-Börse geweckt. Macolm Freeman vom Broker „Kingdom Futures“ aus Großbritannien vermutet, dass es sich bei diesen Käufen um spekulative Geschäfte handele, bei dem Fonds ein Ausweichen auf den Optionsmarkt zur Vermeidung von Volatilitätskosten anstrebe, indem man sich zu gegebener Zeit von Futures trennt.

Der auf Rohstoffe spezialisierte Broker „Marex Spectron“ bestätigt, die Positionierung habe sich von einem Short-Stand hin zu einer flachen Position erholt.

Derweil verbessern sich aktuell die Preise beim Kupfer an der Londoner Metall-Börse: Seit Anfang Oktober haben sich die Beträge von 5.588 USD auf 6.011 USD in der vergangenen Kalenderwoche erholt. Analysten von JPMorgan stellten fest, dass das Kupfer an der London Metal Exchange das beliebteste Basismetall unter den Longs war. Die Verschiebungen der Positionierungen sowohl an der Börse als auch bei CME signalisieren ein positives Interesse der Finanzwelt an Kupfer.

China bleibt skeptisch

Derweil ist man an der Metallbörse in Shanghai weiterhin vorsichtig in Bezug auf Kupfer und konzentriert sich stattdessen auf Nickel. Das Open Interest für Kupfer ist in China in den vergangenen Monaten geschrumpft und hat aktuell den Tiefstand seit Mai erreicht und liegt nun bei 529.000 Optionen.

Die aktuelle Marktsituation  von Kupfer

Ende Oktober befanden sich 438.000 Tonnen Kupfer im offenen Handel. Dabei handelt es sich um einen übersichtlichen Anstieg von gerade einmal 9.000 Tonnen zum Vorjahreswert.

Zugleich war in diesem Jahr nicht zu beobachten, dass es nennenswerte Lageraufbauten seitens der Produzenten gegeben hätte. Bei den Endverbrauchern sind die Lagerbestände ebenfalls niedrig.

Zwar gibt es in der Branche derzeit eine Schwäche bei der Nachfrage, die zugleich aber durch das reduzierte Angebot der Förderbetriebe abgefangen wird. Laut der International Copper Study Group mit Sitz in Lissabon war für 2019 mit einem Produktionsrückgang von 0,5 Prozent zu rechnen.

Brennpunkt Chile – Risikofaktoren für die Kupferproduktion

Abgesehen von der leicht schwächelnden Nachfrage ist der Rohstoffaustausch zwischen Produzenten und Verbrauchern recht ausgeglichen. Dennoch bleibt Kupfer ein sensibles Handelsgut, denn in dieser Situation kann eine Störung beim Angebot die Marktbedingungen empfindlich beeinflussen.

Vor allem die wirtschaftspolitische Situation in Chile, dem weltweit wichtigsten Kupferproduzenten, ist angespannt. Zwar haben die aktuellen Anti-Regierungsproteste keinen nennenswerten Effekt auf die Kupferbranche gezeigt. Die Situation bleibt aber vorerst unabwägbar – vor allem hinsichtlich der Abbau-Vertragsverlängerungen für Bergwerke, die im kommenden Jahr anstehen.

Warten aus den „Phase One Deal“

Spannend ist, wie die Entwicklung von Kupfer sich in diesem Szenario ausnehmen könnte, wenn sich an der grundsätzlichen Angebotssituation zunächst wenig ändert.

Im Wesentlichen setzen die Fonds darauf, dass die Dynamik von Angebot und Nachfrage sich ungeachtet der makroökonomischen Unsicherheiten des Jahres durchsetzen wird – verständlicherweise vorausgesetzt, dass die amerikanisch-chinesischen Handelsgespräche wieder in Gang kommen. Die Hoffnung liegt bei einem „Phase One“-Deal, der eine partielle Zollsenkung bedeuten würde. Schon das sollte einen Teil der Marktunsicherheit abmildern.

Der zarte Optimismus ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da Entscheidungen und öffentliche Äußerungen seitens des US-Präsidenten nicht vorhersehbar sind. Nach eigenen Angaben habe er aktuell „zu nichts zugestimmt“. Der nächste Tweet kann alles ändern.

Auch Kupferminen wieder interessant

Mit steigenden Kupferpreisen rücken auch wieder die Kupferproduzenten wie zum Beispiel Freeport-McMoRan oder Anglo American in den Fokus der Anleger. Aber nicht nur die Produzenten sondern auch kleinere Gesellschaften wie Oroco Resource Corp, welche das Weltklasse Santo Tomás Kupferprojekt in Mexiko entwickelt bergen Chancen.