Frik Els von mining.com erwartet für das Industriemetall Nr. 1 ein besonders schwaches Jahr. Als Hauptgrund dafür sieht er in einer aktuellen Recherche Überkapazitäten. Weitere Argumente für eine negative Entwicklung haben wir für Sie zusammengefasst.

Auch wenn Dutzende Kleinunternehmen vergangenes Jahr geschlosssen wurden, so besteht der Druck rd. 175 Mio. Tonnen mehr am Markt unterbringen zu müssen als dieser an Aufnahmekapazität derzeit für 2015 erwarten lässt.

Obwohl die Preise für Eisen seit dem 5 1/2-Jahrestief im Dezember 2014 um knapp 8% gestiegen sind, so hat das Metall mit einem Minus von 48% doch im vergangenen Jahr nach Erdöl die zweitschlechteste Performance aller Rohstoffe hingelegt. Und auch die letzte kurze Rally ist offensichtlich nur durch das chinesische Stimulaltionsprogramm von rd. USD 800 Mrd. zu begründen, das für Kredite und Kommerzbanken aufgelegt wurde.

Für China werden im Jahr 2015 Verbräuche von rd. 1,4 Mrd. Tonnen erwartet. Dies entspricht in etwa so viel wie die gesamte restliche Welt verbraucht. Das meiste davon kommt über den Seeweg nach China, wobei Australien und Brasilien die dominantesten Handelspartner darstellen.

Betrachtet man Australien, so wird im Jahr 2015 eine Mehrproduktion von rd. 48 Mio. Tonnen in den Markt gepumpt. Damit sollte der Exportgigant auf einen Gesamtausstoß von 766 Mio Tonnen kommen. Australien hätte damit seit 2010 seine Exportquote mehr als verdoppelt!!

Nicht ganz so agressiv, aber ebenfalls bemerkbare Erhöhungen leistet sich Brasilien, das für 2015 eine um rd. 30 Mio. Tonnen erhöhte Gesamtproduktion erwartet und somit auf rd. 360 Mio. Tonnen kommen sollte.

Vor allem die Majors wie BHP Billiton, Rio Tinto, Vale, Anglo American und weitere sind die Volumentreiber. Mit ihren durchgeführten und noch anstehenden Kapazitätsausweitungen sind sie Hauptverursacher der aktuellen Nachschubschwemme. Die Großen waren es auch, die seit Beginn des Jahrzehnts an die USD 100 Mrd. für den Ausbau bestehender und Aufbau neuer Produktionsstätten investiert hatten.

Rio Tinto beispielsweise ist auf gutem Weg seine Produktionen bis 2017 auf jährlich 290 Mio. Tonnen auszuweiten. Die nicht börsengelistete Hancock Prospecting startet im Herbst 2015 ihre Roy Hill Mine mit jährlich 55 Mio Tonnen an Eisenproduktion. Fortescue, 4. größter Produzent, hat 2014 seine Maximalkapazität von jährlich 155 Mio. Tonnen erreicht.

Apropos Topproduzenten: Viele der Großen beziehen ihre Haupteinnahmen aus dem Eisenbusiness. So zum Beispiel Vale, das 85% seiner Umsätze mit Eisen generiert. Oder Rio Tinto mit 73% aus der Eisensparte. Auch bei BHP Billiton ist die Eisenproduktion zu 52% für den Gesamtumsatz verantwortlich. Bei Anglo American sind es zwar „nur“ 40%, aber dennoch der stärkste Rohstoff des Unternehmens.

Dennoch, und auch trotz des starken Preisrückganges, haben die großen Produzenten die Steigerungen nicht zurückgenommen, wohl auch mit dem Ziel, viele kleine aus den Markt zu drängen, die bei diesen Niedrigpreisen nicht mehr profitabel wirtschaften können.

Nimmt man nun die zu erwartenden Steigerungen bei der Nachfrage von jährlich 3% – gewertet für 2014 und 2015 – , so beträgt dies in Absolutziffern ein Nachfrageplus von rd. 59 Mio. Tonnen pro Jahr. Dem gegenüber stehen rd. 140 Mio. Tonnen an Mehrproduktion für 2014 und rd. 290 Mio. Tonnen für 2014 und 2015 gesamt. Daraus ist klar erkenbar, dass es zum Problem werden wird, diese Zusatzmengen am Markt unterzubringen.

Doch das Bild wäre nicht komplett, würde man China außer Acht lassen. Hier fällt auf, dass man in China zwischen 350 und 400 Mio Tonnen an 62%igem Eisen produziert, allerdings die Minen ausgesprochen niedrigradig sind mit rd 20% Fe. Das bedeutet daher auch, dass sich bei den Produktionskosten die chinesischen Produzenten überwiegend an der Oberkante der Kosten bewegen. Daraus ist zu erwarten, dass sich der inländische Nachschub zäher als erwartet entwickeln wird. Ob dies allerdings ausreicht, um die zusätzlichen Produktionen aufzufangen erscheint mehr als fraglich.

Was kann das für Investoren bedeuten?

Abgeleitet von der oben angeführten Marktlage und den Aussichten für zumindest das kommende Jahr sollte man davon ausgehen, dass Eisenproduzenten unter Druck geraten könnten. Speziell die Majors, die einen Großteil ihrer Umsätze durch dieses Metall generieren, könnten sich unliebsamen Erlöseinbrüchen gegenüber sehen, denn es ist nicht anzunehmen, dass in Anbetracht der Nachfrage- und Angebotslage Eisen in den kommenden Monaten einen gewaltigen Kursrebound hinlegen wird können.

Auch auf der Explorerseite können bei weiter anhaltenden Niedrigpreisen Probleme auftreten, denn die Wirtschaftlichkeit der Projekte kann ins Wanken geraten und damit die Aufnahmen nötiger frischer Kapitalmengen problematisch werden. Man kann sicherlich an den Großen des Marktes dran bleiben, da diese durch ihre Produktionen natürlich wesentlich risikoärmer sind als Entwicklungsunternehmen.

Doch sollte man einen genaueren Blick auf die Produktionskosten machen, denn diese werden schlussendlich über die Erfolgsbilanz der Unternehmen im kommenden Jahr entscheidend sein. Ganz wesentlich erachten wir ein genaues Betrachten der neu in Produktion gehenden Projekte der Großen, denn auch hier könnten sich die gedämpften Rohstoffpreise enorm auf die Gesamtbilanz der Unternehmen auswirken und viel von einer erwarteten Kursfantasie zerstören.

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