Lithium oder Vanadium – vom Material hängt die Technik ab, die bei der Konstruktion von Batterien zum Einsatz kommt. Die Anzeichen mehren sich, dass sich in China Vanadium zur netzseitigen Nutzung  von Energiespeichern etabliert. Das auf börsennotierte Unternehmen spezialisierte australische Newsportal „Stockheads“ gab einen kurzen Abriss der aktuellen Situation.

Energiespeicher sind ein angesagter Zukunftsmarkt: Allein im ersten Halbjahr 2018 haben sich die Projekte der Batteriebranche mehr als verdoppelt. Dieser wachsende Markt für Speichermedien treibt auch die Bergbauprojekte an, die Vanadium beziehungsweise Lithium fördern – die derzeit gefragtesten Batterierohstoffe.

Speicherkapazitäten: Großbritannien führend, China holt auf

Großbritannien steht derzeit mit 107 Megawatt beziehungsweise 44 Prozent der Gesamtkapazitäten global in Führung. Das ist ein rasanter Anstieg um beachtliche 441 Prozent im Vorjahresvergleich. Doch auch in Asien boomt die Branche: Allein im ersten Halbjahr 2018 mehrten sich die Batterieprojekte um 127 Prozent – den Löwenanteil hierbei machen die netzseitigen Energiespeicher aus. Diese hielten mit 43 Megawatt den Hauptanteil der zusätzlichen Fassungskraft – das entspricht etwa 45 Prozent der Gesamtkapazität.

Liebling Lithium

Lithium-Ionen-Technologie ist weltweit dabei derzeit das verbreitete Mittel der Wahl: 94% der Gesamtkapazität wird von Lithium-Ionen-Batterien gestellt. Das sind 94 Prozent der britischen Gesamtleistung und 142 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig hat China Kapazitäten von 94 Prozent des Gesamtvolumens eingerichtet – eine Steigerung um 172 Prozent.

Boom kurbelt Bergbau an

Die chinesische Energiewirtschaft bevorzugt Batterietypen, die nach dem Prinzip der „stationären Speicherung“ einsetzbar sind. Solche Batterien können überschüssigen Strom jedweder Quelle, also auch Ökostrom, speichern und in Spitzenzeiten wieder abgeben. Solche Batterietypen sind etwa Blei-Säure-oder Nickel-Cadmium-Batterien. Traditionell am weitesten verbreitet sind derzeit noch Bleisäure-Speichermeiden. Doch jüngere und effizientere Technologien wie Lithium-Ionen oder Vanadium Redox Flow (VRF)-Batterien werden immer attraktiver für die Branche. Nutznießer des chinesischen Batterien-Booms sind die Produzenten solcher Batterierohstoffe. So konnten sowohl Pilbara Minerals als auch Altura Mining aus Perth kürzlich die Verschiffung von Lithium aus Australien nach China aufnehmen.

Auf der Suche nach neuen Techniken

Das Unternehmen Mastermines unterstützt australische Bergbaubetriebe in Sachen Marketing und Abnahmeverträge. Geschäftsführer David Gillam bestätigt, dass die chinesischen Akteure der Energiebranche sich derzeit beiden Technologien zuwenden, nachdem in China Energie aus Wasserkraft an Bedeutung verloren hat. Dort sucht man nun nach neuen Möglichkeiten, Energie aus Solar- und Windkraft ins Netz einzuspeisen. Stockhead gegenüber sagte Gillam, dass zwar eine Tendenz in Richtung Vanadium zu beobachten sei, zum gegebenen Zeitpunkt aber noch kein gesicherter Trend bestünde. Zunächst müssen effiziente Möglichkeiten der Energiespeicherung seitens der chinesischen Unternehmen ausgelotet werden.

Luft und Natrium im Entwicklungsstadium

Im Augenblick, so Gillam, befänden sich etwa fünf verschiedene Technologien  in der Testphase. Dazu gehört auch die sogenannte Zink-Luft-Batterie, die von Forschern der Universität von Sydney entwickelt wurde. Der Vorteil der Zink-Luft-Batterie: Sie ist preiswerter als die Lithium-Ionen-Batterie, aber weniger effizient und damit eher eine interessante Option für die Nutzung in Privathaushalten. Auch in den USA wird geforscht: Die Explosionsneigung von Natriumbatterien konnte gesenkt und ihre Effizienz erhöht werden  Der große Vorzug von Natrium: Es ist billiger und leicht verfügbar; die Batterien sind allerdings deutlich schwerer als andere Bauformen. Damit scheiden sie als Energiequelle für Elektromobile praktisch aus. Für den stationären Einsatz bei Solar- und Windkraftwerken sind Natriumbatterien allerdings eine sehr interessante Alternative, die weiter optimiert wird.

Materialnachschub aus Übersee

Derweil steht China vor einem Versorgungsengpass: Illegale Bergbau- und Umweltschutzverstöße führten in jüngerer Vergangenheit dazu, dass innerchinesische Minen geschlossen werden mussten. Die chinesische Regierung nimmt die Umweltreformen sehr ernst: Eine Vielzahl von Unternehmen ist betroffen. Für die Versorgung mit den für den Batteriebau benötigten Rohstoffen ist das Reich der Mitte daher auf Importe angewiesen. An dieser Stelle kommt Australien ins Spiel: Das Interesse an Batterierohstoffen von dort hat sich deutlich erhöht. Nicht nur das: Chinesische Batterieunternehmen interessieren sich nicht nur für die Rohstoffe selbst, sondern auch für bereits auf High-End-Niveau verarbeitete Materialien.

Wachsende Chancen durch Weiterverarbeitung

Ein Wachstumsmarkt mit Potenzial, wie Gillam bemerkt, nicht nur für die Förderunternehmen, sondern auch für die Raffinerien Down Under. Ein proaktives Vorgehen der australischen Unternehmen, die die gebrauchsfertigen Produkte den entsprechenden chinesischen Firmen anbieten, sei ratsam. Allerdings: In Australien gibt es derzeit noch nicht allzu viele Bergbaubetriebe, die bereits eine nachgeschaltete Verarbeitung ihrer geförderten Produkte vornehmen oder Investitionen darin planen. Gillam betont, wie wichtig es für den australischen Markt sei, zu erkennen, welche Möglichkeiten sich über die reine Rohstoffförderung heraus ergeben.

Lithium Australia – Wiederverwertung ist Trumpf

Lithium Australia mit Sitz in Perth ist ein Vorreiter. Das börsennotierte Unternehmen plant, als erstes ein Rundum-Anbieter von der Förderung bis zur Herstellung und Recycling von Batterien zu werden. Lithium Australia wendet ein „SiLeach“ genanntes Verfahren an. Dabei werden Abfälle aus dem Förderbetrieb in Lithium-Chemikalien und dann mit einer Lösung seines Tochterunternehmens  VSPC in hochwertige Lithium-Ionen-Batteriekathoden-Materialien umwandelt. Die Recycling-Technologie kann auch aus Altbatterien wertvolle Metalle sowie Lithium und Kobalt rückgewinnen. Erste chinesische Batteriehersteller fahren bereits Testläufe mit dem Lithium-Eisen-Phosphat-Kathodenpulver von Lithium Australia.

Inländische Vanadium-Verknappung: Audienz in China

Mastermines vermittelte auch Australian Vanadium Anfang 2018 einen Termin bei der Shenzen Win-Win Development Group, einem Stahl- und Legierungshersteller in privater Hand. Nach Unterzeichnung einer Absichtserklärung wurden Verhandlungen eingeleitet, die womöglich in einen Finanzierungs- und Verkaufsvertrag für das  Gabanintha-Projekt des australischen Unternehmens münden könnte. China selbst hatte im Zuge der Minenschließungen einen beträchtlichen Anteil seiner Vanadium-Ressourcen stillgelegt und wird in absehbarer Zeit wohl auch keine eigene Förderung ankurbeln. Der Grund: Gerade kleinere Bergwerke haben nicht das Kapital, um konform zu den Umweltgesetzen zu arbeiten. Hauptabnehmer für Vanadium ist neben den Batterieherstellern nach wie vor die Stahlindustrie. 90 Prozent der weltweiten Förderung fließen in Legierungen für hochfesten Stahl. Nachdem China ebenfalls strengere Normen für den in der Bauindustrie verwendeten Betonstahl eingeführt hat, benötigt auch diese Branche einen größeren Anteil an Vanadium.

Vanadium im Aufwärtstrend

Die Nachfrage nach Vanadium seitens Stahl- und Energieindustrie bildet sich im Pricing ab. Gillam verweist auf einen Preisanstieg von 23 Prozent innerhalb nur einer Woche – ein ganz außergewöhnliches Ereignis auf dem Mineralienmarkt.  Irgendwann wird der Trend für Vanadium natürlich wieder fallen. Für die nächsten Jahre jedoch prognostiziert Gillam ein stabiles hohes Niveau – angesichts dessen, dass das Angebot derweil kaum steigen wird. Wichtige australische Vanadium-Player sind TNG, Technology Metals Australia, Intermin Resources und King River Copper.

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