Dass die Rohstoffexperten der Sprott-Gruppe optimistisch für die Branche sind, ist kein Geheimnis. Allerdings sind sie weit davon entfernt, alles gut zu finden, was aus der Branche kommt. Das zeigt aktuell wieder einmal ein Interview von Rick Rule, dem Chairman von Sprott US Holdings. Der Manager kritisiert die Unternehmen aus dem Rohstoff-Sektor deutlich, vor allem die kleineren Gesellschaften. Zwei Dinge sind es, die dem Experten dabei vor allem unangenehm aufstoßen.

Zum einen die hohen Kosten für allgemeine und administrative Aufgaben, die bei den Juniors von den Vorständen offenbar hingenommen werden. Im Verglich zu den großen Konzernen der Branche sind diese Ausgaben vor allem bei kleinen Gesellschaften mit geringer Marktkapitalisierung prozentual um ein Vielfaches höher, wie eine Studie von Sprott gezeigt hat. Das ist zum einen natürlich auf „Skaleneffekte“ zurückzuführen, die die „big guys“ nutzen können, zum Teil aber sicherlich auch auf schlechtes Management.

Teile der Verluste resultieren aus hausgemachten Problemen

Zum anderen kritisiert Rule die Wertschöpfung in der Branche. Viele Unternehmen kümmern sich seiner Meinung nach mehr darum, dem Kapitalmarkt eine coole Story zu liefern, anstatt ein herausragendes Projekt zu entwickeln. Die Quittung kommt spätestens dann, wenn die von den Managern gezeichneten Luftschlösser durch die Realität in Form von Explorationsdaten zum Platzen gebracht werden.

Kein Wunder also, dass Rule die Branche nicht aus der Verantwortung für die Verluste der vergangenen Jahre lässt. Vieles von den Schmerzen, die die Investoren erleiden mussten, sei hausgemacht, sagt Rule – und dürfte damit Recht haben. Diese Kritik an der Ausgabenfreude der Konzerchefs war bereits von vielen institutionellen Investoren zu hören. Allerdings ist auch zu sehen, dass in den Chefetagen der Rohstoffunternehmen umgedacht wird, Investitionen und Ausgaben werden kritischer unter die Lupe genommen, spätestens seitdem der Kapitalmarkt den Geldhahn für die Rohstoffbranche weitgehend abgedreht hat.

Bei Investments keine Angst vor Fehlern haben

Frei von Risiken sind Rohstoffinvestments für Geldanleger auch mit steigender Kostendisziplin der Unternehmen natürlich nicht. Rule selbst setzt bei seinen Aktivitäten an der Börse auf Diversifizierung. Der erfahrene Geldgeber weiß, dass von zehn Unternehmen, in die man Geld steckt, die meisten keine Gewinne erzielen werden. Die Rendite für das Gesamtportfolio wird von Kurssteigerungen bei nur ein bis zwei „Stars“ unter diesen zehn Aktien gemacht.

Gewinnmitnahmen gehören hierbei für den Investor dazu. Wenn eine Aktie steige, obwohl die erwarteten Entwicklungen nicht einsetzen, verkaufe er Teile seiner Position, wenn nicht sogar sämtliche Anteile, sagt Rule. Damit beschneide er zwar zukünftige Gewinnchance, komme aber zugleich aus dem Risiko heraus. So etwas könne er gut akzeptieren, erläutert Rule.

Auf das falsche Pferd zu setzen, ist völlig normal im Investmentprozess, Fehlschläge werden kommen. Umso wichtiger ist, Fehlinvestment frühzeitig zu erkennen und damit Verluste zu begrenzen. Hierzu empfiehlt Rule den Anlegern, sich umfassend zu informieren und die zahlreichen Informationsquellen zu nutzen, die es gibt. Zudem sollte man sich im Vorfeld die richtigen Fragen stellen. So sei es zum Beispiel wichtig, auf vorhersehbare Ereignisse zu setzen, die derzeit noch nicht in den Kursen enthalten sind, statt auf „50/50-Chancen“.

Gute Chancen bei Energierohstoffen

Als Beispiel hierfür nennt Rule die Uranbranche. Die Konzerne müssen zu wesentlich höheren Kosten produzieren als sie verkaufen können – das führt früher oder später zum Zusammenbruch von Konzernen, das Angebot verknappt sich, der Preis kann sich erholen und die „Überlebenden“ der Krise werden wieder profitabel arbeiten. Kein Wunder also, dass Rule die Uranbranche durchaus attraktiv findet, auch wenn sein Einstieg im vergangenen Jahr zu früh kam. Das könne er aussitzen, meint Rule und baut dabei auf die Gewissheit, dass die Atomenergie und damit Uran einen unverzichtbaren Beitrag zum zukünftigen Strommix leisten werden. Eine Pleite der Uranbranche können sich die Energieerzeuger nicht leisten. Daher heiße die einfache Frage: „Geht der Uranpreis hoch oder die Lichter aus?“, so Rule. Die Antwort auf diese alles entscheidende Frage kann sich jeder selbst geben.

Doch nicht nur in der Uranbranche sieht Rule Chancen, auch in einem anderen Energiesektor scheint es seiner Meinung nach antizyklisch interessant zu sein: In einem Teil der Öl- und Gasbranche. Im Blick hat Rule dabei vor allem Unternehmen, die in Afrika und anderen Emerging Markets neue Konzessionen bei diesen beiden wichtigen Energierohstoffen aufbauen. Die Börse beachte diesen Teil der Öl- und Gasbranche derzeit nicht, so Rule. Der Grund ist vor allem der Fracking-Boom in den USA, der Kapital in Massen anzieht, das an anderer Stelle fehlt. Für antizyklische Investoren könnte dies eine interessante Ausgangslage sein.