Moskau scheint mit Gegenmaßnahmen gegen die US-Sanktionen abzuwarten, obwohl US Präsident Trump bereits vor Tagen diese gegen das russische Unternehmen Rusal beschlossen hat. Man scheint im Kreml zu hoffen, dass die Europäische Union Washington eventuell überreden könnte, die Restriktionen gegen den weltweit zweitgrößten Aluminiumproduzenten zu lockern.

Bereits am Montag hatte die USA den amerikanischen Kunden von Rusal mehr Zeit eingeräumt, die neuen Regeln aufgrund der Sanktionen umzusetzen.

Emmanuel Macron und Angela Merkel besuchten beide den US Präsidenten und Moskau hofft, dass beide erreichen könnten, dass Rusal doch wieder vermehrt Aluminium liefern darf. Dies wäre für die EU auch von Eigennutzen, befinden sich doch einige Raffinerien Rusals auch in der Europäischen Union.

Normalerweise reagiert die russische Regierung sehr schnell mit Gegensanktionen. Dieses Mal ist die Reaktion aber ungewöhnlich langsam.

Die russische Legislative hat bereits am 13. April Gesetze entworfen, die Güter und Dienstleistungen aus den USA entweder ganz verbieten oder zumindest limitieren. Eine erste Sitzung darüber ist für den 15. Mai geplant.

Ein zweiter Grund, warum Russland nicht sonderlich aggressiv reagiert, könnte die Austragung der Fußballweltmeisterschaft in diesem Sommer sein. Restriktionen auf US Importe würden der einheimischen Industrie schaden; so Experten.

US-Einmischung in Besitzverhältnisse russischer Unternehmen

Diesen Montag kam aus Washington die Nachricht, dass man die Sanktionen wieder aufhebt, falls Deripaska, der Haupteigentümer von Rusal, zurücktritt. Allerdings will Deripaska seine Anteile behalten. Und auch der Kreml zeigt sich wenig von einem Szenario begeistert, in dem Washington vorgibt, wer russische Unternehmen besitzen darf.

Dennoch hat der russische Industrieminister Denis Manturov geäußert, dass er nicht ausschließe, dass die Regierung einen Anteil an Rusal von Deripaska erwerben könnte. Details dazu wurden aber nicht bekannt gegeben. Falls Rusal den Europäischen Markt behalten kann, so erwarten Experten, dass die russischen Gegenmaßnahmen moderat ausfallen werden.

Russische Unternehmen, welche von den Sanktionen betroffen sind, haben bereits 1,6 Mrd. USD Unterstützung von der Regierung angefordert. Eine Lösung der Handelskrise zwischen den USA und Russland ist noch nicht wirklich in Sicht. Der Preis für Aluminium sollte volatil bleiben.