Edelstahl und Lithium-Ionen-Batterien haben etwas gemeinsam: Für beides wird Nickel benötigt. Aber Nickel ist nicht gleich Nickel, und die traditionell gewachsenen Preisentwicklungen am Metallmarkt geraten durch den neuen Bedarf der Energiespeicherproduzenten in Bewegung.

Nickel und Edelstahl – Preispartner aus Tradition

Der weltweite Verbrauch an Nickel betrug 2017 rund 2,2 Millionen Tonnen. Etwa zwei Drittel dieser Menge sind in die Stahlverarbeitung geflossen: Edelstahl-Produzenten benötigen Nickel als wichtige Zutat für ihre Legierungen. Die Nachfrage an Edelstahl hat ihrerseits stark zugenommen. Allein 2017 verzeichnete man eine Produktionssteigerung um 5,8 Prozent und einen weiteren Anstieg allein Anfang dieses Jahres um weitere 9,5 Prozent. Experten der „International Nickel Study Group“ (INSG) beziffern, dass die Verwendung von Nickel im selben Zeitraum um 7,8 Prozent und Anfang 2018 um 9,7 Prozent gestiegen sei. Die Verbindung zwischen dem Produkt Edelstahl und dem Rohstoff Nickel ist ersichtlich – dergestalt, dass die Stahlindustrie den Nickelmarkt weitgehend bestimmt. Aber die Zeiten ändern sich – die Situation befindet sich im Umbruch.

Neue Preispartner für Nickel

Wie der russische Nickelproduzent und Marktführer Norilsk Nickel einschätzt, geraten die historisch bedingten Preisrelationen derzeit ins Wanken. Nickel sei das einzige Basismetall, das an der London Metall Exchange noch auf einem positiven Preistrend sei. Im vergangenen Jahr stieg der Preis um vier Prozent auf derzeit 13,120 USD pro Tonne. Seit dem vierten Quartal 2017 hat es damit im Trend Edelstahl übertroffen – und die Lücke zwischen beiden Parteien vergrößere sich. Norilsk Nickel sieht aktuell eine stärkere Marktrelation zwischen Nickel und Kobalt denn mit Edelstahl. Diese beiden Rohmetalle sind wesentliche Bestandteile für die Erzeugung von Lithium-Ionen-Batterien und profitieren somit von der Nachfrage, die durch die Elektromobilitätsbranche entsteht. Allerdings sind die Nickel-Mengen, die für Batterien benötigt werden, im Vergleich zum Bedarf der Edelstahlproduktion winzig.

Wie tonangebend ist die Batterie-Branche?

Sind die Korrelationen zwischen Nickel und den Herstellern von Energiespeichern unter diesem Gesichtspunkt tatsächlich so signifikant für die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten? Laut den Analysten des der global agierenden Unternehmensberatung Wood Mackenzie hatte die Elektromobil-Batterien-Branche 2016 einen Nickelverbrauch von weniger als zwei Prozent der Menge, die in derselben Zeit in die Metallherstellung geflossen sei. Die allgemeine Expertenmeinung besagt, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis die Nachfrage der Batterieindustrie sich effektiv als Beschleuniger für den Preis erweisen wird. Der Markt indes nimmt diese Entwicklungskurve bereits vorweg und die Lieferkette beginnt, sich dem anzupassen.

Wohin verschwindet das Nickel?

Ein Indikator für diese merklichen Änderungen ist die London Metal Exchange. Die dort gelisteten Lagerbestände sind seit elf Monaten in Folge gefallen und liegen aktuell – mit 248.328 Tonnen – ungefähr auf dem Niveau von 2013. In China sieht es noch brisanter aus: Die Nickelvorräte an der Shanghai Futures Exchange verringern sich rasant. Lagen im August 2016 noch 110.000 Tonnen im Bestand, waren es in der vergangenen Woche gerade noch 18.844 Tonnen. Kombinierte Tauschaktien sind von ihrem Höchststand von 500.000 Tonnen Anfang 2016 um 45 Prozent beziehungsweise 233.000 Tonnen gefallen.

Energiespeicher-Produzenten bauen vor

Dieser Verfall kann nicht ohne weiteres erklärt werden, selbst wenn man den Verstärker für den Nickelbedarf seitens der Stahlindustrie berücksichtigt. Norilsk Nickel sieht eine Ursache darin, dass die Batterieindustrie sowie Händler und Investoren Präventiv-Bestände aufbauen. Der Effekt sowohl auf die LME als auch die SHFE sind so signifikant, wie an beiden Handelsplätzen Nickel gehandelt wird, der sich perfekt für die Batterieproduktion eignet.

Das „richtige“ Nickel ist gefragt

Nickel ist allerdings nicht gleich Nickel: Edelstahlwerke können jegliche Form von Nickel verwenden, sowohl  Nickel-Roheisen als auch bereits raffiniertes Metall – bei der Stahlherstellung wird ohnehin alles eingeschmolzen. Die Batteriehersteller benötigen hingegen eine ganz spezielle Form, nämlich Nickelsulfat. Nickelsulfat kann allerdings nur als Rohnickel der höchsten Produktklasse gewonnen werden – aus Rohmaterial mit einem Nickelgehalt von über 99,9 Prozent.

Exakt solches Nickel wird in London und Shanghai gehandelt – und wird dort knapp. Um den Nachschub zu sichern, so schätzt man bei Norilsk Nickel, wird der globale Produktionsoutput in diesem Jahr etwa um 9 Prozent steigen. Der Großteil davon wird allerdings aus Nickel-Roheisen bestehen und in die Stahlproduktion fließen. Das Klasse-1-Nickel, das die Batterieindustrie braucht, wird im Gegensatz dazu wohl auf 19.000 Tonnen fallen.

Zwischen diesen  entgegengesetzten Trends besteht ein direkter Zusammenhang: Die Produzenten das Klasse-1-Materials spüren den Preisverfall, den die ansteigende Nickel-Roheisen-Produktion chinesischer Gruben in den vergangenen Jahren ausgelöst hat. Der Nickelpreis lag vor einem Jahr unterhalb der 10.000 USD-Marke pro Tonne. Der brasilianische Produzent Vale und andere setzten Prioritäten auf die Betriebsmargen anstelle der Steigerung der Fördermenge, mit der Folge, dass der Output im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent gesunken en ist. Das große Angebot an Nickel-Roheisen und die niedrigen Preise hierfür verhinderten weitere Investitionen in Minen, die Klasse-1-Material fördern.

Minenbetreiber reinvestieren in Klasse-1-Nickelförderung

Betrachtet man diese Grundlagen, wird deutlich, dass ein Preisanreiz benötigt wird, um die Förderung von Klasse-1-Nickel zu stimulieren und die bullische Kluft zwischen Nickel und Edelstahl zu durchbrechen. Die Marktsignale sind deutlich: So hat BHP es 2014 nicht geschafft, seine Nickelunternehmungen in Australien abzustoßen. Nun, vier Jahre später, werden Mittel in genau dieses Business investiert. In Perth wird eine Nickelsulfatanlage gefördert. Mitbewerber Dundas Mining reaktiviert derweil eine Mine in Tasmanien, die fast ein Jahrzehnt lang stilllag.

Bewegung in der Preisentwicklung

Die Prognose der steigenden Nachfrage nach Batterien für Elektrofahrzeuge hat den Nickelpreis wiederbelebt. Dieser Impuls wird nun in die Förderung des für diesen Industriezweig benötigten Klasse-1-Materials weitergegeben. Derweil haben alle Marktbeteiligten jedoch bereits versucht, sich das vorhandene physische Material zu sichern, was den bullischen Kurs in London und Shanghai auslöste. Auch wenn die spekulative Aufregung der letzten Wochen sich zwischenzeitlich etwas gelegt hat, wird der Nickelpreis weiterhin durch die Elektrobranche beeinflusst.

Problematisch wird es jedoch dann, wenn die marktbeherrschenden Spannungen sich auf das weltweite Wachstum auswirken und dabei die Stahlindustrie in Schwierigkeiten gerät – die Verbindungen zwischen Nickel, seinem Traditionspartner Stahl und der Preisentwicklung sind fragil und können den Nickelmarkt in Schwierigkeiten bringen.