Politiker und Wirtschaftsforscher in Kanada sind alarmiert. Der sinkende Ölpreis, der in Teilen Europas für Freude sorgt, löst in Kanada heftige Kopfschmerzen aus. Einerseits atmen auch dort Verbraucher auf, da sie mehr Geld im Portemonnaie behalten, andererseits sind einige Provinzen und Regionen stark von der Ölförderung abhängig. Und damit fangen die Probleme an.

Alles steht auf dem Prüfstand

Noch im Vorjahr musste man bis zu 100 Dollar für einen Barrel Öl auf den Tisch legen. Ölkonzerne überlegten, wie sie immer mehr Öl aus dem Erdreich herausholen könnten, Kosten spielten nicht mehr die entscheidende Rolle. Kaum jemand ging von sinkenden Preisen aus, jeder dachte eher an eine Verknappung des kostbaren Guts. Anfang 2015 ist klar, dass vieles anders kam und die Aussichten auf die alten Preise sind zumindest vorläufig eher dürftig. Das führt zu heftigen Reaktionen bei Ölgesellschaften. Kosten werden auf den Prüfstand gestellt, neue Projekte werden noch einmal unter die Lupe genommen, Budgets werden teils drastisch gekürzt.

In Kanada liest sich das wie ein „who is who“ der internationalen Branche. Sei es Canadian Natural Resources (ISIN: CA1363851017), Total (ISIN: FR0000120271), Suncor Energy (ISIN: CA8672241079) oder Statoil (ISIN: NO0010096985), sie alle haben ihre Budgets für die Ölförderung drastisch reduziert. Zuletzt hat Suncor Energy angekündigt, den Posten im laufenden Jahr um 1 Milliarde Dollar zu reduzieren. Am Wochenbeginn verkündete Canadian Natural Resources, das Budget um mehr als 2 Milliarden Dollar zu kürzen. Die Aufzählung lässt sich fortsetzen. Ölkonzerne haben den Rückwärtsgang eingelegt, sie müssen sparen. Das hängt auch damit zusammen, da viele Ölvorkommen in Kanada nicht wirklich kostengünstig abbaubar sind. Ölsande und Ölschiefer verursachen höhere Kosten als die traditionelle Förderung von Öl aus dem Erdreich.

Arbeitsplätze werden abgebaut

All das hat auch Auswirkungen auf die Arbeitsplätze. Suncor wird 2015 vermutlich bis zu 1.000 Arbeitsplätze streichen. Betroffen sind vor allem Zeitarbeiter. Auch ist ein Einstellungsstopp für viele Bereich verhängt worden. Marktbeobachtern kommt das bekannt vor. Beim letzten Verfall des Ölpreises hat man ähnliche Reaktionen beobachten müssen. Die Auswirkungen vor allem für die Region Alberta mit dem berühmten Athabasca-Becken waren einschneidend. Mehr als 30.000 Jobs gingen verloren, die Investitionen wurden um 18 Milliarden Dollar gekürzt. Auch der Immobilienbereich bekam die Krise zu spüren, der Markt für Neubauten brach ein. Forschungsinstitute sprachen von einer Rezession.

Abschwung wird immer wahrscheinlicher

Genau dieses Szenario könnte Alberta jetzt wieder drohen. Bisher bleiben die Zahlen am Arbeits- und Wohnungsmarkt noch stabil, es gibt nur die üblichen saisonalen Schwankungen. Da Öl jedoch das Hauptexportgut von Alberta ist, wird die Situation nicht lange so stabil bleiben. Schon jetzt rechnen Experten damit, dass die Provinz in Mitleidenschaft gezogen wird. Unklar ist nur, wie stark die Krise ausfallen wird