Das geflügelte Wort aus Bill Clintons Präsidentschaftswahlkampagne des Jahres 1992 passt, leicht abgewandelt, auf die Dinge, die seit einiger Zeit am Goldmarkt ablaufen – zumindest wenn Rohstoff-Insider wie Eric Sprott mit ihren Markteinschätzungen Recht haben. Schon seit langem sind einige Entwicklungen zu sehen, die kritische Marktbeobachter stutzig machen. Entwicklungen, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass der Goldpreis seit 2011 von 1.921 Dollar auf 1.180 Dollar abgestürzt ist. Ein Absturz, der zeitweise wie inszeniert wirkte mit enorm hohem Verkaufsdruck von institutionellen Investoren über die Terminbörsen und Gold-ETFs.

Sprott ist überzeugt, dass dahinter vor allem eins steckt: Eine Art konzertierte Rettungsaktion für die US-Währung. Die steckt in der Bredouille: Hohe Staatsschulden, eine schwache Wirtschaft, die auch durch die unendlich vielen Milliarden aus den Quantitative-Easing-Programmen der US-Notenbank Federal Reserve nicht in Schwung kommen mag, tatsächliche Inflationszahlen, die über den offiziellen Statistiken liegen dürften. Viele Dinge lasten auf dem Dollar und mehr und mehr zeichnet sich ab, dass der „Greenback“ an Bedeutung in der Welt verliert. Der US-Dollar ist zwar weiter die Leitwährung der Welt, aber wie lange bleibt er noch in dieser exponierten Stellung?

In dieser kritischen Phase für den Dollar spielt der Goldpreis eine besondere Rolle, glaubt Sprott. Seit jeher gilt der Goldpreis an den Börsen als Gegenspieler des Dollars, sodass die Fed in der jetzigen Situation alles andere gebrauchen kann als eine Goldpreishausse. Eine solche Entwicklung des Edelmetalls würde für massive Zweifel des Marktes am Dollar interpretiert werden und damit ein fatales Signal setzen. „It's the Dollar, stupid“, mag man also zur Goldpreisschwäche sagen.

Wie groß sind die Manipulationen des Goldpreises?

Sprott hat einige gute Gründe und Fakten, die seine Argumentation stützen. Die wichtigsten Fakten kommen von den Export- und Importdaten, die der höchst intransparente Goldmarkt selber liefert. Zuletzt gab es immer wieder Zahlen in den Außenhandelsstatistiken vieler Länder, die offene Fragen zur Herkunft bestimmter Gold-Liefervolumen lassen. Und dann sind da zum Beispiel noch die stockenden Lieferungen an die Bundesbank. Die deutsche Zentralbank will Teile der Goldbestände aus den US-Lagerstätten abziehen. Die Lieferungen der vielen Tonnen Gold geht aber enorm schleppend vonstatten, bildlich könnte man fast sagen, dass die Bestände unzenweise statt barrenweise aus den USA zurück kommen.

Hinzu kommen im Zusammenhang mit den internationalen Goldexporten und -importen merkwürdig gegenläufige Entwicklungen beim Goldpreis und der physischen Nachfrage, insbesondere in Asien. Zählt man hier eins uns eins zusammen, so kann man schnell auf die Idee kommen, dass es vor allem die USA sind, die sich von Goldbeständen trennen, unterstützt dabei vom Markt, der den Trend „mitspielt“. Sprott geht davon aus, dass die hohe asiatische Goldnachfrage von westlichen Notenbanken bedient wird, insbesondere durch die Fed, die hierzu über ausreichend Goldvolumen verfügt, um den Dollar zu stützen. Nun wird es deutlicher: „It's the Dollar, stupid“.

Liegt Sprott mit seiner These richtig, so ist vor allem die Frage: Wie lange kann die USA den Goldmarkt unter Kontrolle halten? Eines ist klar: Geht der Fed die (zugegeben lange) Puste aus und versiegt der physische Goldstrom, könnte es zu einer heftigen Gegenbewegung kommen. Dann wären zudem Shortseller zu Deckungen gezwungen, was einen Goldpreisaufschwung anfachen würde.

Geht den USA das Gold aus?

In den letzten Wochen war bereits zu lesen, dass sich marktbestimmende Institutionelle vorsichtiger bei Gold-Shorts gezeigt oder sogar massiv Edelmetalle wie vor allem Silber, aber auch Gold gekauft haben. Das wäre ein Anzeichen, dass der Umschwung nahe ist. Das glaubt auch Rohstoff-Insider Sprott
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Interessant in dem Zusammenhang sind zudem die jüngsten Nachrichten zu Ermittlungen und Gerichtsverfahren rund um den Goldmarkt. Die BAFin hat die Manipulationen am Goldmarkt als größer als beim LIBOR-Skandal bezeichnet, was eine deutliche Aussage und einen klaren Fingerzeig auf das Ausmaß der Marktverzerrungen zu Ungunsten des Goldpreises darstellt. In New York rollt wohl eine Klagewelle auf die Banken zu, die sich mit dem Goldpreisfixing beschäftigen – lange hat dazu auch die Deutsche Bank gehört, zugleich eine der Hauptbeschuldigten bei anderen Manipulationsskandalen der letzten Zeit. Dass die Klagewelle möglicherweise spannende Einblicke in den hermetisch abgeschlossenen und intransparenten Goldmarkt geben könnte, ist eine gern gesehene „Nebenwirkung“.

Es winken also spannende Zeiten beim Goldpreis, der sich in den vergangenen Wochen an einer Bodenbildung oberhalb von 1.180/1.182 Dollar versucht. Wann genau der Goldpreis wieder auf Rallyetour geht, hängt allerdings von vielen Faktoren ab – auch davon, wie sich die Hausse am Aktienmarkt weiter entwickelt. Hier gibt es bislang keine zwingenden Anzeichen, dass es zu einem Trendwechsel kommt, wenngleich Indizien und warnende Vorzeichen bereits zu sehen sind. Sprott glaubt allerdings, dass binnen 24 Monaten die Kurse am Aktienmarkt deutlich gefallen sein werden. Das könnte wiederum positiv für Gold sein, seit 2011 haben sich Aktienkurse und Goldpreis klar gegeneinander bewegt.

Platin und Palladium: Sprott sieht überzeugende Story

Im Zusammenhang mit aktuellen Krisen wie zum Beispiel in der Ukraine glaubt Sprott nicht, dass sich diese nachhaltig positiv auf den Goldpreis auswirken werden. Der Experte setzt lieber auf die tiefen fundamentalen Trends bei der Nachfrage und dem durch die Notenbanken, vor allem der Fed, „hochgetunten“ Goldangebot. Allerdings könnte sich die Krise in der Ukraine auf zwei andere Metalle preistreibend auswirken: Platin und Palladium.

Die Bodenschätze sind vor allem in der Automobilindustrie im Einsatz, man benötigt sie im Katalysatorenbau. Russland ist einer der zwei Top-Lieferanten weltweit und von Sanktionen bedroht. Der zweite weltweite Top-Lieferant ist Südafrika – und hier wird die Förderung schon länger bestreikt. Die Story sei hier so überzeugend wie nirgendwo anders, sagt Sprott, der erstaunt ist, dass die Preise der beiden Metalle nicht viel stärker in die Höhe geschossen sind.