Habe ich zuletzt die saisonalen Entwicklungen des Gold- und Ölpreises der letzten 20 Jahre und von Kupfer der letzten 13 Jahre beleuchtet, so sehen wir uns heute meine Ermittlungen über die letzten 14 Jahre der TSX-Ventures an.

In einer Serie von abgestimmten Charts will ich euch zeigen, dass, ungeachtet von Bären- oder Bullenmärkten, vorhersehbare Trends bei der Marktkapitalisierung der Venture-Börse existieren. Diese „Kleinunternehmen“-Börse entstand 2001 durch den Zusammenschluss der Börsen Vancouver, Alberta und Montreal. Der Toronto-Venture-Index beinhaltet einen Durchschnitt von 400 der größten Unternehmen, die als Referenz für diesen Markt gelten.

Der Markt der Venture-Börse wird dominiert von rd. 1.773 gelisteten Junior-Explorationsunternehmen sowie eine kleine Anzahl von Juniorproduzenten. 58% sind klassifiziert als Minengesellschaften, 10% als Energieunternehmen, der Rest verteilt sich auf verschiedene Industrien, Technologiewerte, Immobilientitel sowie Unternehmen aus der Kategorie „grüne Technologie“.

Pic1 TSXV Index

Darstellung des Börsenindex seit 2002

Über die vergangenen 14 Jahre zeigte der Index eine hohe Volatilität, die parallel zum Steigen und Fallen des Goldpreises lief. Neben der Korrelation zu Gold können folgende weitere Einflüsse den Index beeinflussen:

  • Fundamentales zu Angebot und Nachfrage anderer Rohstoffe
  • Genereller Gesundheitszustand der Weltwirtschaft
  • Performance der großen US-Märkte
  • Geopolitische Umstände in an Ressourcen reichen Ländern
  • Einflüsse aus Umweltbestrebungen sowie restriktive Behörden bei der Unternehmensentwicklung.
  • Entwicklung neuer Technologien bei Exploration, Entwicklung und Gewinnung von Rohstoffen.
  • Entdeckung neuer Vorkommen, vorzugsweise in unterentwickelten Regionen.

Die nachfolgende Serie von Charts zeigt die Entwicklung des Index, neutralisiert auf den 1. Januar des Jahres:

Pic2 Index 2002-2005

Pic3 Index 2006-2009

Pic4 Index 2010-2013

Pic5 Index 2014-2016

Basierend auf die jährlichen Eröffnungs- und Schlusskurse dokumentiere ich die Bullenjahre als Jahre wo der Schlusskurs mehr 10% höher als beim Eröffnungskurs lag, in grün. Die Bärenjahre dementsprechend wo die Jahresendkurse mehr als 10% im Minus lagen mit rot. Jahresveränderungen unter 10% sind schwarz eingefärbt.

Pic6 Bullen-Bärenjahre

Über die 14-jährige Betrachtungsperiode war der Durchschnitt der Veränderungen des Index rd. 33%. Beachtet bitte, dass die Ventures Börse überwiegend einen Markt abbildet, wo nur wenige gelistete Unternehmen Einkommen verzeichnen und die meisten sich auf der Seite des Kapitaleinsammelns befinden. Sie ist daher die am meisten schwankende Börse der Welt.

Die folgenden Charts dokumentieren die zusammengefassten Trends der 6 Bärenjahre (2008 und 2011-2015), sowie die 5 Bullenjahre (2003, 2005-2006, 2009-2010). Die 3 neutralen Jahre 2002, 2004 und 2007 lassen wir außen vor.

Pic7 Bärenjahre

Pic8 Bullenjahre

Diese komprimierten Charts zeigen eindrucksvoll saisonale Trend für den TSX-V-Index:

  • Es gibt einen generellen Anstieg in der Zeit von Anfang Jänner bis gegen Anfang März eines Jahres. Das ist vorherrschend in Bullenjahren, aber, wenn auch gedrückt, in Bärenjahren erkennbar.
  • Anfang bis Mitte März sind immer Verkäufe zu beobachten
  • In den Bullenjahren ist eine Abwärtspause fest zu stellen und der Index setzt seinen Aufwärtstrend bis Mitte Mai fort. In den Bärenjahren ist das Abtauchen, bis auf wenige Unterbrechungen, bis Mitte Dezember gegeben.
  • Mitte Mai ist ein vorhersehbarer Abwärtsschlag zu bemerken.
  • In den Bullenjahren erreicht der Index seine Jahrestiefs zwischen Mitte Mai und Ende Juli. Von dort an steigt er kontinuierlich bis gegen Ende November.
  • Der Index zeigt, dass in den Bärenjahren der Abwärtstrend im Sommer bis gegen Ende August fortgeführt wird.
  • Bei allen Märkten ist ein Abwärtstrend von Anfang bis Mitte Dezember zu verzeichnen, gefolgt von einem starken Rebound bis zum Jahresende. Lasst uns nun einige Faktoren erforschen, die für diese gut definierten saisonalen Trends des Index verantwortlich zeichnen.
  • Vom Jahresbeginn bis gegen Mitte des 1. Quartals ist der Index geprägt von den „Steuerverlust-Verkäufen“ des Vorjahres.
  • Hinzu kommt noch, dass in dieser Zeit viele Explorationsgesellschaften Kapital für ihre Jahresaktivitäten einsammeln. Und dies auch bei den beiden bedeutenden Jahresmessen (Toronto, Vancouver) stark bewerben.
  • Der Rücksetzer gegen Mitte März ist der sogenannte „Nach-PDAC-Effekt“. Profilierte Investoren wissen, dass dies eine ideale Zeit ist um Gewinne mitzunehmen.
  • Das Loch Mitte Mai ist gut bekannt als die „sell in may and go away“-Strategie, wo viele Investoren den Markt verlassen und sich auf die Urlaubszeit einstimmen.
  • Die Sommerflaute, die man auch in Bullenjahren sieht, ist in diesen Zeiten gegen Ende Juli vorüber. In Bärenjahren zeigt sie den Anfang von schlechteren Zeiten.
  • In Bullenjahren zeigt sich der steuerliche Verkauf mit einem Nachlassen der Märkte bereits gegen Ende November und ist zumeist gegen Jahresende vorbei, wodurch ein starker Rebound der überverkauften Werte bis Jahresende einsetzt.
  • In den Bärenjahren ist der Effekt des Verkaufs aus Steuergründen wesentlich weniger signifikant spürbar, und wenn dann höchstens von Mitte bis Ende Dezember.

Meine Recherchen zeigen auf dass es eine vorhersehbare Saisonalität für den TSX-V-Index gibt und das ungeachtet der Marktbedingungen. Diese dokumentierte Saisonalität reflektiert und beeinflusst die Bewegungen des spekulativen Kapitals auf diesem hochriskanten Kapitalmarkt. Spekulanten, Händler, Tagestrader, Aktienfonds, Investmentbanken und zunehmend algorithmische Handelsprogramme sind die Hauptakteure dieses Marktes.

Anders als bei den Hauptbörsen ist ein Investment, das auf regelmäßigen Erfolg ausgerichtet ist, keine zielführende Strategie für die TSX-Ventures. Aktien an der TSX-Ventures sind ausschließlich Spekulationen und sollten nur mit bescheidenen Mitteln gekauft und verkauft werden. Ich habe gezeigt dass saisonal und mit zyklischen Ansätzen bei hoher Volatilität auf dieser Börse gehandelt wird. Nur wer die periodischen Einstiegs- und Ausstiegspunkte berücksichtigt kann mit Profit belohnt werden.

Das ist ein Spiel, Leute. Aber wie ein guter Kartenspieler am Tisch, ist es für eine gute Spekulation notwendig, die Verhältnisse zu seinen Gunsten zu nutzen. Und ich glaube wir haben einige Ansätze für ein gutes Timing im Spiel geliefert. Meiner Meinung nach sollte man sich aber professionelle Hilfe bei diesem Markt zurate ziehen.

Zusätzliche Details für Möglichkeiten bei einen Kurfristhandel im Ressourcenmarkt werden wir uns das nächste Mal ansehen, während wir im Jahr 2016 weiter in einem vielversprechenden Bullenmarkt voranschreiten.

Das war es für heute, Leute und ich wünsche euch nur positive Handelsergebnisse.

Euer

Mickey Fulp