Der Kupferpreis stand seit der Topbildung im Juli nicht gerade im Verdacht, für große Verdienstmöglichkeiten auf der Long-Seite sorgen zu können. In dem typischen Auf und Ab eines Trendkanals ging es per Saldo deutlich nach unten. Der Kupfer-Future, der sich auf ein Pfund des Industriemetalls bezieht, ist zwischen Mitte Juli und dem 17. Oktober von 3,2945 Dollar auf 2,9515 Dollar gefallen.

Der Blick auf den Chart des Kupfer-Futures Mitte des Monats zeigt aber bereits, dass da etwas passiert ist. Diverse lange Lunten der jeweiligen Tageskerze im Candlestickchart sind um den 17. Oktober herum zu sehen – eine Chartformation, die eine mögliche Wende nach oben angekündigt hat. Seit dieser Formation geht es nach oben, der Kupferpreis konnte deutlich an Wert gewinnen. Den gestrigen Handel hat der Future mit 3,093 Dollar nahe Tageshoch und im Bereich der Widerstandszone um 3,10 Dollar beendet. Auch der Kupferpreis an der London Metal Exchange ist zuletzt klar gestiegen, pendelt heute den jüngsten Kursanstieg allerdings ohne große Bewegungen in beide Richtungen erst einmal aus.

Kupferpreis vor nachhaltiger Trendwende?

Während an der London Metal Exchange die Angst vor der möglichen Manipulierbarkeit des Kupferpreises durch einen Marktteilnehmer umgeht, der große Teile der Londoner Lagerbestände des Metalls aufgekauft hat, brauen sich um das Metall weitere „Stürme“ zusammen. Dem Angebotsvolumen drohen gleich mehrere Belastungsfaktoren, von denen die Situation um die Lagerbestände an der Londoner Börse wohl das kleinste Problem darstellt. Stattdessen drohen Streiks in wichtigen Kupferminen, das Angebot auszuhöhlen. Und so wachsen die Sorgen an der Börse um das Angebotsvolumen des Rohstoffes – es ist der eigentliche Hintergrund der jüngsten Aufwärtsbewegung des Kupferpreises.

Streiks bedrohen die Angebotsmengen auf dem Kupfermarkt

Mit Streiks drohen zum einen die Arbeiter auf der indonesischen Grasberg-Mine. Diese ist zwar vor allem als Goldmine bekannt, gehört zugleich aber zu den wichtigsten Kupferminen der Welt. Der Standort gehört dem US-amerikanischen Rohstoffkonzern Freeport McMoRan (ISIN: US35671D8570) und war zuletzt Schauplatz tödlicher Unglücke, bei denen vier Bergleute ums Leben kamen. Freeport McMoRan hatte mit den Quartalszahlen bereits eine niedrigere Produktion des Bergwerks für den laufenden Monat gemeldet, weil viele Arbeiter schlicht nicht zu ihren Schichten erschienen sind. Nun soll die Arbeit demnächst für einen kompletten Monat ruhen – aus Protest gegen die Arbeitsbedingungen. Zudem wollen die Gewerkschaften Druck auf den US-Konzern ausüben und diesen zu personellen Konsequenzen im Management drängen.

Ein zweiter großer Streik steht auf der anderen Seite des Erdballs an: Die Arbeiter des peruanischen Antamina-Projekts wollen ab dem 10. November die Arbeit niederlegen, um für höhere Löhne zu kämpfen. Dann wären die Arbeiten auf zwei der wichtigsten Kupferminen der Welt lahmgelegt. Für den Kupferpreis könnte dies weitere Kurssteigerungen bringen, denn damit würde sich der Angebotsüberhang, den Experten auch für das kommende Jahr erwarten, abschwächen.