Das kanadische Bergbau-Unternehmen Crystallex muss sich in diesen Tagen mit anderen Dingen beschäftigen als mit dem Betreiben von Rohstoffminen oder dem Zukauf neuer Vorkommen. Nachdem Crystallex 2008 in Venezuela vom damaligen Machthaber Hugo Chavez enteignet wurde, kämpft das Unternehmen einen mühseligen Kampf um Entschädigung. Erst kürzlich gelang Crystallex ein Teilsieg. Wie ein Gericht in Washington D.C. urteilte, muss Venezuela dem Minenbetreiber 1,2 Milliarden Dollar Entschädigung plus 200 Millionen Dollar Zinsen zahlen. Doch los ist Crystallex seine Sorgen damit noch nicht.

Gericht: Venezuela muss für Enteignung entschädigen

Bereits im März hatte das Gericht dieses Urteil ausgesprochen und es nun bestätigt. Demnach wurde Venezuela von Seiten der Weltbank angewiesen, die genannte Summe an Crystallex zu überweisen. Mit Hilfe des nun erreichten Urteils kann das Unternehmen versuchen, venezuelische Vermögenswerte innerhalb der Vereinigten Staaten beschlagnahmen zu lassen. Inwiefern das von Erfolg gekrönt sein wird, steht in den Sternen – immerhin schwelt der Konflikt bereits seit 2008. Damals hatte Venezuela die Goldmine Las Cristinas enteignet. Das Projekt galt als Flaggschiff von Crystallex und ist noch heute eines der weltweit größten unentwickelten Goldvorkommen mit gemessenen und angezeigten Ressourcen von 21 Millionen Unzen und Reserven von 17 Millionen Unzen Gold.

Kanada und Australien gelten als minenfreundlich

Ob die Eigentümer von Crystallex jemals einen fairen Gegenwert der Liegenschaft sehen werden, bleibt unklar. Sicher ist, dass der Wegfall des einstigen Vorzeige-Projekts dem Unternehmen geschadet hat. Seit 2013 ist die Gesellschaft nicht mehr an der Börse notiert. Der Fall Crystallex zeigt, dass es in bestimmten Regionen für Bergbauunternehmen schwer sein kann, Rechtssicherheit zu erhalten. Während klassische Bergbau-Nationen wie Kanada oder Australien über ein weit entwickeltes Rechtssystem verfügen, sieht die Situation in einigen Ländern Südamerikas oder Afrikas schon anders aus. Investoren sollten daher unbedingt darauf achten, dass Rohstoffprojekte nicht nur von den geologischen und ökonomischen Eckdaten her aussichtsreich sind, sondern auch, ob für die jeweiligen Unternehmen Rechtssicherheit besteht.

Viele junge Rohstoffgesellschaften beschränken sich mittlerweile auf bestimmte Regionen. Beispielsweise hat der kanadische Gold-Explorer Brixton Metals nur Projekte aus Nordamerika im Portfolio. Ebenso das Edelmetall- und Lithium-UnternehmenFar Resources (WKN:A2AH8W)oder auchBrixton Metals (WKN:A114WV). Als Local Player bekannt sind unter anderem auch viele australische Gesellschaften. Hier liegt es schon aus logistischen Gründen fern, Projekte auf anderen Kontinenten zu betreiben. Beispiele sind das Lithium-UnternehmenPilbara Minerals (WKN:A0YGCV), der Kupfer, Nickel -und KobaltdeveloperCassini Resources (WKN:A1JNU6)oder die australischen Vanadium-GesellschaftenTechnology Metals Australia (WKN:A2DG4Q)undAustralian Vanadium (WKN: A2ABRH).

Anleger sollten auf Rechtssicherheit achten

Auch wenn viele aufstrebende Volkswirtschaften in den vergangenen Jahren moderne Bergbaugesetze erlassen haben, zeigt der Fall von Crystallex doch, dass autokratische Regime im Falle von innenpolitischen Problemen zu populistischen Maßnahmen greifen können. Anleger sollten daher unbedingt darauf achten, dass aussichtsreiche Liegenschaften auch in minenfreundlichen Staaten beheimatet sind.