Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

wenn man den Chart des Goldfutures für sich isoliert betrachtet, könnte man den Eindruck gewinnen, dass höchste Gefahr im Anzug ist. Denn aus charttechnischer Sicht könnte sich kurzfristig eine sogenannte Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) vollenden. Sollte das geschehen, könnte der Goldpreis deutlich unter US$1.140 fallen und eine massive Verkaufswelle auslösen. Doch dieses Szenario muss nicht eintreffen. Möglich ist auch, dass der Goldpreis plötzlich über die 200-Tageline bei aktuell US$1.228 schießt oder aber, dass die Nackenlinie der SKS-Formation zwar erreicht, aber nicht durchbrochen wird. Diese verschiedenen Szenarien hängen von bestimmten Faktoren ab.

Gold 27.04.2015

Unsicherheit am Aktienmarkt nimmt zu

Die Unsicherheit des Marktes zeigt sich auch an anderen aktuellen Beispielen, die im Zusammenhang mit dem Goldpreis stehen. So ist z.B. der S&P 500 in der letzten Woche haargenau bis auf das Allzeithoch bei 2.117 Punkten vorgerückt.

SPX 27.04.2015

Eigentlich ein gutes Zeichen für Aktionäre. Und ein schlechtes Signal für den sicheren Hafen Gold, denn warum sollte man in das Edelmetall investieren, wenn die Aussichten für eine Fortsetzung der Aktienrallye so günstig sind? Doch es gibt ein Problem am Aktienmarkt. Der Aufschwung wird durch immer weniger Käufer getragen. Immer mehr Aktionäre ziehen sich zurück, weil sie Sorge vor einer konjunkturellen Abkühlung zunehmen. Zudem nimmt die Bereitschaft zu, nach über sechs Jahren Hausse langfristige Gewinne zu realisieren, zumal nicht einmal dem Fed selbst deutlich ist, welche Auswirkungen eine Zinswende auf die verschiedenen Finanzmärkte haben könnte. Mit anderen Worten: Der Aktienmarkt ist höchst fragil. Entsprechend vorsichtig muss man auch bei der Interpretation des Goldcharts sein.

US Equity 27.04.2015

Der S&P 500 steigt, während Kapital abgezogen wird.

US-Dollar-Index vor dem Einbruch?

Die Schwankungsbreite im US-Dollarindex hat erheblich zugenommen, seit der Bereich um die 100 Punkte zweimal nicht überwunden werden konnte. Die Zunahme der Volatilität deutet auf eine Verunsicherung hin. Wird die Wirtschaft in den USA tatsächlich kräftiger wachsen als zum Beispiel in der Euro-Zone? Ist die US-Wirtschaft stark genug, um die Zinswende unbeschadet zu überstehen? Oder wird das Fed den Leitzins erst später einleiten, so dass das Zinsgefälle zur Euro-Zone viel flacher ausfallen wird als gedacht?

USD 27.04.2015

Ein weiterer wesentlicher Faktor für den US-Dollarindex ist der Euro. Die Devisenspekulanten sind sich so sicher wie nie: Der Euro wird gegenüber dem US-Dollar weiter fallen. Die Volumen der Shortspekulationen ist im Moment sogar höher, als auch dem Höhepunkt der Eurokrise 2012.

Short Gold 27.04.2015

Dafür wird die EZB mit ihrem OMT-Programm schon sorgen. Doch was passiert, wenn es der EZB nicht gelingt, den Banken jeden Monat genügend Staatsanleihen abzukaufen? Diese zentrale Frage wurde Draghi auf der letzten EZB-Pressekonferenz gestellt und er fand nur eine ausweichende Antwort. Er sehe bisher keinen Grund am Erfolg seines Anleihekaufprogramms zu zweifeln. Doch interessanterweise hat die zentrale Unterstützung des Euro bei ca. 1,05 gehalten. Im Moment sieht es so aus, als befände sich der Euro in einer Bodenbildung. Wenn das zutrifft, hätte er das Potential für eine Zwischenrallye bis in den Bereich von 1,22. In diesem Szenario würde der US-Dollar-Index einbrechen und infolgedessen könnte der Goldpreis anziehen.

EUR USD 27.04.2015

Fazit

Es spricht einiges dafür, dass die Märkte kurz vor einem Umschwung stehen. Auf diesem Hintergrund wird am kommenden Mittwoch die Zinsentscheidung des Fed besonders wichtig sein. Kluge Anleger laufen jetzt keinem Trend mehr hinterher. Statt zu versuchen, den DAX-Aktien vielleicht noch ein paar Prozentpünktchen abzugewinnen, sollte man lieber Gewinne realisieren und Bargeld halten. Einen Teil der Barmittel würde ich allerdings in Goldaktien wie zum Beispiel NovaGold (WKN: 905542, ISIN: CA66987E2069), Barrick Gold (WKN: 870450, ISIN: CA0679011084) oder die Silberaktie Silver Wheaton (WKN: A0DPA9, ISIN: CA8283361076) investieren. Und zwar entweder dann, wenn der Goldpreis über US$1.240 schießt, oder in den Bereich von US$1.100 und US$1.000 fallen sollte.

Wenn Sie gerne traden, könnten Sie in den nächsten Tagen auch mit dem db x-tracker SHORTDAX Daily UCITS ETF (WKN: DBX1DS, ISIN LU0292106241) auf einen fallenden DAX setzen. Dieser ETF bildet den DAX 1:1 invers ab. Interessant wird dieses Produkt, wenn der DAX unter 11.600 Punkte fällt.

Viel Erfolg wünscht Ihnen
Ihr Thomas Rausch

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.