Kolumne von Florian Grummes

Silber: "Lawinengefahr im Frühsommer"

Silber in USD

Rückblick:

Ausgehend vom letzten markanten Hoch bei 17,41US$ kannte der Silberpreis im April zunächst nur den Weg nach unten. Erwartungsgemäß stoppte der Abverkauf aber bei 15,55US$ und damit genau am oberen Ende des breiten Unterstützungsbandes. Die gesamte Abwärtsbewegung verlief keilförmig, dementsprechend erfolgte anschließend eine steile Erholung, welche aber seit gut einer Woche bei 16,70US$ immer wieder auf sehr starken Widerstand stößt.

Silber Monatschart:

Nach wie vor läuft Silber auf dem logarithmischen Monatschart unterhalb der gebrochenen ehemaligen Aufwärtstrendlinie. Immerhin kam es seit dem Unterschreiten dieser doch signifikanten Trendlinie nicht zu einem weiteren deutlichen Kursrutsch. Vielmehr bewegt sich der Silberpreis seit knapp sieben Monaten im Grunde genommen seitwärts zwischen knapp 15,00US$ und 18,00US$.

Auch die Indikatoren wollen irgendwie immer noch nicht nach oben drehen. Der extrem überverkaufte "MACD"-Indikator kommt nicht in die Gänge, ebenso wenig der "RSI"-Indikator, welcher sich seit Anfang 2013 mit Werten unterhalb von 50 im Bärenmarktmodus bewegt. Die Stochastik konnte zwar vorübergehend ansteigen, bewegt sich aber ebenfalls seit 2013 auf sehr tiefem Niveau und hat kürzlich wieder ein kleines Verkaufssignal erzeugt. Der "Parabolic Sar"-Indikator schließlich erzeugt erst bei Kursen oberhalb von 18,62US$ ein Kaufsignal. Bis dahin fehlen dem Silberpreis aktuell knapp 15,5%.

Insgesamt bleibt der Monatschart weiterhin negativ, ohne dass man den Bären aber großes Momentum bescheinigen könnte.

Silber Wochenchart:

Auf dem Wochenchart hat sich in den letzten vier Wochen erneut nicht viel getan. Weiterhin hängt der Silberpreis lethargisch in der Mitte des übergeordneten Abwärtstrendkanals. Die beiden Bollinger Bänder verlaufen relativ eng bzw. ziehen sich weiter zu und deuten damit mittelfristig eine größere Bewegung an. Vorläufig spricht aber alles für ein Verharren zwischen dem unteren (15,23US$) und oberen Band (17,93US$). Die Indikatoren präsentieren sich in der Summe leicht positiv. Das Kaufsignal beim "MACD"-Indikator ist immer noch aktiv, gleichzeitig ist die Stochastik bereits in der überverkauften Zone angekommen. Der "RSI"-Indikator verhält derzeit aussagelos bzw. neutral.

Entscheidend wird für die kommenden Monate sein, ob die Bullen die Unterstützungszone um 15,00US$ nachhaltig verteidigen können. Gelingt dies ist ein Anlaufen an die obere Begrenzung des übergeordneten Abwärtstrendkanals nur noch eine Frage der Zeit. Allerdings würden derzeit erst Schlusskurse oberhalb von 19,00US$ nachhaltig für das Ende des vierjährigen Abwärtstrends sorgen.

Sollten hingegen die Bären die schwache Verfassung der Bullen erneut ausnutzen und den Silberpreis auch unter die genannte Unterstützungszone um 15,00US$ drücken, sollte ein Wiedersehen mit dem Tief vom letzten November bei 14,15US$ gerechnet werden. Insgesamt bleibt der Wochenchart eher bearish, wobei die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen und bereits vorangeschrittenen Bodenbildung nach wie vor zunimmt.

Silber Tageschart:

Auf dem Tageschart geht der Kampf um die fallende 50-Tagelinie (16,29US$) in die nächste Runde. Trotz Chancen auf beiden Seiten gelang es seit Mitte März weder den Bullen noch den Bären diese wichtige Durchschnittslinie nachhaltig für sich zu reklamieren. In jedem Fall kann die letzte Abwärtsbewegung, welche am 26.März bei 17,41US$ startete, als ein bullischer Keil klassifiziert werden. Nach einem Monat fallender Kurse setzen die Bullen am 27.April zum Gegenangriff an und konnte den Keil mit einem steilen Anstieg zügig nach oben aufbrechen. Die Dynamik währte aber nur kurz und zum Ende der vergangenen Handelswoche fiel Silber wieder unter die Marke von 16,00US$. Bis dato kann diese letzte Bewegung noch als Test des Ausbruchsniveaus bzw. des ehemaligen bullischen Keils eingestuft werden. Kurse unterhalb von 15,75US$ sollten jetzt aber unbedingt vermieden werden, um das kurzfristig leicht bullische Bild nicht zu gefährden. Da die Bullen in den vergangenen fünf Handelstagen mehrmals an der Marke von 16,70US$ scheiterten, kann sich das Blatt auch schnell wieder wenden.

Die Indikatoren liefern ein gemischtes Bild. Der "MACD"-Indikator versucht sich an einem relativ frischen Kaufsignal, während sich der "RSI"-Indikator zunehmend in neutralen Gewässern einpendelt. Die Stochastik hingegen ist schon wieder überkauft und lässt daher zunächst nur begrenzten Spielraum nach oben zu. Die positiven Tendenzen zum Wochenauftakt ermöglichen durchaus eine Fortsetzung der Erholung auf Sicht der nächsten Tage. Ob dabei aber die schnell fallende 200-Tagelinie (17,29US$) sowie die Abwärtstrendlinie seit dem Hoch vom letzten Juli erreicht oder gar überschritten werden können, muss in der aktuellen Verfassung des Silbermarktes jedoch stark bezweifelt werden. Ein Anstieg bis zum oberen Bollinger Band (16,79US$) sollte aber möglich sein.

Auf der Unterseite hat das breite Unterstützungsband den Angriff der Bären zunächst erneut abgewehrt. Knapp darüber verläuft das untere Bollinger Band (15,66US$) welches zusätzlichen Halt schafft.

Insgesamt hinterlässt der Tageschart einen lethargischen Eindruck. Weder Bullen noch Bären können die Kurse nachhaltig in ihre Richtung drücken. Gleichzeitig wird die Handlungsrange immer kleiner. Ungeachtet kurzfristig leicht positiver Tendenzen muss der Tageschart angesichts des übergeordnet nach wie vor intakten Abwärtstrends derzeit neutral mit negativem Bias eingestuft werden.

Gold/Silber Ratio:

Nach wie vor läuft das Gold/Silber-Ratio seitwärts zwischen 70 und 77. Die steigende 200-Tagelinie (71,06) wurde Ende März zweimal getestet, ohne dass ein Durchbruch erfolgte. Sie nähert sich nun aber immer schneller dem aktuellen Preisniveau. Sollte das Gold/Silber-Ratio daher in den kommenden Wochen unter diese wichtige Durchschnittslinie fallen, ist von einem baldigen Ende der Seitwärtsphase auszugehen. Gleichzeitig wäre dies ein sehr positives Kaufsignal für den gesamten Edelmetallsektor. Noch ist es aber nicht soweit und natürlich kann auch der Weg gen Norden einschlagen werden. Allerdings würden erst Schlusskurse oberhalb von 77 ein neues starkes Verkaufssignal generieren. Bis dahin ist also noch nicht klar, ob es sich bei der Seitwärtsbewegung um eine Konsolidierung oder aber um eine Topbildung handelt.

Silberminen ETF:

Erstmals seit Beginn des Jahres gelang den Silberminenaktien in den letzten Wochen eine kleine Outperformance gegenüber dem Silberpreis selbst. Das ist zwar noch nicht nachhaltig und wirklich beeindruckend, aber immerhin auffällig. Schließlich haben die Minenaktien mit ihrem Vorläufercharakter seit vielen Jahren immer wieder bevorstehende Preisentwicklung beim Gold und Silber angekündigt.

Während der Silberpreis den ganzen April über doch klar korrigierte, liefen die Silberminenaktien seitwärts und setzen zuletzt zum Sprung über die 50-Tagelinie (8,81US$) an. Die Kraft der Bullen reichte jedoch bisher nur für einen kurzen Anstieg bis an die Widerstandszone um 9,30US$. Ende letzter Woche überkam die Minen ein Schwächeanfall, welcher zu einem Rücksetzer an die 50-Tagelinie (8,81US$) führte. Das dabei entstandene Gap wurde gestern bereits wieder geschlossen. Der Abstand zur 200-Tagelinie (10,39US$) ist immer noch beträchtlich. Interessant ist die Tatsache, dass sich die beiden Bollinger Bänder zuletzt sehr eng zusammengezogen hatten (so eng wie seit Juli/August 2014 nicht mehr). Hier bahnt sich eine größere Bewegung an…. Da das "MACD"-Kaufsignal seit Mitte März den ETF unterm Strich kaum vorangebracht hat und sowohl die 50- als auch die 200-Tagelinie fallen, spricht vieles für erneut tiefere Kurse auf Sicht der zwei kommenden Monate.

Vorläufig liegt derzeit aber noch ein neutrales Bild vor. Erst ein Anstieg über die Abwärtstrendlinie bei 9,30US$ – 9,50US$ eröffnet deutliches Anstiegspotential. Kurse unterhalb von 8,20US$ und vor allem unterhalb von 7,75US$ wären hingegen sehr bedenklich. Die nächsten Wochen sind noch von der negativen Saisonalität bestimmt, ab Mitte /Ende Juni wird der Sektor aber hochinteressant. Solange der Silberminen ETF nicht unter 8.20US$ abrutscht, nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Bodenbildung stetig zu.

Fundamental betrachtet scheint es, als ob der unterbewertete Minensektor zunehmend von Schnäppchenjägern bevölkert wird. Diese sehen in den ausgebombten Kursen eine antizyklische Chance, sind aber gleichzeitig aufgrund der unsicheren Lage noch sehr vorsichtig und stellen Positionen auch schnell wieder glatt.

CoT-Report:

Der aktuell vorliegende CoT-Report basiert auf den Zahlen vom letzten Dienstag im April. Bei einem Silberpreis von 16,55US$ hatten die kommerziellen Händler kumuliert insgesamt 33.990 Kontrakte leerverkauft. Das ist sicherlich kein Wert der schon zum antizyklischen Investieren einlädt, gleichzeitig geht von dieser Positionierung aber auch keine größere Gefahr aus. Auffällig ist die relativ hohe Long-Position der kleinen Spekulanten. Diese zyklisch handelnden Marktteilnehmer halten aktuell so viele Termin-Kontrakte auf einen steigenden Silberpreis wie zuletzt Anfang Oktober bei Preisen oberhalb von 18,00US$. Das spricht eher für weiteren Korrekturbedarf.

Auch für den Goldmarkt meldet der CoT-Report insgesamt eine eher neutral einzuschätzende Konstellation. Eine vielversprechende Engstelle liegt noch nicht vor.

Sentiment:

Sentimenttechnisch präsentiert sich der Silbermarkt derzeit fast neutral. Die Stimmung beim Gold hingegen kratzt an einem antizyklischen Kaufsignal. Leicht ungünstig bleibt das eher neutrale Sentiment bei den zuletzt stabilen Minenaktien. Beim Euro bzw. US-Dollar hat sich die Stimmung zuletzt parallel zur Euro-Erholung etwas entschärft.

Saisonalität:

Ab der zweiten Maiwoche beginnt für den Silberpreis die statistisch schlechteste Phase des ganzen Jahres! Im Mai verliert Silber dabei durchschnittlich 0,8%, im Juni sogar 3,2%. Natürlich sieht der genaue Kursverlauf jedes Jahr etwas anders aus, man sollte die saisonale Komponente aber auf Sicht der kommenden zwei Monate auf gar keinen Fall außer Acht lassen. Die vielversprechendste Strategie findet sich in den nächsten Wochen an der Seitenlinie, am besten ausgestattet mit genügend liquiden Mitteln. Ab Mitte/Ende Juni gilt es dann im Silber-Sommerschlussverkauf zuzuschlagen, denn wie der Chart auch eindrucksvoll beweist, folgen typischerweise ab Juli drei sehr positive Monate mit traditionell hohen Kursgewinnen.

Silber in EUR

Rückblick:

In Euro gerechnet verfehlte der Silberpreis Ende März klar das Januarhoch. In der Folge kam es erwartungsgemäß zu einem Kursrückgang bis an die 200-Tagelinie (14,32€) sowie an die untere Begrenzung des Aufwärtstrendkanals. In den letzten sechs Handelstagen sprang €-Silber dann wild zwischen seiner 50-Tagelinie (14,98€) und seiner 200-Tagelinie (14,32€) hin und her.

Euro-Silber Wochenchart:

Der doch relativ deutliche Preisrückgang der letzten Wochen führte den €-Silberpreis auf dem logarithmischen Wochenchart zurück an die psychologische Marke bei 14,00€. Zwischen Mitte 2013 und Herbst 2014 wurde diese Unterstützung mehrmals erfolgreich getestet, bevor sie im letzten Oktober dann doch gebrochen und klar unterschritten wurde. Aktuell ist ein direktes Unterschreiten aber nicht anzunehmen, vielmehr wäre zunächst ein Abpraller nach oben an so einer prominenten und mehrfach erprobten Unterstützung typisch. Das "MACD"-Kaufsignal hat die Korrektur seit Ende März jedoch nicht überlebt. Der Indikator wechselt auf ein Verkaufssignal. Der "RSI"-Indikator hingegen notiert neutral, während die Stochastik fast schon in der überverkauften Zone angelangt ist. Zusammengefasst sprechen die Indikatoren also eher für weiteren aber doch überschaubaren Korrekturbedarf.

Übergeordnet verbleibt der Wochenchart damit weiterhin im Abwärtstrend. Bricht die Marke von 14,00€ sind weitere Rücksetzer bis an die nächste Unterstützung bei 12,00€ wahrscheinlich. Der mittlerweile vierjährige Bärenmarkt wäre derzeit wohl erst mit einem Wochenschlusskurs oberhalb von 17,90€ beendet.

Euro-Silber Tageschart:

Auf dem Tageschart scheint der Silberpreis in Euro gerechnet in ein Dreieck hineinzulaufen. Entscheidend ist nun, um welche Art von Dreieck es sich dabei letztlich handeln wird. Ein absteigendes Dreieck spielt den Bären in die Karten. Es wird zunächst definiert durch tiefere Hochs. Gleichzeitig liegen die Tiefpunkte ungefähr auf selber Höhe (14,00€). Beides trifft auf den aktuellen Silberchart zu. Das Kursziel dieser Formation läge bei etwa 12,00€. In der bullischen Variante hingegen handelt es sich um ein symmetrisches Dreieck, welches als Fortsetzungsformation gut zum steilen Kursanstieg zwischen Dezember und Januar passen würde. Hier steht den tieferen Hochs die aufsteigende untere Trendlinie seit November gegenüber. Sollten im Mai Kurse unterhalb von 14,20€ zu beobachten sein, können wir die bullische Dreiecksformation schnell wieder zu den Akten legen und uns auf die bärische Konstellation konzentrieren. Aktuell ist es jedoch zu früh um eine Entscheidung zu treffen. Die Indikatoren allerdings tendieren eher zum absteigenden Dreieck. So ist beim "MACD"-Indikator seit Anfang April nach wie vor und relativ ungefährdet ein Verkaufssignal aktiv. Und auch die Stochastik scheint erneut in die überverkaufte Zone abdrehen zu wollen. Nach dem klaren Rutsch unter die 50- Tagelinie (14,98€) kommt es nun darauf an, ob die 200-Tagelinie (14,32€) verteidigt werden kann.

Insgesamt ist die Lage nach dem erwarteten Rücksetzer an die 200-Tagelinie derzeit etwas undurchsichtig bzw. muss der Tageschart wohl eher als neutral klassifiziert werden. Gleichzeitig hat sich jedoch die Wahrscheinlichkeit tieferer Kurse unterhalb von 14,00€ etwas erhöht.

Platin Handelsempfehlung: Mein Nachkauflimit hat endlich gegriffen und wir konnten in den letzten Tagen die Feinunze Silber unterhalb von 14,50€ kaufen. Für die weiterhin mögliche Schwäche im Mai und Juni empfehle ich gestaffelte Limitkäufe zwischen 12,00€ und 14,00€ in den Markt zu legen. Nutzen sie doch dafür einfach die Limitorder-Funktion im pro aurum Webshop.

Platin

Mein letzter Ausblick für den Platinpreis war eindeutig zu optimistisch. Tatsächlich scheiterte Platin an der ehemaligen Unterstützung um 1.180,00US$ und fiel in den letzten Wochen zwischenzeitlich bereits bis auf 1.117,60US$ zurück. Dabei rutschen die Notierungen entlang der fallenden 50-Tagelinie (1.149,73US4) unter einigen Schwankungen nach unten.

Das frische "MACD"-Verkaufssignal verheißt auf Sicht der kommenden Wochen nichts Gutes. Weder der "RSI"-Indikator noch die Stochastik können mit ihren jeweils eher neutralen Zuständen daran etwas ändern. Der Platinpreis befindet sich in einem klar definierten Abwärtstrendkanal und dürfte in den kommenden Wochen wohl das Tief vom März bei 1.086,70US$ erneut anlaufen. Einzig das untere Bollinger Band (1.124,42US$) steht diesem Szenario noch im Weg. Die 200-Tagelinie (1.258,88US$) verläuft weit entfernt und oberhalb des aktuellen Kursgeschehens.

Fundamental betrachtet scheint dem Platinmarkt in den nächsten Jahren ein Überangebot zu blühen. Die Hauptfaktoren dabei dürften neben der Wiederaufnahme der südafrikanischen Platin-Produktion vor allem die sich verlangsamende chinesische Schmucknachfrage, die schwachen Autoverkäufe innerhalb der EU sowie die fehlenden Investmentnachfrage und Abflüsse aus den Platin-ETFs sein. Insgesamt also weder charttechnisch noch fundamental gute Aussichten für den Platinpreis. Das Gold/Platin-Ratio ist allerdings zwischenzeitlich bis auf 1,035 weiter angestiegen. Ein extremer Wert, demnach müsste Platin derzeit viel zu billig sein oder Gold immer noch deutlich zu teuer.

Palladium

Wie vor vier Wochen erwartet, gelang es dem Palladiumpreis nicht, die gebrochene Aufwärtstrendlinie sowie die starke Widerstandszone zwischen 770,00US$ und 790,00US$ wieder zurückzuerobern. Vielmehr war ein mehrmaliges bisher aber erfolgloses Anlaufen zu beobachten, denn die 50-Tagelinie (780,05US$) deckelt bisher alle Anstiegsversuche. Knapp darüber verläuft die 200-Tagelinie (803,87US$), welche ungünstiger weise nun zu fallen beginnt.

Das "MACD"-Kaufsignal von Anfang April ist noch aktiv, die Stochastik ist aber bereits überkauft. Je länger der Palladiumpreis unterhalb der ehemaligen Aufwärtstrendlinie verweilt, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Bären das Ruder wieder übernehmen können. In diesem Fall müssen wir uns auf ein erneutes Abtauchen in Richtung 720,00US$ – 730,00US$ einstellen. Die dortige Unterstützungszone sollte auch einem dritten Test zunächst standhalten.

Insgesamt bleibt der Palladiumchart bearish, die Wahrscheinlichkeit tieferer Kurse ist relativ hoch.

Zusammenfassung und Konklusion

Die Preisbewegungen der letzten Wochen waren sowohl beim Gold- als auch bei Silberpreis äußerst heimtückisch. Weder die Bullen noch die Bären konnten sich nachhaltig durchsetzen. Auffällig bleibt der weiterhin vorhandene Abwärtsdruck, welcher aber regelmäßig von steilen Kurserholungen unterbrochen und in Frage gestellt wird. Die überzeugendste Erklärung für dieses Verhalten lautet wohl so: Zahlreiche Marktteilnehmer erkennen die schwache Situation am Goldmarkt und tätigen Leerverkäufe, welche sie dann aber mangels weiterer Kurseinbrüche schnell wieder eindecken müssen. Nach den steilen Kurserholungen rücken aber keine neuen Käufer mehr nach, so dass sich der übergeordnete Abwärtstrend erneut durchsetzt. Diese Fehlausbrüche und verwirrenden Bewegungen charakterisieren einen Bärenmarkt.

Ich bleibe daher skeptisch und will mein "worst case"-Szenario einer finalen Kapitulation am Goldmarkt noch nicht streichen. Vielmehr glaube ich, dass die derzeitige Situation doch wesentlich kritischer ist als das Viele wahrhaben wollen. Gold scheiterte in der vergangen Woche erneut an der granitharten Widerstandszone zwischen 1.210,00$ und 1.220,00US$. In der Konsequenz wurde Gold am letzten Donnerstag deutlich abverkauft. Zum Wochenauftakt konnten sich die Bullen zwar erneut zurückmelden, mittlerweile bereitet aber schon das Überschreiten der Marke von 1.190,00US$ große Schwierigkeiten. Schritt für Schritt rutscht der Goldpreis unterm Strich also weiter ab. Kurse unterhalb von 1.180,00US$ könnten nun jederzeit die Lawine lostreten. Da die beiden kommenden Monate traditionell eher schwächere Kurse für die Edelmetalle bereithalten, könnte die Kapitulation tatsächlich bereits Ende Juni ausgestanden sein. In der Folge sollte ein neuer Bullenmarkt für Gold und Silber beginnen.

Da ich jedoch über keine Glaskugel verfüge, muss ich selbstverständlich auch alternative Szenarien bedenken und durchspielen. Natürlich könnten Gold und Silber ihre vierjährige Baisse durchaus mit einer seitwärtsverlaufenden Bodenbildung beenden. Bis jetzt fehlen dafür aber klare charttechnische Signale.

Eine weitere Option wäre, dass der Bärenmarkt einfach nochmal in die Verlängerung geht. Solange sich die Aktienmärkte gut halten können, wird sich der Goldpreis schwer tun. Da sich in China aber eine gewaltige Spekulationsblase entwickelt, müssen wir mittelfristig mit einem fürchterlichen Crash an den gesamten Finanzmärkten rechnen. Wer sich die Charts aus den Jahren 2007/2008 genau anschaut, wird feststellen, dass der damalige deflationäre Zusammenbruch mit dem Top beim chinesischen Aktienmarkt begann. Auch der Goldpreis kam damals zwischenzeitlich deutlich unter die Räder, bevor er sich zum großen Gewinner der Krise entwickelte. Ein ähnliches Szenario könnte also auch auf Sicht der nächsten ein bis zwei Jahren dafür sorgen, dass Gold zunächst weiter seitwärts dümpelt, dann aber doch noch bis auf etwa 1.035,00US$ fällt, bevor die Finanzmärkte getrieben von wilder Panik im sicheren Hafen Gold Zuflucht suchen werden.

Silber wird in jedem der drei Szenarien dem Goldpreis folgen. Im Idealfall hat Silber aber wie schon mehrmals geschrieben sein Tief im letzten November bei 14,15US$ bereits gesehen und müsste in den kommenden Wochen zwar schwach, aber oberhalb dieser Marke tendieren.

Unabhängig davon welchen Weg die Edelmetalle kurzfristig einschlagen, sollten sie größere Rücksetzer konsequent nutzen, um ihre physischen Bestände auszubauen.