Der Ölpreis scheint seine Talfahrt überwunden zu haben und die Ölindustrie kann langsam aufatmen. Seit dem Jahrestiefpunkt im Juni, als der Preis für ein Barrel Brentöl bei 45 USD lag, hat sich dieser nun deutlich erholt und befindet sich aktuell auf einem Niveau von 62 USD pro Fass. Im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr entspricht das einem Preisspruch von 33%.

Geht man von einem durchschnittlichen Break-even-point von USD 50 pro Fass Öl aus (einige Unternehmen können mittlerweile sogar deutlich günstiger fördern), so dürften die Unternehmen nun wieder deutliche Gewinne einfahren.

Die Verknappungspolitik der OPEC scheint sich also auszuzahlen. Noch bis Ende März 2018 haben sich die OPEC und einige andere nicht OPEC Staaten (vor allem Russland) darauf geneinigt, die Produktion knapp zu halten, um somit den Angebotsüberhang zu verkleinern.

Am 30. November werden sich die Mitgliedstaaten der OPEC abermals treffen, um ein weiteres Vorgehen ihrer Politik zu diskutieren. Experten glauben, dass sich – falls sich die OPEC einigt und an der reduzierten Produktion festhält – der Preis für Rohöl seinen Höhenflug weiter fortsetzen könnte.

Die Analysten des Energie-Beratungsunternehmens FGE sagen dazu: „Falls sich OPEC und die nicht OPEC Staaten einigen, das Angebot um 50 Mio. Barrel über dem Fünf-Jahresdurchschnitts zu reduzieren (aktuell liegt es 140 Mio. Barrel über dem Durchschnitt), so könnten die Ölpreise auf 65-70 USD pro Barrel steigen.

Das größte Risiko kommt aus den USA. Hier hat man sich nicht an Produktionseinschränkungen gehalten, sondern hat die Förderquote sogar noch deutlich erhöht. Vor allem Produzenten von Schieferöl haben die Förderung angehoben.

Die Westwood Global Energy Group ist der Überzeugung, dass der US Output sogar noch stärker wachsen könnte als angenommen. Die Anzahl der US Bohranlagen hat sich von 316 Anlagen Mitte Juni 2016 auf aktuell 738 Anlagen erhöht. Zusätzlich hat sich die Produktivität der Hersteller deutlich gesteigert. Westwood Global Energy Group erwartet in den USA bei aktiven Förderanlagen ein Wachstum von 18% in 2018. Zudem würden die Förderer auf hohe Effizienz achten; frei nach dem Prinzip „mehr für geringere Kosten“.

Allerdings warnt FGE auch vor möglichen Angebotsstörungen in 2018, was den Ölpreis in dem eh schon engen Markt nochmals nach oben treiben könnte. Gleichzeitig sagt FGE, dass sich der Markt im Jahr 2019 wieder abkühlen könnte, falls die US weiterhin in der selben Geschwindigkeit fördert und die OPEC mit ihren Verbündeten das Knapphaltungsprogramm beendet.

„Wir erwarten für 2018 und 2019 ein Wachstum der US-Produktion von 1-1,5 Mio. Barrel Öl. Zudem hat die OPEC immer noch 1,5 Mio. Barrel an Reservekapazität und aus Russland sowie Kasachstan könnten nochmal 500 000 Barrel hinzukommen“; so FGE.