Platin: Das fast vergessene Edelmetall wird knapp

Platin: Das fast vergessene Edelmetall wird knapp picture alliance/KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI

Eine Feinunze Platin wird am Markt aktuell zu 1.061 USD gehandelt – weniger als halb so viel, wie Marktteilnehmer für Gold zu zahlen bereit sind. Aktuell müssen für eine Feinunze Gold also rund 2,3 Unzen Platin bezahlt werden. Vor 20 Jahren lag die Gold-Platin-Ratio noch bei unter 0,50.

Platinnachfrage erholt sich

Dabei sieht es für die Nachfrage nach Platin besser aus, als der Preis es vermuten lassen könnte. Der Researchdienst Johnson Matthey schätzt im PGM Report von Mai 2024, dass die globale Nachfrage aus allen Sektoren in diesem Jahr 7.614 Mio. Feinunzen erreichen wird. Das ist nur wenig mehr als im Vorjahr (7,609 Mio.), aber deutlich mehr als 2022 (6,431 Mio.).

Der größte Teil der Nachfrage entfällt demnach mit 3,299 Mio. Feinunzen auf den Automotive-Sektor, gefolgt von der Schmuckindustrie mit 1.343 Mio. Unzen, der glasverarbeitenden Industrie mit 721 koz und der Chemieindustrie mit 643 koz. Die Investmentnachfrage fällt mit 120 koz kaum ins Gewicht – ganz anders als z.B. 2019, als hier noch 1.131 Mio. Feinunzen nachgefragt wurden.

Erstaunlich angesichts des Preisverfalls: Der Platinmarkt wird sich Matthey zufolge 2024 zum zweiten Mal in Folge im Defizit befinden. Das globale Angebot (primäres und sekundäres Angebot) in diesem Jahr wird auf 7,016 Mio. Unzen taxiert. Daraus ergibt sich ein Defizit von 598 koz. Im vergangenen Jahr hatte das Defizit bei 518 koz gelegen (der World Platinum Investment Council veröffentlicht etwas abweichende Zahlen).

Der Platinpreis entwickelt sich jedoch trotz des Defizits flach wie das sprichwörtliche Brett. Analysten von GlobalData rechnen mit weiter sinkenden Preisen auf durchschnittlich 940 USD pro Tonne in diesem Jahr.

Angebotsrisiken: Preise könnten sogar steigen

GlobalData Bergbauanalyst Vinneth Bajaj hält diese Entwicklung allerdings noch nicht für gänzlich ausgemacht. "Der Preisverfall bei Platin lässt sich auf eine Abschwächung in der Automobilindustrie zurückführen. Der schleppende Autoabsatz führt dazu, dass weniger Fahrzeuge hergestellt werden, was die Nachfrage nach Platin, einem wichtigen Bestandteil in Katalysatoren, verringert. Mit Produktionskürzungen im Jahr 2024 könnte es jedoch zu einer Verschiebung von Angebot und Nachfrage kommen. Wenn sich die Autoverkäufe erholen, könnten sich die Platinpreise stabilisieren oder sogar steigen."

Tatsächlich gibt es Risiken auf der Angebotsseite. Südafrika, Russland, Simbabwe, Kanada und die USA sind die fünf größten Platinproduzenten der Welt und für den Großteil des weltweiten Angebots verantwortlich. Für Südafrika und Russland wird mit einem Rückgang der Produktion im laufenden Jahr gerechnet.

Auf der Nachfrageseite sind vor allem langfristig neue Impulse denkbar, wenn sich für Platin und andere PGM neue Verwendungsmöglichkeiten finden. Platin – das etwa 30-mal seltener in der Erdkruste vorkommt als Gold – könnte etwa zum Einsatz kommen, wenn es darum geht, Elektrolyseure und Brennstoffzellen wettbewerbsfähig zu machen.

Solche neuen Verwendungsoptionen werden für Palladium sogar aktiv erforscht. Der Palladiumpreis hat nach einem Hoch im zeitlichen Umfeld des Kriegsausbruchs in der Ukraine rund zwei Drittel an Wert verloren.

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Heraeus und Sibanye forschen an neuen PGM-Anwendungen

Heraeus Precious Metals und Sibanye-Stillwater starteten im Februar eine Kooperation zur Erforschung neuer Anwendungen für Platingruppenmetalle (PGM) in der Wasserstoffwirtschaft. Erklärtes Ziel ist es, alternative Märkte für Palladium zu erschließen und den entstehenden Wasserstoffsektor mit technischen Innovationen zu unterstützen.

Palladium weist eine sehr hohe Selektivität für Wasserstoff auf und kann daher z.B. bei der Reinigung von Wasserstoff bei der Herstellung von blauem Wasserstoff zum Einsatz kommen. Weitere Anwendungsfelder sind das Cracken von Wasserstoffträgern und die Halbleiterindustrie, wo hochreiner Wasserstoff als Prozessgas benötigt wird.

Ob daraus Potenzial für eine Kursrallye erwächst, ist ungewiss. Allerdings zeigen sowohl der Platinpreis als auch der Palladiumpreis Anzeichen für eine abgeschlossene Bodenbildung.