Charttechnisch wirkt Gold nun stark angeschlagen. Doch dies könnte auch nur die Ruhe vor dem Sturm nach oben sein. Und Silber besitzt in diesem Fall sogar einen Hebel.

Gold bei 1250 US-Dollar je Unze, Silber sogar unter 19 Dollar – geht die Talfahrt weiter? Zumindest scheinen Krisen wie in der Ukraine derzeit kaum Einfluss auf die Preisfindung zu haben. Auch ein Anziehen des Inflationsdrucks in den USA verunsichert die dortigen Anleger nur wenig. Wenn von fundamentaler Seite kaum etwas Sinnvolles für die Preisfindung zu kommen scheint, bleiben zum Glück noch die charttechnischen Ansätze. Doch auf den ersten Blick dürften auch diese kaum den Gold- und vor allem Silber-Fans Freude bereiten.

Gold schwankt nun seit rund einem Jahr zwischen 1200 und 1400 US-Dollar je Unze. Das Positive daran: Um 1200 Dollar hat sich dadurch eine starke Unterstützung gebildet. Die schlechte Nachricht: Der letzte Versuch eines Sprungs über den im Herbst 2012 begründeten Abwärtstrends ist jüngst gescheitert. Da dort auch die 200-Tage-Linie verläuft, scheint hier ein massiver Widerstand zu liegen. Dass der MACD-Indikator (Moving-Average-Convergence-Divergence, ein Trendfolgeindikator) sowohl auf Tagesbasis wie auch in der Wochenbetrachtung ein Verkaufssignal gegeben hat, dürfte die Gold-Fans kaum beruhigen.

Doch es gibt auch Positives: Der Relative-Stärke-Indikator (RSI, nach Wilder) ist jüngst auf Tagesbasis in die Überverkaufte-Phase unter 30 Prozent eingetaucht. Immer wenn dies in den vergangenen Monaten geschah (Februar 2013, April 2013 und Juni/Juli 2013) gab es eine positive Reaktion beim Goldpreis. Von Juli 2013 bis Ende August 2013 kletterte Gold sogar von 1200 auf 1400 Dollar. Wir können daher in den kommenden Tagen und Wochen eine Reaktion nach oben erwarten. Das Ausgangsniveau dürfte nicht weit unter dem heutigen Goldpreis liegen. Möglicherweise ist noch Platz bis 1230 oder 1220 Dollar je Unze. Doch dann scheinen spätestens Einstiegskurse vorzuliegen.

Das besonders Schöne: Geht es tatsächlich wieder bis 1400 US-Dollar nach oben, dann ist nicht nur der Abwärtstrend gebrochen und die 200-Tage-Linie übersprungen. Dann ist auch eine Trendumkehrformation vollendet. Denn über die vergangenen 15 Monate formierte sich eine umgedrehte Schulter-Kopf-Schulter (SKS). Solche SKS zeigen relativ gut Trendumkehrungen an, wenn sie am Ende einen Ausbruch über oder bei normalen und nicht wie in unserem Fall umgedrehten SKS unter die Nackenlinie ergeben. Bei der derzeitigen Gold-SKS verläuft die Nackenlinie bei rund 1380 Dollar. Beim Überspringen wäre das Kursziel bei knapp 1600 US-Dollar. Damit die SKS nicht greift, muss der Goldpreis unter 1190 Dollar fallen. In diesem derzeit nicht zu erwartenden Fall könnte es zu einem Ausverkauf kommen.

Beim Silber gibt es solch eine Trendumkehrformation nicht. Doch formiert sich beim Silberpreis über die vergangenen dreieinhalb Jahre ein mächtiges Dreieck. Der Kurs ist schon weit in die Spitze vorgerückt. Da MACD und RSI ähnlich wie bei Gold zu werten sind, könnte es durchaus nach einer noch ein bis zwei Wochen langen Konsolidierung um 19 US-Dollar je Unze zu einem Ausbruch nach oben kommen. Dieser wäre bei mehr als 21 Dollar als erfolgreich zu werten. Denn dann ist auch die 200-Tage-Linie übersprungen und bildet eine Unterstützung gegen einen Rückfall in den Abwärtstrend beziehungsweise das Dreieck. Ein Silberpreis zwischen 25 und 30 Dollar wäre dann schnell zu erreichen.

Bewahrheitet sich diese charttechnische Betrachtung des Gold- und des Silberpreises, hätte das starke positive Auswirkungen auf die Kurse der Gold- und Silberproduzenten und -sucher.