Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

ich freue mich darauf, Sie auch durch das Börsenjahr 2015 begleiten zu dürfen, denn ich bin mir sicher, dieses Jahr wird noch spannender werden als das letzte.

Zusammen mit meinen Kollegen Joachim Brunner vom Smallcap Investor, Michael Adams vom Stock-Telegraph und Kai Hoffmann vom Investor Magazin haben wir, wie schon im letzten Jahr, im Rahmen des Literarischen Börsenquartetts versucht, wenigstens einige der wichtigsten Aspekte in den Blick zu nehmen.

„Griechischer Wein, und die altvertrauten Lieder, schenk noch mal ein…“

Wir waren uns einig: Es wird keinen Grexit geben. Das Säbelrasseln von Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble, ein Austritt Griechenlands sei notwendig, sollte in Griechenland das linke Bündnis Syriza Ende Januar an die Regierung kommen, ist nicht ernst zu nehmen. Viel zu groß ist die Angst, den Wählern die dann notwendig werdenden Abschreibungen zu präsentieren. Das weiß Alexis Tsipras , der Chef von Syriza, natürlich. Man wird einen Kompromiss finden: Tsipras wird einige seiner Forderungen streichen, dafür werden die Zinsen auf die Rettungs-Kredite reduziert und die Tilgung bis auf den Sanktnimmerleinstag verschoben. Das wäre nichts anderes als ein Schuldenschnitt, der ohnehin notwendig ist, den die Politik sich aber nicht eingestehen möchte.

Im Namen des Volkes

Viel interessanter wird das Urteil des EuGh über das OMT-Programm der EZB sein. Eine Stellungnahme des Europäischen Gerichtshofs wird noch bis zum 14.01.2015 erwartet. Folgt er der Einschätzung des Deutschen Bundesverfassungsgerichts, wird das angekündigte Anleihekaufprogramm der EZB, das bei der nächsten EZB-Sitzung am 22.01. gestartet werden könnte, stark limitiert sein und stünde damit im Widerspruch zum „Was immer es kostet“ von Mario Draghi. Turbulenzen an den Finanzmärkten könnten die Folge sein. Folgt der Gerichtshof dem Verfassungsgericht nicht, hätten wir einen handfesten Verfassungskonflikt. Die Börsen könnten jubeln, während Frau Merkel eingestehen müsste, die Zügel aus der Hand verloren zu haben.

Die EZB meint es doch nur gut!

Mario Draghi wird vermutlich den Ölpreiscrash als Hauptgrund für den Ankauf von Anleihen anführen. Denn es leuchtet ein, dass es nicht schlimmeres für die Wirtschaft gibt, sowohl für die Industrie als auch die Konsumenten, als fallende Energiekosten. Als guter Konsument sollten Sie immer im Sinne der Stabilität der Wirtschaft darauf bedacht sein, möglichst hohe Preise zu zahlen. Denn wenn die Preise z.B. für Benzin oder Heizöl weiter fallen, könnten Sie ja versucht sein, nicht mehr zu tanken und zu heizen, um die Energie später noch günstiger einzukaufen. Die Preise würden weiter fallen und schließlich wären die Autobahnen leergefegt, während wir alle frierend im Dunkeln zu Hause säßen. Also seien wir froh, dass uns die EZB vor diesem Horror bewahrt und die Geldmenge ausweitet.

Zinswende ins Nichts

DAS vorhersehbare Großereignis dieses Jahres ist für mich aber die mögliche Einleitung der Zinswende in den USA. Ja, ich denke, das Fed wird den Zins marginal anheben, um Wort gehalten zu haben. Aber auf den nächsten Zinsschritt können wird vermutlich warten, bis z.B. Griechenland saniert und die EU entbürokratisiert wurde.

Kennen Sie noch die TSX-Venture?

Von der Einschätzung der weiteren Zinspolitik des Fed werden auch der Dollarkurs und damit der Rohstoffmarkt abhängen. Ich glaube, der US-Dollar-Index dürfte das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Wenn das so ist, könnten die Rohstoffpreise am Futuremarkt wieder anziehen. Für einen ganz bestimmten Markt wäre das ein Grund zumindest für einen sehr heftigen Rebound: Die TSX-Venture. Die niedrigen Rohstoffpreise haben hier zu einem neuen Allzeittief geführt. Wenn ein Markt für tot gehalten werden kann, dann der für Juniors im Rohstoffsektor. Und genau das könnte in 2015 endlich nach Jahren der Baisse wieder zu heftig steigenden Kursen führen.

cdnx chart Januar 2015

Ich denke, jetzt ist endlich wieder die Zeit gekommen, in Rohstoffaktien zu investieren. Meine Kollegen und ich haben haben im zweiten Zeil unseres Literarischen Börsenquartetts einige Ideen für Sie.

Ihr Thomas Rausch

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.