Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

der Aktienmarkt spielt verrückt. Kaum wurde Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt, markierte der Dow Jones, nach einem kurzen Einbruch unmittelbar nach der Wahl, ein neues Allzeithoch. Warum ist die anfängliche Sorge vor einem Trump-Sieg verflogen? Das ist sie gar nicht. Im Gegenteil.

Dow Jones

An einer sich über Nacht geänderten Nachrichtenlage kann die Aktienmarktrallye nicht liegen. Ratlose Experten führen als Erklärung an, Trump werde jetzt plötzlich von der Wall Street als Mann der Wirtschaft begriffen, der die US-Konjunktur durch schuldenfinanzierte Infrastrukturprogramme ankurbeln werde. Ein schwache Erklärung, denn Trumps wirtschaftspolitischen Absichten sind lange bekannt. Außerdem brachen die Märkte zunächst ein, als der Wahlsieg Clintons durch FBI-Ermittlungen plötzlich unwahrscheinlicher erschien. Der Markt wollte Clinton, nicht Trump. Woher der plötzliche Gesinnungswechsel?

Die Lage ist komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint. Wenn es sich tatsächlich um eine Trump-Rallye handelt, warum sind dann auch die asiatischen Börsen gestiegen? Immerhin hatte Trump einen Wirtschaftskrieg mit China angekündigt, über den sich kein Aktionär im asiatischen Raum freuen kann.

Welche Musik auch immer gerade am Aktienmarkt spielt, sie wird wohl nicht lange anhalten. Die Aktienmärkte werden schon seit Jahren nicht von wirtschaftlichen Fundamentaldaten getrieben, sondern von billigem Geld bzw. extrem niedrigen Zinsen. Das ist das Leitmotiv an allen Assetmärkten.

Deshalb lassen zwei Hauptindikatoren alle Alarmglocken läuten:

1.) Der US-Dollar legt weiter zu und steht kurz davor, ein neues Kaufsignal zu generieren.

2.) Die Renditen zum Beispiel der 10-jährigen US-Staatsanleihen ziehen deutlich an, d.h. die Zinsen steigen. Und zwar stark beschleunigt!

Zinsen

Der Fed Fund Future zeigt, dass der Markt mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 72 Prozent mit einem Zinsschritt des Fed im Dezember rechnet.

Fed_Funds_Future

Quelle: CME Group

Ich denke, man sollte sich im Moment nicht blind über die Aktienmarktrallye freuen, sondern sich über die Anleihemärkte große Sorgen machen. Steigende Renditen bedeuten, dass Staatsanleihen verkauft werden. Vor allem von China, das keinen Grund hat, sich über Trump zu freuen und das im Moment beschleunigt den Yuan abwertet.

USD_Renminbi

Quelle: Zerohedge

Kann es sein, dass wir im Moment eine große Umschichtung aus Staatsanleihen in Aktien sehen? Wenn das so ist, könnte das ein Indiz für einen akuten Stress am Anleihemarkt sein. Und das wäre auch für den Aktienmarkt kein gutes Zeichen, denn Staatsanleihen sind die Basis für alle möglichen Kredite, mit denen auch Aktien gekauft werden. Das heißt: Je schneller die Zinsen steigen, desto höher wird der Druck auch auf den Aktienmarkt.

Gold

Nur auf den ersten Blick spricht alles gegen Gold. Die Zinsen steigen, der US-Dollar steigt und die Aktienmärkte jubeln. Keine gute Mischung für die Goldbugs. Doch wenn ich richtig liege, dann könnte der Aktien- und Anleihemarkt kurz vor einem Einbruch stehen. In diesem Fall sehe ich keine bessere Absicherung als Gold. Ich denke, das wird der Markt auch so sehen.

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Thomas Rausch

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

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