Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

das Fed hat für eine Überraschung gesorgt. Es wäre plausibel gewesen, wenn die amerikanische Notenbank die Märkte angesichts des sich verlangsamenden Weltwirtschaftswachstums schonend auf eine mögliche Verzögerung der Zinswende vorbereitet hätte. Das Gegenteil ist aber eingetreten. Mit Blick auf den sich angeblich verbessernden US-Arbeitsmarkt und ein überraschend starkes BIP von 3,5 Prozent im dritten Quartal mahnt das Fed sogar an, die Zinsen evtl. früher als gedacht anheben zu können.

Der Dollar zog daraufhin stark an, die Rohstoffe sackten ab. Besonders schlimm erwischte es Gold und Silber. Gold steht nun erneut unmittelbar vor dem Test seiner zentralen Unterstützung bei US$1.180. Bricht die, könnte Gold tatsächlich bis in den Bereich bei US$1.000 abstützen.

Gold 31.10.2014

Der Blick auf den HUI zeigt, dass die Goldminenaktionäre mit dem Schlimmsten rechnen, denn hier ist die Unterstützung bei 185 Punkten gebrochen.

HUI 31.10.2014

Alle Rohstoffe sind unter Druck? Nein, Öl nicht! Und das, obwohl der Dollar weiter aufgewertet hat. Stabilisierend wirkt sowohl der „Kaufrausch“ Chinas aus, als auch die Tatsache, dass die US-Rohölvorräte nur noch um 2 Mio. Barrel und damit deutlich weniger schnell als erwartet, angestiegen sind.

Rohöl 31.10.2014

Greenspan warnt vor Turbulenzen und wirbt für Gold!

Der Dollar schießt nach oben, weil die Zinswende kommt. Eigentlich sollte die Zinswende auf den Aktienmarkt einen negativen Einfluss haben. Ja, die US-Konjunktur wächst angeblich schneller als von vielen gedacht. Aber tatsächlich stehen die Aktienmärkte nicht deshalb knapp vor ihren Höchstständen, weil die US-Konjunktur gut läuft, sondern weil die Märkte mit billigem Geld vollgepumpt wurden. Wird das Geld in Zukunft – und vielleicht sogar schon im Frühjahr nächsten Jahres – teurer, wird das auf die Aktienpreise drücken. Doch stattdessen setzten sie zu einer Jahresendrallye an.

Alan Greenspan hat es in einem Interview auf den Punkt gebracht. QE4 hatte keinerlei Nutzen für die Realwirtschaft. Stattdessen seien die Assetpreise aufgeblasen und die Finanzmärkte gestützt worden. Wenn jetzt die Zinsen erhöht werden, sei es „unwahrscheinlich, dass dies ohne Probleme“ vor sich gehen wird.

Und jetzt kommt einer der zentralen Sätze, der Ihnen denn Irrsinn der Notenbanker vor Augen führt. Greenspan spricht sich gegen Versuche aus, Spekulationsblasen, die die Zentralbanken selbst verursacht haben, zum Platzen zu bringen. Begründung: Das kann zu „irrationalem Verhalten bei den Marktakteuren“ führen! Die Euphorie am Aktien- und Rentenmarkt ist also rational? Wollen Sie noch eine Kostprobe dieses Wahnsinns? Die Bank of Japan druckt soviel Geld wie nie zuvor, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dann versucht Sie den dadurch angeblich entstanden Mehrwert durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer abzuschöpfen. Sie versucht also etwas, das schon den Alchimisten nicht gelungen ist: Blei in Gold zu verwandeln. Logische Folge: Die japanische Wirtschaft kommt nicht auf die Beine. Wie reagiert ein Notenbanker darauf, dass sein Blei nicht zu Gold geworden ist? Richtig, er weitet sein Experiment aus und druckt noch mehr Geld. Deshalb stockt die BoJ jetzt ihre Anleihenkäufe massiv auf. Die Aktienmärkte jubeln heute Morgen.

Albert Einstein: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

Ausgerechnet Alan Greenspan, der ehemalige Chef-Alchimist des Fiat-Geldsystems, hat eine Lösung: Kaufen Sie Gold! Denn Gold sei eine Währung, die „außerhalb der Politik und der Regierung liege“. Außerdem glaubt er, dass der Goldpreis „messbar steigen“ werde. Damit kehrt der alte Hexenmeister nach einer langen Karriere als Geldrucker zurück zu seinen eigenen Ursprüngen, als er 1966 in seinem berühmten Artikel „Gold und wirtschaftliche Freiheit“ schrieb:

„Eine geradezu hysterische Feindschaft gegen den Goldstandard verbindet Staatsinterventionisten aller Art. Sie spüren offenbar klarer und sensibler als viele Befürworter der freien Marktwirtschaft, daß Gold und wirtschaftliche Freiheit untrennbar sind, daß der Goldstandard ein Instrument freier Marktwirtschaft ist und sich beide wechselseitig bedingen. Um den Grund ihrer Feindschaft zu verstehen, muß man zunächst die Rolle des Goldes in einer freien Gesellschaft verstehen.“ Alan Greenspan: Gold and Economic Freedom, wieder abgedruckt: Ayn Rand: Capitalism the Unknown Ideal, 1967, S. 96 ff. Siehe auch hier.

USD 31.10.2014

Fazit

Weder wird die US-Konjunktur eine Insel innerhalb einer sich weiter abkühlenden Weltwirtschaft bleiben, noch wird das Fed den Leitzins anheben können, ohne einen gigantischen Crash am Finanzmarkt auszulösen.

Entweder wird die US-Konjunktur so schnell und aus „heiterem Himmel“ einbrechen wie die Deutsche Wirtschaft. Oder ein geopolitischer Konflikt wird so stark aufflammen, dass sich das Fed genötigt sehen wird, die Märkte zu retten.

Schließt der Goldpreis heute unter US$1.180, kann es zu weiteren panikartigen Einbrüchen bei den Gold- und Silberaktien kommen. Ich behalte jetzt den Dollar-Index fest im Blick. Kann ein neues Hoch gebildet werden, oder geht dem Dollar nach den Halbzeitwahlen-Wahlen in den USA am 04.11.2014 die Luft aus?

Die Goldstorry ist nicht zu Ende. Sie fängt jetzt erst an!

Ihr Thomas Rausch

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.