Gold in USD

Nach einem fulminanten Jahresstart ging den Goldbullen bereits am 26.Januar bei einem Stand von 1.307,80US$ die Luft aus. Seitdem ist der Goldpreis deutlich gefallen und die Bären haben den Markt wieder fest im Griff. Der erwartete Anstieg bis 1.345,00US$ wurde damit klar verfehlt. Auch die Unterstützungszone um 1.240,00US$ konnte nur wenige Handelstage verteidigt werden.

Auf dem Monatschart kann das Kursgeschehen von Anfang November bis zum Top Ende Januar eindeutig als Test der gebrochenen Aufwärtstrendlinie klassifiziert werden. Der Rutsch unter die ehemalige 13jährige Aufwärtstrendlinie ist somit bestätigt und nachhaltig. Dass die Bären sofort wieder das Ruder übernommen haben, ist daher nicht überraschend. Zwar hat die Stochastik ein Kaufsignal erzeugt, aber der Chart macht eher den Eindruck, dass in den nächsten Wochen und Monaten das untere Bollinger Band (1.145,22US$) sowie die untere Begrenzung des vierjährigen Abwärtstrendkanals (aktuell bereits unter 1.100,00US$!) angelaufen werden könnten. Insgesamt hat sich die charttechnische Lage klar verschlechtert.

Der Wochenchart spielt weiterhin das seit Monaten beschriebene absteigende Dreieck. Mit dem erneuten Scheitern an der oberen Begrenzung, hat nun die bekannten Unterstützungszone um 1.180,00US$ erneut entscheidende Bedeutung. Ein Bruch dürfte trotz weiterhin gültigem MACD-Kaufsignal nur noch eine Frage der Zeit sein. Auch der „Parabolic-Sar“-Indikator hat in der letzten Woche erstmals seit Ende November wieder ein Verkaufssignal generiert. Mit der Höhe der Basis des Dreiecks lässt sich auf dem logarithmischen Wochenchart ein Kursziel von knapp 980,00US$ errechnen. Dieses absolute „worst case“ Szenario habe ich bereits seit zwei Jahren immer wieder erwähnt. Ein nachhaltiger Bruch der Unterstützung bei 1.180,00US$ aktiviert dieses Kursziel. Allerdings dürfte es nicht in einem Rutsch erreicht werden. Vielmehr sollte der Goldpreis vorher noch einmal zu einer Zwischenerholung ansetzen. Der Wochenchart ist eindeutig negativ.

Der Tageschart macht ebenfalls keinen guten Eindruck. Noch können die Bullen den Aufwärtstrend seit November für sich reklamieren. Der heute Vormittag eingeleitete Rutsch unter die Marke von 1.200,00US$ würde auf Tagesschlusskursbasis diesen Aufwärtstrend jedoch beenden. Besonders negativ präsentiert sich der Stochastik-Indikator. Seit mehr als 5 Handelstagen laufen beide Signallinien unterhalb von 20. Damit ist der Abwärtstrend bis auf weiteres festgezurrt und jede minimale Erholung wird von den Bären zu neuen Verkäufen genutzt („embedded slow stochastic“-Status). Das „MACD“-Verkaufssignal sitzt ebenfalls fest im Sattel, allerdings verliert das dazugehörige Histogramm bereits an Dynamik. Beim „RSI“-Indikator schließlich wurde die überkaufte Lage in den letzten vier Wochen vollständig bereinigt. Überverkauft ist der Indikator aber noch nicht. Zusammengefasst ist der Tageschart klar bearish und eine Erholung noch nicht absehbar. Denkbar aber wäre eine Zwischenerholung ausgehend von etwa 1.180,00US$ oder spätestens von 1.165,00US$ bis zur seitwärts verlaufenden 50-Tagelinie (1.230,41US$) oder im besten Fall bis zur fallenden 200-tagelinie (1.250,24US$).

Jim Rickards (Autor von „Currency Wars“ und „Death Of Money“) hat kürzlich in einem Interview auf einen interessanten Umstand aufmerksam gemacht. Es gibt Zeiten in denen Gold vom Markt wie ein „Rohstoff“ betrachtet und gehandelt wird. Zwischen Juli und November des letzten Jahres beispielweise fiel der Goldpreis parallel mit dem CCI-Rohstoffindex. Es gibt aber auch Zeiten in denen der Markt Gold als „Geld“ behandelt. Dann verhält sich der Goldpreis wie ein sicherer Hafen. Zuletzt war dieses Verhalten ab Ende November bis Ende Januar zu beobachten und der Goldpreis konnte die Rohstoffe in dieser Phase deutlich outperformen. Rückblickend ist dies mit der Loslösung des Schweizer Franken, dem europäischen QE-Programm sowie der Griechenlandwahl auch fundamental erklärbar. Um für die zukünftigen Verwerfungen besser gerüstet zu sein, führe ich in der Zusammenfassung ab jetzt auch diesen Analysebaustein mit ein. D.h. mit einem Ratio-Chart „Gold gegen Rohstoffe“ werde ich regelmäßig ermitteln, ob Gold vom Markt dann jeweils wie „Geld“ oder eher wie ein „Rohstoff“ behandelt wird. Auch für die Kostenentwicklung bei den Minenaktien ist die Betrachtung höchstinteressant, denn durch den stark gefallenen Ölpreis haben sich die Produktionskosten hier teilweise deutlich verringert.

Die extrem hohe kommerzielle Shortposition vor vier Wochen war ein klares Warn- und Verkaufssignal. Mittlerweile hat sich die Lage verbessert, aber es liegt definitiv noch keine günstige Engstelle vor. Solange das spekulative Kapital deutlich über 70.000 Long-Kontrakte auf den Goldpreis hält und gleichzeitig die Profis ihre Shortposition nicht in Richtung 80.000 Kontrakte oder weniger reduziert haben, gibt es keinen Grund auf ein Ende der Korrektur zu spekulieren. Im Gegenteil, Ende Januar waren tatsächlich alle Puzzleteile für den finalen Ausverkauf in Richtung 1.000,00US$ am Goldmarkt komplett. Die Profis hatten ihre Shortposition auf das höchste Niveau seit Oktober 2012 ausgebaut! Natürlich schließt die aktuelle Positionierung Zwischenerholungen nicht aus.

Laut den aktuellen Sentimentdaten überwiegt im Edelmetallsektor mehrheitlich Pessimismus, ohne dass jedoch wirklich extreme Werte vorlägen. Bei den Goldminenaktien ist die Stimmung erst in den letzten zwei Wochen gekippt, während vor allem beim Goldpreis trotz des steilen Kursanstieges im Januar nie ernsthaft Euphorie aufkommen wollte. Die Stimmung beim Euro bzw. US-Dollar verharrt seit Monaten auf einem Extremwert.

Die Kursentwicklung im laufenden Monat Februar entspricht dem saisonalen Verlauf. Mit einem durchschnittlichen Verlust von 0,7% rangiert der kommende Monat März statistisch betrachtet nur knapp vor dem Schlusslicht Oktober. Da sich der Goldpreis aktuell an seinen saisonalen Zyklus hält, gehe ich davon aus, dass wir erst im Mai oder Juni das abschließende Tief der laufenden Abwärtsbewegung sehen werden. Eine Zwischenerholung bietet sich ab Mitte/Ende März und den April über an.

Sollte sich der Goldpreis ähnlich wie in den 70er verhalten, müssten das finale Tief des vierjährigen Bärenmarktes ziemlich genau sieben Monate nach dem Novembertief 2014 erfolgen. Auch das deutet also auf den Mai 2015 als möglichen Wendepunkt hin

Gold in EUR

Vor vier Wochen hatte ich geschrieben, „dass als nächstes eigentlich nur eine Korrektur folgen kann“. Genau dies trat ein und der Goldpreis in Euro ist zwischenzeitlich deutlich gefallen.

Auf dem Monatschart war der Goldpreis im Januar viel zu weit über das obere Bollinger (1.084,00€) Band hinausgeschossen. Das wurde nun konsequenterweise korrigiert und €-Gold bewegt sich wieder innerhalb seiner beiden Bollinger Bänder. Ansonsten sieht der Chart aber weiterhin gut aus. Das langfristige „MACD“-Kaufsignal ist nun besser sichtbar. Lediglich die Stochastik ist überverkauft. Damit dürften neue Hochs eher nicht so schnell erreichbar sein. Vielmehr ist eine Konsolidierung bzw. Seitwärtsphase zwischen 1.000,00€ und 1.085,00€ in den kommenden Monaten zu erwarten. Die zehnjährige Aufwärtstrendlinie (aktuell bei knapp 980,00€) sollte dabei nicht mehr unterschritten werden.

Der Tageschart bildet das Kursgeschehen seit dem Dezember 2013 ab. Das aufsteigende Dreieck wurde mit dem Hoch bei 1.068,00€ mustergültig abgearbeitet. Wie vor vier Wochen geschrieben, läuft nun der Test des Ausbruchsniveaus um die psychologische Marke von 1.000,00€. Aktuell hängt €-Gold knapp über der steigenden 50-Tagelinie (1.048,00€). Das 61,8%-Fibonacchi Retracement der letzten Aufwärtsbewegung liegt bei knapp 1.007,00€. Die steigende 200-Tagelinie (980,00€) ist noch ein gutes Stück entfernt. Allerspätestens hier sollte der Goldpreis in Euro in Verbindung mit der Aufwärtstrendlinie seinen Boden finden. Ich gehe aber davon aus, dass €-Gold die Marke von 1.000,00€ nicht mehr unterschreiten wird. Da die Indikatoren jedoch weiterhin negativ sind (allen voran die „embedded“ Stochastik), ist der Tageschart klar bearish. Der Goldpreis in Euro dürfte also vorläufig weiter korrigieren.

Das zuletzt genannte Nachkauflimit rückt nun näher und unsere Geduld sollte sich schon bald bezahlt machen. Die ideale Nachkaufzone für physische Gold-Investments definiere ich jetzt zwischen 1.035,00€ und 1.000,00€. Am besten sie kaufen gestaffelt bis in den Bereich um 1.000,00€.

Euro & US-Dollar

Trotz des parabolischen Ausverkaufs im Januar, extrem negativem Sentiment sowie Fortschritte bei den Verhandlungen mit Griechenland und sich abzeichnenden Problemen in den USA, kommt der Euro noch nicht wieder auf die Beine. Im Endeffekt sehen wir seit gut vier Wochen eine Konsolidierung auf niedrigem Niveau, die sich auch als bärische Flagge entpuppen könnte. Zudem ist auch die saisonale Komponente bis April negativ. An den Terminmärkten hingegen sind die Profis seit Monaten massiv auf einen steigenden Euro positioniert. Eine Erholung beim Euro ist daher wohl nur noch eine Frage der Zeit. Ein erstes bestätigendes Kaufsignal wäre ein Anstieg über 1,1500US$. Bis dahin wird das Währungspaar dem Goldpreis aber nur wenig Unterstützung bieten. Die anhaltend hohe Volatilität wirkt derzeit eher verunsichernd auf die Edelmetallmärkte.

Goldminen Index HUI

Nach einem fulminanten Anstieg von 150,41 auf 211,23 korrigiert der HUI Goldbugs Index seit Mitte Januar die Gewinne und notiert aktuell bei 184,35 Punkten. Das Kursziel der W-Formation wurde damit verfehlt und der Index scheiterte klar an seiner 200-Tagelinie (204,25). Damit verharren die Minenaktien in einem Bärenmarkt. Dennoch konnten sich die Goldminenaktien etwas besser halten als der Goldpreis selbst.

Auf dem Tageschart hängt der Index derzeit knapp über seiner 50-Tagelinie (182,66). Ähnlich wie beim Gold in Euro & US-Dollar läuft auch hier die Stochastik mit beiden Signallinien unterhalb von 20 und zurrt damit den Abwärtstrend fest. Da der Index bereits seit einigen Tagen am unteren Bollinger Band (181,39) nach unten rutscht, dürfte die 50-Tagelinie nicht mehr lange zu halten sein. Als nächstes Kursziel wäre daher eine ehemals überwundene Abwärtstrendlinie innerhalb des intakten Abwärtstrendkanals knapp oberhalb von 170 Punkten auszumachen. Zwischen 170 und 180 Punkten liegen zudem die Hochs aus der Erholung Ende November, welche ebenfalls Unterstützung bieten sollten. Der „RSI“-Indikator ist wieder neutral zu werten, während das „MACD“-Verkaufssignal schon recht weit gelaufen ist und das dazugehörige Histogramm in Bälde nach oben drehen sollte.

Insgesamt ein klar negativer Chart, allerdings erscheint mir das Abwärtsrisiko kurzfristig überschaubar. Schließlich hat der stark gefallene Ölpreis den Kostendruck bei den Goldproduzenten deutlich entschärft. Übergeordnet sollten sich langfristig denkenden Investoren mit einem Einstieg bis Mai bzw. Juni gedulden.

Zusammenfassung & Konklusion

Die Bären haben den Gold- und Silbermarkt wieder klar unter ihre Kontrolle gebracht. Daran gibt es keinen Zweifel. Die Korrektur ist in den letzten Wochen einfach fiel zu weit gelaufen. Es handelt sich also nicht um einen „Rückschlag im neuen Aufwärtstrend“, sondern vielmehr um den Auftakt zum finalen, lange erwarteten und bereinigenden Ausverkauf Richtung 1.000,00US$. Durch den heutigen Rutsch unter 1.200,00US$ sollte die laufende Abwärtswelle erst im Bereich 1.180,00US$ bis 1.165,00US$ einen Boden ausbilden können. Im Anschluss wäre eine Erholung bis 1.230,00US$ oder 1.250,00US$ wahrscheinlich. Danach sollte dann die dritte Welle neue Tiefs unterhalb von 1.130,00US$ mit sich bringen. Mit etwas Glück ist der Spuk bis Mai/Juni endgültig ausgestanden und dem Goldpreis gelingt dann zwischen 980,00US$ und 1.050US$ die übergeordnete Wende nach oben.

Chart 16 Zusammenfassung 270115

Ich bleibe langfristig natürlich extrem bullisch, behalte aber bis zum Frühsommer meine Bärenkappe.

Der Silberpreis macht einen etwas besseren und stabileren Eindruck und könnte wie erwartet sein finales Tief im November bereits gesehen haben. Dennoch sollten auch hier weitere Irritationen eingeplant werden.