Ich antwortete meinem Sohn auf die gestellte Frage: „ Es war eine harte Zeit. Wir kamen gerade aus einem perfekten Frühjahr, die Obstbäume blühten, die Gewässer waren voller Fische und wir besaßen alles, gerade so als wären wir die Auserwählten. Dann glaubten wir Propheten, dass hinter dem Horizont ein neues Paradies auf uns wartete, noch schöner, noch besser. Aber dieses Paradies gab es nicht, und unser Land verdorrte in sengender Hitze, die uns Tag für Tag quälte. Jede versprochene Oase war eine Täuschung und einer um den anderen verlor den Weg. Wir verloren nahezu alles auf dieser Reise, die so optimistisch, aber auch naiv, begann. Es war brutal und verheerend. Ich hoffe, dass ich das niemals wieder durchmachen muss. Doch einige von uns überlebten und machten weiter. Und davon will ich dir erzählen.“

Ja, ich hörte davon, doch was war mit der Minenpleite in den Jahren 1997 bis 2002? „Hmm, das war nicht anders als das, was ich dir eben erzählt hatte. Wir kamen gerade aus einem bemerkenswerten Entdeckungsboom bei den Minen, es waren die Jahre 1992 bis 1997. Die Diamantentdeckungen in den kanadischen Northwest Territories waren sagenhaft. Diamet kletterte im Kurs von $ 0,21 auf $ 55. Aber Diamonds (nun Dominion), das einen 40%-Anteil an der Diavik-Entdeckung hatte, rauschte von $ 0,50 auf $ 50. In Labrador, Diamond Fields, eine andere Gesellschaft, die nach Diamanten suchte und über eine Nickelentdeckung stolperte (Voisey`s Bay), wurde von Inco gekauft, um $164,- je Aktie. Zuvor notierte das Unternehmen bei $ 5. Du siehst, die Welt hat sich auf einmal der modernen Erkundung geöffnet und alles, was wir zu tun hatten, war dem zu folgen. Oft ungeachtet der Geologie oder ob sie bereits etwas gefunden hatten, es reichte schon Land zu besitzen, und schon stiegen sie in einigen Monaten um ein Vielfaches ihrer damaligen Werte. Man konnte nichts falsch machen, Hauptsache war dabei zu sein.

Corriente Gold kletterte auf bis zu $ 18 bei einem Projekt in Peru, wo noch niemals gebohrt wurde. Arequipa Resources, ein Kupferexplorer, bohrte ein wenig und öffnete einen Stollen in seinem Goldprojekt in Peru. Daraufhin schoss der Kurs von $ 0,60 hinauf bis auf $ 30, und das in nur 9 Monaten. Franciscos Gold`s El Sauzal Entdeckung hievte den Kurs auf $ 40. Queenstake lief von $ 0,07 auf $ 4,50 bei ihrem Projekt „Kilometer 88“ in Venezuela.

Was, du hast noch nie von diesen Unternehmen gehört? Glaube ich gern.

Ich erinnere mich noch sehr genau an meinen ersten Trip zur PDAC m März 1997. Mit nichts mehr als ein paar Telefonnummern in der Hand. Und es war unglaublich. Geld regnete es von überall her und von jedem. Geologen schafften es binnen Minuten $ 2 Mio. einzusammeln, und das nur basierend auf Satellitenaufnahmen von irgendwo in der Mongolei, einem Grundstück, von dem ich nicht mal sicher war, dass sie es überhaupt besaßen.

Austern und Champagner auf Parties von Brokergesellschaften, bei denen zumeist Geologen eingeladen waren, Ingenieure eher selten, waren an der Tagesordnung. Spekulation war angesagt, von Risiken wollte niemand etwas hören. Und ein Scheitern? Nahezu unmöglich. Alles schien mehr irreal als real zu sein.

Das war das Jahr als John Felderhof die Auszeichnung für den Entdecker des Jahres erhielt. Dies für den 200 Mio. Unzen-Fund von Bre-X auf Borneo. Bre-X stieg darauf innerhalb von 3 Jahren von $ 2,60 auf $ 276. Jeder von uns hielt sich für ein Genie und saß auf Profitmillionen. Wir wussten dass es nur noch besser werden konnte.

Dann begannen sich die Dinge zu drehen.

Die Metallpreise verloren an Boden, dann fielen einige wichtige Leute in Indonesien aus dem Hubschrauber. Bre-X wurde als Betrüger entlarvt und fiel auf Null. Cart-away, normal im Containergeschäft tätig, explodierte von $ 0,125 auf $ 26, nachdem sie auf ihrer Liegenschaft nahe Visey`s Bay in Bohrproben angeblich sichtbares Nickel und Kupfer gefunden hatten. Fielen aber wieder auf Null, nachdem sich die Schätze als Katzengold herauskristallisiert hatten. Corriente, Francisco, Queenstake und all die anderen strauchelten, gingen zugrunde oder änderten ihre Geschäftspläne.

Ich trat Rick Rules auf Global Resource bei, unmittelbar nach dem Crash von Bre-X. Zu dieser Zeit waren sowohl Broker als auch Klienten begeistert, wie günstig man bei den „Highflyern“ einsteigen konnte. Alle Schreiberlinge verkündeten, dass man nun eine zweite Chance bekäme und die sollte man nicht versäumen.

Und wir haben sie nicht versäumt.

Die erste Aktie, die ich erwarb, war Almaden Minerals (AMM) um $ 1,25, das wär gegen Ende 1997. Knapp ein Jahr zuvor stand dieser Wert noch bei einem Kurs von $ 3,60. Sie hatten gute Liegenschaften, ausreichend Cash und wurden von Duane Poliquin, einem erfolgreichen und ehrlichen Geologen geleitet. Nun, die Aktie fiel im kommenden Jahr weiter und ich höre noch heute den Refrain: Hast du sie bei $1,25 gemocht, so wirst du sie bei $ 0,60 lieben“. Doch sie fiel 1999, 2000 und im Frühjahr 2001 weiter, bis auf $ 0,25. Ich kaufte noch bei $ 0,50 nach und traute mich dann gar nicht in mein Depot zu blicken. Ich hasste es.

Die Almaden Story fand sich so gut wie bei jedem Minenunternehmen wieder, egal ob Explorer oder Produzent. Die einzigen Erfolge, die man erzielen konnte, waren bei Aktien von Unternehmen der Hochtechnologie, Biotechnologie und Internet. So gut wie kein Kapital floss mehr in die Minenwerte. Bill Gates hätte um die Hälfte des Wertes der Microsoftaktien den gesamten Goldminensektor kaufen können. Gold wurde als barbarisches Relikt einer vergangenen Zeit angeprangert. Zumindest verlautbarten dies so gut wie alle Wall-street-Fuzzies. Und der Goldpreis fiel auf $ 120,- je Unze. Kupfer auf $ 0,60 pro Pfund und Uran auf $ 10,- je Pfund. Alles war wertlos in dieser virtuellen Weltwirtschaft. Alle Augen waren ausschließlich auf das neue Internetzeitalter gerichtet. Bergbau war tot und alle verbundenen Unternehmen vergessen in der Salzwüste. Bei Brokern kam tagelang nicht ein einziger Anruf und es gab keine Verkäufe. Egal wie gut ein Projekt war, oder wie günstig eine Gesellschaft zu bekommen war. Egal ob gute Nachrichten vom Unternehmen kamen oder schlechte, es war stets ein Grund zu verkaufen. Schon ein Minimalverkauf von $ 10.000 oder $ 50.000 ließen das Unternehmen kursmäßig crashen. Es gab einfach weder Anreize noch Gründe eine Position zu erwerben nachdem sie bereits seit Jahren laufend an Wert verloren hatte, und keine Zeichen von Erholung erkennbar war. Und die 1992er-bis-1997er Pleite ging weiter und weiter. Das erste Jahr war eine Korrektur – eine Kaufgelegenheit. Im zweiten waren wir am Boden und im Dritten nahe dem Ende. Es konnte nicht mehr schlimmer kommen. Im vierten Jahr haben so gut wie alle resigniert und festgestellt: Gold und alle anderen Werte gingen ins Nirvana. Gold, Kupfer, Uran, nahezu alle Metalle konnten nur mehr unter den Gestehungspreisen verkauft werden. So gut wie alle, die den Markt zu kennen glaubten, stiegen aus.

Ich erinnere mich an eine Investment Konferenz in einem schäbigen Hotel, 1999, irgendwo außerhalb von Miami. Der Hauptredner war irgendein Zeitungsschreiber, der irgendjemanden vom NBC bei sich hatte. Verzweiflung pur. Die Organisatoren hatten irgendwelche Menschen vom Altenheim aus der Nachbarschaft heran gekarrt, samt ihren Plastiktüten, damit überhaupt jemand da war. Ich denke das war der absolute Tiefpunkt. Ehrlich, das war eine echt depressive Periode, in der die guten Leute den Schauplatz verließen und niemand ihn wieder betrat.

Wie auch immer, rückblickend, es war eine ausgezeichnete Zeit um gute Unternehmen mit guten Assets zu einem enormen Discount zu kaufen.

Almaden Minerals (AMM), die mit ihrer Schwester Fairfield fusionierten, setzten ihre Tätigkeit während der Pleitezeit fort, akquirierten Qualitätsareale, die keiner wollte, und entwickelten sie ins Bohrstadium. Der Aktienkurs stieg von $ 0,25 im Jahr 2000 bis auf $ 3,60 im Jahr 2006. 1.340% Gewinn in 6 Jahren, wenn man bei Tiefstkursen gekauft hatte. AMM bot auch eine zweite Gelegenheit zum Kauf beim 2008er Tiefststand, als sie in Mexico ihre Ixtaca Entdeckung machten. So kehrten gute Leute wieder zum Unternehmen zurück.

Almaden Minerals

Der Kurschart zeigt Almaden in den Jahren 1994 bis 2015.

Virginia Mines (VIA) war eine andere Gesellschaft, die ich zum Zeitpunkt des Kurssturzes kaufte. Der $ 3,75-Wert aus 1996 verlor bis auf § 1,50 im Jahr 1998. Einer der besten Mäönner der Branche, Andre Gaumond arbeitete in der besten Provinz weltweit, in Quebec, und erhielt von der Regierung Cash und war damit finanziert für Jahre.

Doch VIA fiel weiter. Weniger als ein Jahr später erhöhte ich meine Anteiule zu einem Preis von $ 0,75. VIA hatte damals, so glaube ich, Cash im Wert von rd. $ 0,45 je Aktie. 1999 kam sogar mal die Zeit, wo die Aktie auf $ 0,35 korrigierte, also einem 22%igen Diskont auf deren Cashposition. Bis 2002 verblieb der Kurs unter $1,00, bis er spät im Jahr 2003 auf $ 1,50 kletterte (Chart 2).

Virginia Mines

Wenn man sich diesen Chart ansieht, könnte man glauben, dass ich bis zum Ende in diesem Wert verblieb. Aber ich tat es nicht. Nach all den schmerzhaften Jahren stieg ich unter Gewinnmitnahmen bei $ 1,50 aus. Ich nahm den Gewinn und kaufte dir ein paar neue Schuhe, mein Junge.

Dann, im Jahr 2004, Andre und sein Team, fanden einige Goldmineralisierungen in Schürfgräben auf dem Eleonore Projekt in Quebec und erbohrten in den kommenden 2 Jahren ein sehr großes hochgradiges Golddepot. 2006 war es dann soweit und Goldcorp übernahm das Unternehmen zu einem Aktienkurs von ungefähr $ 13,-. Als Goodie fügte Goldcorp für jeden VIA-Aktionär noch eine halbe Aktie von Virginia Gold hinzu. Virginia Gold wurde kürzlich von Osisko übernommen für $ 14,50.

Und es gab noch andere Beispiele zu dieser Zeit. Brian Dalton und seine Jungs, die sich ihren Weg über andere Branchen verdient hatten, erwarben Land und brachten ihr Unternehmen mit $ 0,25 an die Börse. Ab diesem Zeitpunkt wurde Altius Minerals (ALS), so hieß ihre Firma, um die $ 0,18 gehandelt und stieg in den folgenden 4 Jahren langsam auf $ 0,70. Das weitere Warten hat sich gelohnt. Sie erregten die Aufmerksamkeit von Goldcorp, als sie auf der Suche nach Golddepots vom Carlintyp in Neufundland waren, eine Uranentdeckung in Labrador machten, in der Nähe einen Deal mit einer Ölraffinerie einfuhren und ein paar Royalties einsackten. Der Wert stieg darauf hin bis 2006 auf $ 30,- und bewegt sich aktuell bei rd. $ 14,- (siehe Chart 3). Günstig kaufen, wenn ehrliche Leute das Geschäft betreiben, eine schlanke Aktienstruktur aufweisen ist bei schlechtem Marktumfeld zumeist eine gute Idee – wenn man Geduld aufbringt.

Altius Minerals

First Quantum (FM) hatte in Zambia eine kleine Kupfergewinnungsanlage errichtet, nahe einem Projekt, an dem ich ebenfalls beteiligt war. Eine kleine aber feine Produktion, von cleveren Jungs geführt, die wir (überwiegend Rick Rule) 1999 zu $ 0,75 finanziert hatten. Das Investment enthielt auch einen vollen Warrant. In Folge wurde das Geschäft größer und erfolgreicher, überschritt die $ 4,50-Marke im Jahr 2004 und $ 27,00 im Jahr 2011 (siehe Chart 4).

First Quantum

Ich traf Ewan Downie, Präsident von Wolfden Resources, auf der PDAC im Jahr 2002. Er war bis dahin ziemlich unbekannt, hatte aber, zusammen mit einigen Freunden, gute Ideen für Projekte, die er für fast nichts im kanadischen Norden erworben hatte. Rick und ich finanzierten ihn zu $ 0,35 und waren dabei so ziemlich die einzigen. Wolfden schaffte eine Kupferentdeckung am High Lake, was bis 2005 den Kurs auf $ 8,- in die Höhe trieb. Es war im Jahr 2006 als die Aktien für $ 3,60 verkauft wurden und Premier Gold (PG) daraus hervor ging.

Nevsun Resources (NSU) war auch so ein „highflyer“ im Boom von 1992 bis 1997 – und fiel von $ 16,- wieder auf $ 0,10 zurück (Chart 5). Dann, im Jahr 2003, entdeckten sie das Bisha Depot in Eritrea, das den Aktienkurs wieder von $ 1,00 auf über $ 8,00 steigen ließ. Daneben begleitet von seriösen Brokern, aber es war ein gutes Depot und sie sind heute in Produktion und verdienen gutes Geld.“

Nevsun

Hast du das kommen sehen, Dad?

„ Im Grunde genommen, nein. Es gab sicher einige Leute, die die Zyklen des Metallmarktes verstanden, und auch, dass man auf Dauer nicht unter den Marktpreisen von Gold, Kupfer, etc. produzieren konnte. Ehrlich, wenige, wenn überhaupt, sahen im Jahr 2000 das Wirtschaftswunder in China, die aufstrebenden Märkte, das 9/11-Desater, Bush, Greenspan, das Irakdebakel, die Taliban etc. auf sich zukommen. Nein, der Sektor war tot und nur wenige von uns verblieben mit ein wenig Optimismus und Glauben.

Ich habe den Bullenmarkt von 2002 bis 2010 wirklich nicht im Detail gesehen, aber du lebtest bereits darin. Es erübrigt sich zu sagen, dass die Internet- und Realitätenblase platzten, Gold von rd. $ 300,- auf über $ 1.900 kletterte, Kupfer von $ 0,60 auf sein Hoch von $ 4,50 stieg, Uran auf $ 130,- schoss, Nickel auf ca. $ 23,- und Eisen auf $ 180,-. Eine Milliarde Chinesen kauften Autos und Eiskästen, während die Amerikaner 1000e von Milliarden an Dollars druckten. Die Großen ließen wieder den Dollar in die demolierten Minenwerte fließen und wir unterstützten dieses perfekte Szenario wieder. Der Milliarde Chinesen folgten bald Indien und weitere Entwicklungsländer der Erde. Das QE und die Währungsentwertung waren eine endlose Tretmühle, die garantierte, dass Gold der einzig verbleibende Zufluchtsort bei einer Implosion des wertlosen Papiergeldes sei.

Aber dann begannen die Metallpreise erneut zu sinken, Wirtschaften verlangsamten sich oder schwächelten, Gewinne blieben aus und ein neuer Crash startete.“ Was lief diesmal schief, Dad? Ist nun alles vorbei? Ich denke, dass es diesmal wirklich richtig schlimm aussieht.

Das, mein Junge, erzähle ich dir das nächste Mal. Aber ich kann dir schon mal sagen, dass ich einige gute Lichter brennen sehe in diesem verwüsteten Minensektor, über die wir dann nächste Woche sprechen werden.