Liebe Leserinnen und Leser,

heute wollen wir uns einmal etwas abseits des Tagesgeschäftes bewegen und tiefer in die strategischen Bewegungen an den Märkten eindringen. Nachdem der Goldpreis von 2001 – 2012 kontinuierlich gestiegen ist, setzte Mitte 2012 die Korrektur ein. Keine andere Anlageklasse konnte dem Goldpreis bis dahin das Wasser reichen. Das Goldpreishoch wurde Mitte 2011 markiert, die Korrektur setzte dann ab Mitte 2012 ein. Der Goldpreis hat vom Hoch bis zum Korrekturtief mehr als 37% verloren. Die Korrektur war nicht nur prozentual gesehen recht stark, sondern auch von der Dauer, mit mehr als 24 Monaten, sehr ausgeprägt:

Goldpreis_Langfristig

Quelle: www.stockcharts.com

Ausgeprägte Korrektur oder Trendwende?

Betrachten wir uns den Goldpreis langfristig seit dem Jahre 2000, so sieht die Korrektur deutlich gemäßigter aus, als im oberen Chart auf Tagesbasis. Nachfolgend sehen Sie den Goldpreis auf Monatsbasis. Der Aufwärtstrend ist intakt, trotz der starken Korrektur in den vergangenen Jahren. Der RSI (oben) hat den Abwärtstrend gebrochen und der MACD (unten) macht Anstalten, nach oben zu drehen und ein Kaufsignal zu liefern:

Goldpreis_Langfristig

Quelle: www.stockcharts.com

Aktien oder Gold – Was wird die nächsten Jahre besser laufen?

Der Goldpreis legte nicht nur absolut seit der Jahrtausendwende extrem stark zu, sondern auch im Verhältnis zu den Standardaktienmärkten. Diese Performance der beiden Anlageklassen (Gold und Aktien) sieht man am besten an der DOW-Jones-Gold-Ratio. Steigt diese, so laufen die Aktienmärkte besser als Gold und umgekehrt.

Sie sehen nun im folgenden Chart die DOW-GOLD-RATIO von 1980 bis aktuell. Von 1980 – 2000 war die Aktienhausse voll im Gange und Gold war out. Ab 2000 bis 2011 lief Gold den Aktienmärkten davon und die DOW-GOLD-RATIO fiel deutlich. Gold lief also deutlich besser als die Aktienmärkte:

DowJonesGoldRatio

Quelle: www.stockcharts.com

Was wir dann in 2011 gesehen haben, war der vorläufige Hochpunkt des Goldpreises und ein Comeback der Standardaktienmärkte. Dies führte bis heute zu einem Anstieg der DOW-GOLD-RATIO von etwa 7 auf knapp 13. Sie sehen im Chart, dass die Goldhausse gemessen an der vorherigen Aktienhausse deutlich kürzer war und der Ausgangspunkt von 1980 bei weitem nicht erreicht wurde. Was man auch sehr gut erkennt ist, dass der RSI am Top der Aktienmärkte sehr lange überkauft war und der DOW zum Goldpreis noch weiter gestiegen ist, bevor dann die Abwärtswelle startete.

Auch die letzte Bewegung führte zu einer überkauften Situation bei den Aktienmärkten im Verhältnis zum Goldpreis, doch die Ratio zog weiter an. Betrachten wir uns hierzu noch den MACD, so sehen wir den kräftigen Aufschwung, der sich seit Jahresbeginn deutlich abflacht.

Zoomen wir etwa näher in den Chart, (10 Jahre monatlich) so wird die Situation deutlicher:

DowJonesGoldRatio10Jahre

Quelle: www.stockcharts.com

Die große Frage ist nun, ob die Goldhausse 2011/2012 beendet wurde oder ob wir „nur“ eine starke Korrektur gesehen haben, die auch von den sehr stark laufenden Aktienmärkten begünstigt wurde. Dies ist nicht für heute oder morgen entscheidend, sondern für die nächsten Jahre.

Betrachten wir uns die Ratio auf Tagesbasis, so sehen wir die starke Entwicklung der Aktienmärkte und die Schwäche des Goldpreises bis zur Jahreswende 2013/2014. Die Ratio zog bis 14 an. Seitdem schwächeln die Aktienmärkte und Gold stabilisiert sich. Der kurzfristige Aufwärtstrend zugunsten der Aktien wurde gebrochen und der nächste Versuch die Marke wieder zu erreichen bzw. zu überschreiten scheiterte:

DowJonesGoldRatio

Quelle: www.stockcharts.com

Wir sehen also ein Top bei der Ratio und einen gebrochenen Aufwärtstrend, der die Korrektur beim Goldpreis beschleunigt hatte. In der Ratio sehen wir eine typische Top-Bildungsformation. Diese, und davon gehen wir fest aus, wird für eine bald stattfindende Trendwende sorgen.

Aktien werden als alternativlos angesehen und genau hier liegt die große Gefahr!

Die Aktienmärkte werden derzeit als einzige Anlagemöglichkeit überhaupt gesehen, da die Zinsen im Anleihesektor extrem niedrig sind und in vielen Regionen nicht einmal die Inflationsraten decken (Realzins nahe Null oder negativ).Dies wird als DAS Argument angeführt, warum Aktienmärkte nur noch steigen können und jeder in diese Märkte investieren muss. Was jedoch in diesem Zusammenhang nicht oder kaum beachtet wird ist, dass viel Kapital in die Aktienmärkte geflossen ist, was traditionell dort wenig verloren hat.

Hier spreche ich von auf Sicherheit ausgelegte Investments, die eigentlich in den Rentenmarkt gehören oder für kurzfristig verfügbares Kapital, welches im Aktienmarkt ebenfalls wenig verloren hat. Insgesamt führen die niedrigen Zinsen und die Verlockungen des Aktienmarktes zu einer Fehl-Allokation von Kapital. Dies wird sich dann normalisieren, wenn die Aktienmärkte einmal stärker korrigieren.

Noch werden die vielen Argumente von kritischen Investoren belächelt und unter den Teppich gekehrt. Doch sobald die Aktienmärkte ins Wanken geraten, kann sich die Angst sehr schnell verbreiten und dann wird genau das fehlgeleitete Kapital, welches die letzten Prozente im Aktienmarkt mitnehmen wollte, aus dem Sektor fliehen.

Die Risikobereitschaft der Anleger weltweit wurde und wird durch die künstlich niedrigen Zinsen deutlich zu hoch. Dies ist das größte Problem für die Aktienmärkte aus meiner Sicht. Deshalb glauben wir weiterhin sehr fest an Gold, als wertbeständige Anlage und Inflationsschutz!