Die „Tränen Gottes“, wie sie liebevoll auch genannt werden, haben schon immer ihre besondere Faszination auf Menschen ausgeübt. Sei es durch ihr funkeln oder die Unvergänglichkeit durch ihre Härte, Diamanten mochte man immer und erfreuten nicht nur die Damenwelt, sondern auch Anleger seit vielen Jahren. Diamanten werden rein nach Angebot und Nachfrage auf den Märkten gehandelt und sind daher keiner Gefahr durch Manipulationen ausgesetzt. Etwas, was speziell Anleger schätzen. Doch bevor wir dem heutigen Stand des Marktes zuwenden sollen uns einige Informationen den Weg dorthin ebnen.

Aus der Vergangenheit hat man zumeist Südafrika und die niederländische Händlergruppe De Beers in Erinnerung, wenn man an Diamanten denkt. Doch das heutige Bild der Diamantgewinnung, des Schleifens und des Handels hat sich grundlegend gewandelt. Werfen wir zuerst einen Blick auf eine Grafik, die uns zeigt woher die Diamanten der modernen Zeit kommen:

Pic 1 Produktionen

Quelle: Kimberly Process Statistics

Die russischen Großminen sind führend, was den Anteil an der Gesamtproduktion anbelangt, gefolgt von Botswana und der Demokratischen Republik Kongo. Diese Top 3 versorgen zu 59% den Weltmarkt. Wie unschwer zu erkennen ist, liegt Südafrika mittlerweile abgeschlagen auf den hinteren Rängen.

Für Botswana, zum Beispiel, die eine Gesamtwirtschaftsleistung in Höhe von nur USD 14,87 Mrd. (2013) ausweisen, ist die Diamantproduktion fürs Überleben entscheidend, trägt sie doch zu 26% zur Wirtschaftsleistung des Landes bei.

Natürlich ist De Beers als Privatunternehmen, das zu 85% Beteiligungspartner Anglo American (AAL: LON) gehört, nach wie stark, aber mit AK ALROSA PAO (ALRS:MCX) und Rio Tinto (RIO:LON) dominieren sie als „die großen 3“ den heutigen Diamantmarkt. Eine Grafik über die Marktaufteilung veranschaulicht wie beherrschend diese 3 tatsächlich sind:

Pic 2 Marktanteile

Quelle: Alrosa

64% aller weltweit vertriebenen Diamanten – sowohl Schmuck-, wie auch Industriediamanten – werden von diesen 3 Unternehmen umgesetzt. Hat man zumeist angenommen, dass wie früher Holland der Hauptsitz der Edelsteinschleifereien sei, so hat sich dieses Aufgabengebiet schon alleine aus preislichen Gründen sehr verschoben:

Pic 3 Schleifereien Alrosa

Quelle: Alrosa

Fast drei Viertel aller Qualitätsdiamanten wird heute in Indien geschliffen. International hoch angesehen sind die Steine, die aus den indischen Schleifereien auf den Markt kommen.

Der Diamantenmarkt

Der Gesamtmarktwert der Diamanten wird aufgeteilt zwischen Produzenten, Schleifern und den Juwelieren bzw. der Industrie. Wobei zweifelsohne der höchste Wertzuwachs durch das Schleifen am Juweliermarkt erzielt wird.

2014 haben weltweit die Produzenten rund 125 Millionen Karat an Rohdiamanten zu einem Verkaufspreis von USD 14,5 Mrd. aus dem Boden geholt. Der Verkaufsmarkt Industrie und Juweliere dagegen bewegte sich bei rd. USD 80 Mrd. Die 2014 geförderten Diamanten von rd. 125 Millionen Karat sind im Vergleich zum Rekordjahr 2005 mit 176 Millionen Karat vergleichsweise gering, aber man nannte das Jahr 2005 auch als „peak year“, da seither die Förderquoten kontinuierlich fielen.

Da Angebot und Nachfrage den Preis regeln, so werden Diamanten über Juweliere zumeist dann verstärkt erworben, wenn der persönliche Wohlstand hoch ist. In Zeiten, wo der Gürtel aufgrund wirtschaftlich magerer Zeiten enger geschnallt werden muss, sinkt auch die Nachfrage, was wiederum zu fallenden Karatpreisen führt.

Die nachstehende Grafik veranschaulicht sehr deutlich die derzeit ab 2011 entstandene getrübte Stimmung, die die Preise für ein Karat wieder nach dem Extremanstieg im Jahr 2011 auf den Boden der Realität zurückfallen ließ:

Pic 1 IDEX Diamantchart indexonlinecom

Quelle: Indexonline.com

Wie man unschwer aus der Grafik erkennen kann, so hatten die weltweiten Turbulenzen auch den Diamantmarkt nicht verschont. Ungeachtet der eher leicht nachlassenden Nachfragen aus dem amerikanischen Raum und den gleichbleibenden Käufen der europäischen Ländern und der „emerging markets“ spielt auch in diesem Markt China das Zünglein an der Waage. Geringere Nachfrage aus diesem Land bescherten auch dem Diamantmarkt gedrückte Preise. Das hat z.B. dazu geführt, dass Dominion Diamond im letzten Quartal einen Rückgang der Verkäufe um 31% bei zusätzlich um 25% gefallenen Preisen vermelden musste. Dies ist nur ein Beispiel, wie auch der Diamantmarkt unter der weltweiten Gesamtlage zu leiden hat. Haben nun die Diamanten aus dieser Perspektive keine Zukunft? Werfen wir einen Blick auf die Vorhersagen der Spezialisten.

Die Zukunft des Diamantenmarktes

Was man 2016 und danach erwarten kann hängt von folgenden Faktoren ab:

  1. Angebote: Viele Diamantminen stehen am Ende ihrer Minenlaufzeit oder produzieren nachlassende Mengen. Relativ wenige neue Minen kommen in Produktion, auch bedingt durch fehlende Investitionen in die Erschließung neuer Gebiete. Die Bain & Company und das Antwerp World Diamond Centre (AWDC) rechnen daher mit dem Rückgang der Jahresproduktion im Zeitraum 2015 – 2030 von rd. 1% jährlich.
  2. Nachfrage: Das AWDC hat aber auch ermittelt dass die weltweite Nachfrage in den nächsten Jahren um jährlich ca. 3% bis 4% steigen dürfte. Von China im Speziellen erwartet man, dass das Land 2016 noch eine gleichbleibende, aber ab 2017 wieder eine steigende Nachfrage generieren wird. Das natürlich nur für den Fall dass Chinas Bemühungen zur Stabilisierung wirken und man die angepeilten 4,5 bis 5% Wirtschaftswachstum auch tatsächlich erreichen kann
  3. Marktsentiment: In der Vergangenheit hat es sich stets bewiesen dass der Markt immer dann verstärktes Interesse gezeigt hat, wenn große und bedeutende Funde gemacht werden konnten. 2004 wurde mit der „Bunder“-Mine von Rio Tinto die letzte große Fundstätte entdeckt. Das befeuerte über die Medienverbreitung das allgemeine Interesse. Diamanten waren aber auch immer schon eine Anlageklasse, die bei Korrekturen der Weltbörsen wieder verstärkt in den Fokus rücken können, da man ihnen immer schon Wertbeständigkeit nachsagte.

Fazit

Der rund 19%ige Rückgang der Diamantpreise im Jahr 2015 eröffnet Chancen für längerfristig orientierte Investoren, da eine kommende Lücke zwischen Nachfrage und Angebote zu erwarten ist. Dies dürfte die Karatpreise in einen längeren Aufwärtstrend gleiten lassen. Für 2016 kann man mit einer Stabilisierung der Preise bis geringfügigen Steigerung kalkulieren, die ab 2017 in den erwähnten Aufwärtstrend führen kann.

Bei Investitionen in produzierende oder vor der Produktion stehende Diamantminen ist die genaue Prüfung der Ressource bzw. der Produktionsqualität erforderlich. Nur, wer gute Qualitäten aus dem Boden bringt hat die Chancen auf gute Marktpreise.

Generell sind Diamanten nicht nur hervorragende Schmucksteine sondern auch eine Anlageklasse, die in den kommenden Jahren aufgrund der Fakten den Investoren wieder Freude bereiten könnte.