Silber in USD

Rückblick:

Vor vier Wochen hatte ich dem Silberpreis noch einen maximalen Anstieg bis 18,50 – 18,75 USD zugetraut, bevor eine scharfe Korrektur einsetzten sollte. Bei 18,06 USD gingen den Bullen jedoch bereits die Kräfte aus. Folgerichtig und so wie insgesamt auch erwartet, kam es daraufhin zu einem scharfen Rückschlag. Mittlerweile ist der Silberpreis zwischenzeitlich bereits bis 15,88 USD zurückgefallen. Der steile Anstieg ab Mitte April wurde damit vollständig zurückgegeben. Seit Wochenbeginn versucht sich der Silberpreis an einer Stabilisierung.

Silber Monatschart:

Auf dem Monatschart stellte das obere Bollinger Band (17,76 USD) die erwartete unüberwindbare Hürde dar. Die Monatskerze „Mai“ fällt daher tiefrot aus. Allerdings ist das große Bild weiterhin bullisch, denn der Ausbruch aus dem fallenden Keil bleibt hier die tonangebende Formation. Ein Rücksetzer bis an die Oberkante des aufgebrochenen Keils (aktuell ca. 14,00 USD) wäre für die kommenden Monate das absolute „worst case“ Szenario. Bereits um 15,60 USD ist der Silberpreis aber gut unterstützt.

Positiv bleiben die Indikatoren. Diese wechseln naturgemäß auf dem Monatschart nur langsam und eher selten ihre Signale. Die Kaufsignale beim MACD und bei der Stochastik sind noch jung und sollten den Silberpreis mittelfristig in deutliche Höhere Regionen katapultieren können. Der RSI bewegt sich weiterhin im neutralen Bereich. Auffällig sind weiterhin die sehr eng zusammengezogenen Bollinger Bänder. Früher oder später wird sich hier die Schere wieder öffnen und für eine deutliche Zunahme der Volatilität am Silbermarkt sorgen.

Zusammengefasst bleibt der Monatschart trotz des deutlichen Rücksetzers bullisch. Dennoch werden erst Monatsschlusskurse oberhalb von 25,00 USD den großen Befreiungsschlag für den Silbermarkt bringen. Davon sind wir aktuell nach wie vor weit entfernt.

Silber Wochenchart:

Auf dem logarithmischen Wochenchart hat die Korrektur der letzten Wochen zumindest ansatzweise die überkaufte Lage abgebaut. Gleichzeitig wurde zu Wochenbeginn eine erste starke Unterstützungszone um 15,80 – 16,00 USD erreicht. Ein Abprallen (Bounce) nach oben wäre hier eigentlich logisch. Allerdings deuten die Indikatoren doch recht klar an, dass die Korrektur insgesamt wohl noch nicht abgeschlossen sein kann. So müsste der MACD erst kurz vor einem Verkaufssignal stehen. Das dazugehörige Histogramm dreht jedenfalls schon seit Wochen nach unten. Die Stochastik hat sich mittlerweile zwar klar von der überkauften Zone entfernt, hat aber noch jede Menge Luft nach unten. Und auch der RSI hat noch nicht tief genug zurückgesetzt.

In der Summe muss der Wochenchart mit „abnehmend bullisch“ bewertet werden. Nach einer kurzen mehrtägigen Erholung sollten die Bären im Juni die Kurse etwas deutlicher unter die Marke von 16,00 USD drücken können. Ein starker Abverkauf bis deutlich unterhalb von 15,50 USD ist aber nicht wahrscheinlich. Auch eine Seitwärtsphase um bzw. oberhalb von 15,80 USD wäre in den kommenden Wochen denkbar.

Silber Tageschart:

Auf dem logarithmischen Tageschart liegt das Hauptaugenmerk zunächst auf der Mitte Dezember gestarteten Aufwärtsbewegung. Diese wurde Ende April vorläufig beendet. Insgesamt zog Silber in diesem Zeitraum von 13,62 USD bis auf 18,06 USD an. Die im Mai gestartete Gegenbewegung/Korrektur hat bereits das 38,2%-Retracementlevel als auch die 50-Tagelinie (16,43 USD) unterschritten. Das nächste Retracementlevel (50%) wurde bislang knapp verfehlt. Insgesamt wäre mindestens eine 55%ige Korrektur (= 15,60 USD) der vorangegangenen Aufwärtsbewegung typisch und gesund. Die mittlerweile ansteigende 200-Tagelinie (15,20 USD) dürfte noch im Juni in diesen Bereich vordringen und für starke zusätzliche Unterstützung sorgen.

Kurzfristig ist der Chart stark überverkauft. Eine deutliche Gegenbewegung bis an oder über die 50-Tagelinie (16,43 USD) wäre nun eigentlich möglich. Allerdings steht dem die bärisch eingebettete Stochastik („embedded“) im Wege. Der Momentum-Oszillator notiert bereits seit Tagen mit beiden Signallinien unterhalb von 20 und hat den bärischen Trend festgezurrt. Jede Erholung wird es daher bereits schwer haben, sich überhaupt intraday halten zu können. Auch Gold ist übrigens auf seinem Tageschart bärisch „embedded“.

Die Korrektur wird also früher oder später weiter gehen und den Silberpreis bis mindestens in den Bereich um 15,50 – 15,60 zurückführen. Erst Kurse unterhalb von 15,25 wären nun sehr bedenklich und würden die gesamte Aufwärtsbewegung in Frage stellen.

Summa summarum liegen derzeit leider nullkommanull bullische Indizien vor. Der Tageschart ist damit kurzfristig stark bärisch. Erst wenn sich die Stochastik aus dem „embedded Status“ befreien kann, hat eine Erholung überhaupt Chancen.

Gold/Silber-Ratio

Wie erwartet konnte sich das Gold/Silber-Ratio in den letzten Wochen etwas erholen. Solange sich diese Erholung aber unterhalb von 79 Punkten abspielt, gerät die übergeordnete Trendwende nicht in Gefahr. Vielmehr müsste es sich dann lediglich um eine gesunde und vorübergehende Konsolidierung handeln. Nach Abschluss der Konsolidierung müsste das Ratio auf neue Tiefststände unterhalb von 70 Punkten fallen.

Silberminen ETF

Der fulminante Anstieg des Global X Silver Miners ETF (SIL) erreichte ausgehend vom Tief Mitte Januar bei 14,94 USD erst am 17.Mai mit 37,99 USD seinen vorläufigen Höhepunkt. Interessanterweise waren die Edelmetalle Gold und Silber zu diesem Zeitpunkt bereits mehr oder weniger klar in eine Korrektur übergegangen.

Das Kursgeschehen bei den Silberminenaktien hat seit Mitte April eher einen Seitwärtscharakter, wobei zwischenzeitlich noch einmal neue Hochs erzielt werden konnten. Eine charttechnische Bestätigung für eine richtige Korrektur liegt bislang nicht vor. Zwar hat der Global X Silver Miners ETF bereits knapp 14% von seinem Höchststand verloren, solange sich der ETF aber oberhalb von 32,00 USD halten kann, geht die Seitwärtsbewegung zwischen 32,30 USD und 35,00 USD bzw. 37,00 USD vorerst einfach weiter. Die 50-Tagelinie (31,77 USD) ist mittlerweile bis knapp unter die Unterstützungszone angestiegen. Wird sie nachhaltig unterschritten, stehen die Chancen gut, dass es zu einer größeren Korrektur kommt, welche dann möglicherweise bis zur immer noch weit entfernten, aber steigenden 200-Tagelinie (23,19 USD) führen müsste. Überverkauft sind die Silberminen derzeit sicherlich nicht, vielmehr würde man aktuell immer noch auf recht hohem Niveau einsteigen. Der Blick auf den Wochenchart macht zudem klar, dass hier noch sehr viel mehr Konsolidierungs- bzw. Korrekturbedarf vorliegt. Wie immer wird der Markt dies sowohl über die Zeit als auch über den Preis abarbeiten.

Vergleicht man diese erste Aufwärtsbewegung nach einem mehrjährigen Bärenmarkt mit ähnlichen Situationen in der Vergangenheit, so wird man feststellen, dass der erste fulminante Anstieg jedes Mal zu einem Rücksetzer in der Größenordnung von ca. 50% geführt hat. Im konkreten Fall wartet daher wohl erst im Bereich um 24,00 – 27,00 USD eine wirklich gute Einstiegschance.

In der Konklusion ergibt sich zwar immer noch ein eher bullisches Bild, eine Kaufchance liegt derzeit aber sicherlich nicht vor. Vielmehr gilt es, weiterhin geduldig auf einen deutlichen Rücksetzer zu warten. Dieser dürfte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Sommer (allerspätestens bis August) manifestieren.

CoT-Report

Die aktuellen Daten vom Terminmarkt bringen im Vergleich zur Vorwoche eine kleine Verbesserung. Die kommerziellen Händler haben in den Kursrutsch hinein ihre kumulierte Shortposition von 89.895 auf 78.293 leerverkaufte Kontrakte reduziert. Dennoch erzwingt auch diese Positionierung noch immer ein klares Verkaufssignal. Erst bei einer Netto-Shortposition unterhalb von 40.000 Kontrakten kann zumindest Entwarnung gegeben werden. Davon sind wir aktuell noch weit entfernt.

Gleiches gilt übrigens auch für den Goldmarkt. Hier haben die Profis prozentual betrachtet zwar weitaus mehr Shortpositionen glattgestellt, dennoch halten sie mit zuletzt 225.213 leerverkauften Kontrakten eine immer noch viel zu hohe Shortposition. Insgesamt liefern die CoT-Daten weiterhin ein klares Verkaufssignal.

Sentiment

Trotz der beachtlichen Performance in den ersten vier Monaten des neuen Jahres waren bis dato weder für Gold noch für Silber stark übertriebene Optimismus-Werte zu beobachten. Für die Minenaktien hingegen ließ sich im gleichen Zeitraum mehrmals eine heiß gelaufene Stimmung ermitteln. Mittlerweile hat sich das Sentiment für den gesamten Sektor deutlich abgekühlt, ein stark übertriebener Pessimismus liegt aber noch nicht vor. Aus antizyklischer Sicht reicht das für einen Einstieg

Saisonalität

Während der April noch im krassen Gegensatz zu seinem saisonalen Zyklus verlief, hat der Monat Mai die typischerweise negativ ausfallende Performance mit einem Monatsverlust von über 9% deutlich überboten. Erst der nun beginnende Monat Juni ist statistisch betrachtet der schlechteste Monat des Jahres für den Silbermarkt. Nach der desaströsen Vorstellung im Mai, könnte der Juni letzten Endes besser ausfallen als es die Statistik erwarten lässt.

Insgesamt ist aber frühestens ab Mitte Juni mit dem Tief der laufenden Korrektur zu rechnen. Alternativ gab es auch schon Jahre, in denen der finale Tiefpunkt erst Anfang August erreicht wurde. In jedem Fall werden Gold und Silber wohl innerhalb der nächsten zwei Monate ihr Sommertief ausloten. Im Anschluss beginnt dann die beste Phase des Jahres für die Edelmetalle.

Silber in EUR

Rückblick:

Analog zum Abverkauf in US-Dollar fiel der Silberpreis auch in Euro gerechnet deutlich zurück. Mit dem Hoch bei 15,70 EUR endete die mehrmonatige, teileweise steile Aufwärtsbewegung. Mittlerweile kostet die Feinunze „nur noch“ 14,32 EUR.

Euro-Silber Wochenchart:

Auf dem logarithmischen Wochenchart beherrschte seit Dezember 2014 ein symmetrisches Dreieck das Kursgeschehen. Mit dem Ausbruch nach oben kam es im April zu einer steilen Kursrally. Diese kurzfristige Übertreibung wird nun korrigiert und könnte im schlimmsten Fall zum Rücklauf an die Oberkante des gebrochenen Dreiecks führen. Diese verläuft aktuell knapp oberhalb von 13,50 EUR. Diese Region wird mit einem horizontalen Unterstützungsband zusätzlich untermauert.

Die Indikatoren liefern etwas widersprüchliche Signale. Während das MACD-Kaufsignal noch immer aktiv ist, liegt bei der Stochastik ein klares Verkaufssignal vor.

Solange sich der Silberpreis oberhalb von 13,50 EUR halten kann, bleibt der Chart vorsichtig bullisch. Übergeordnet benötigt es einen Wochenschlusskurs oberhalb von 15,50 EUR, um den mehrjährigen Abwärtstrendkanal endlich nach oben verlassen zu können. In diesem Fall hellt sich die Charttechnik deutlich auf.

Euro-Silber Tageschart:

Wie vor vier Wochen bereits befürchtet, kam es im Mai zu einem deutlichen Abverkauf. Dabei wurde gestern auch die 50-Tagelinie (14,50 EUR) relativ deutlich unterschritten. Eine Reaktion der Bullen ist bisher nicht zu beobachten. Vielmehr dürfte die „embedded“ Stochastik den Bären in den kommenden Tagen und möglicherweise auch Wochen einen Freifahrtschein spendieren. Dies müsste noch im Juni zu einem Test der Oberkante des aufgebrochenen Dreiecks führen. Damit sind Kurse unterhalb von 14,00 EUR wohl nur noch eine Frage der Zeit. Idealerweise endet der Rücksetzer aber an der steigenden 200-Tagelinie (13,70 EUR). Insgesamt ist die Zone zwischen 13,50 EUR und 13,90 EUR mit zahlreichen Unterstützungen gespickt.

In der Konklusion wechselt der Tageschart aufgrund der extrem negativen Stochastik auf stark bärisch. Erst wenn sich die Stochastik wieder befreien kann, wird eine Erholung möglich.

Handelsempfehlung:

Unser Nachkauflimit bei 14,25 EUR wurde gestern um 4 Cent verfehlt. Da sich der Chart aber doch deutlich eingetrübt hat und Kurse unterhalb von 14,00 EUR sehr wahrscheinlich geworden sind, empfiehlt sich eine kleine Anpassung des Nachkauflimits. Ich setze daher das neue Nachkauflimit leicht auf 13,90 EUR herunter. Nutzen sie jede Möglichkeit in den kommenden Wochen, Silber unterhalb von 13,90 EUR zu kaufen.

Zusammenfassung und Konklusion

Wie vor vier Wochen erwartet, ist der Edelmetallsektor mittlerweile in eine deutliche Korrektur übergegangen. Bullische Signale sind derzeit Mangelware. Vielmehr regiert auf den Tagescharts fast überall die bärisch eingebettete Stochastik. Da sich auch die Lage am Terminmarkt noch nicht deutlich verbessert hat, müssen wir von weiter fallenden Kursen ausgehen. Dabei müsste Gold wohl noch bis mindestens 1.180 USD durchgereicht werden. Für den Silberpreis bedeutet das Kurse um 15,50 USD oder sogar etwas tiefer.

Auf Sicht der nächsten Tage (maximal zwei Wochen) dürften sich die Bären zunächst eine Verschnaufpause gönnen. Die negative Stochastik müsste jedoch dafür sorgen, dass sich Gold nicht über 1.220/1.232 USD und Silber nicht über 16,10/16,25 USD erholen werden können. Im Anschluss sollten die Bären wieder in den Angriff übergehen und für Panik unter den Goldanlegern sorgen. Typischerweise werden Gold als auch Silber dabei noch bis an ihre steigenden 200-Tagelinien zurückgedrängt. Hier ergibt sich dann wohl noch im Juni endlich wieder eine gute Einstiegschance.

Alternativ gelingt es den Bullen, die benötigte Konsolidierung auf der Zeitachse zu strecken. Dann dürften die zu Wochenbeginn gesehenen Tiefs nur noch minimal unterschritten werden, gleichzeitig müssen wir uns dann aber wohl bis in den August hinein auf eine zermürbende Seitwärtsphase einstellen.

Übergeordnet müsste im Anschluss auf die laufenden Korrektur eine starke Aufwärtsbewegung folgen, welche bis zum Frühjahr 2017 den Goldpreis bis auf ca. 1.500 USD und den Silberpreis bis auf ca. 25 USD voranbringen sollte.