In der letzten Silberanalyse vor knapp 4 Wochen hatte ich Ihnen meine Skepsis und Zurückhaltung dargelegt und erläutert. Tatsächlich notiert Silber knapp 0,70US$ niedriger. Allerdings rutschte der Silberpreis doch ein gutes Stück tiefer als erwartet. Dabei wurde auch die Serie von höheren Tiefs seit Juni 2013 beendet, denn erst bei 18,68US$ wurde letzte Woche ein Tiefpunkt markiert.

Die am 1.Mai gestartete Erholung ließ sich mit einem schnellen Anstieg auf 19,71US$ vielversprechend an, muss aber nach den deutlichen Kursverlusten am Mittwoch dieser Woche doch wieder in Frage gestellt werden.

Übergeordnet läuft der Silberpreis seit mittlerweile fast 3 Jahren in einen bullischen Keil hinein. Gleichzeitig drehte Silber seit Ende Juni 2013 immer wieder an der Unterstützungszone zwischen 18,17US$ und 18,75US$ nach oben. Die dadurch entstandene waagrechte Unterstützungslinie ergibt zusammen mit dem mehrjährigen Abwärtstrend ein Dreieck, in welches die Kurse nun schon sehr weit hineingelaufen sind. Insgesamt fehlt es auf allen Zeitebenen an einer klaren Richtung, allerdings deutet sich zunehmend an, dass in Kürze Bewegung in den Silbermarkt kommen dürfte. Noch können die Bären jede Gold- und Silberpreiserholung wieder zurückdrängen. Deutlich tiefere Preise bekommen sie dabei aber nicht zustande. Letztlich also eine verwirrende Seitwärtsphase, welche schon öfters im Frühling zu beobachten war.

Silber präsentiert sich dabei weiterhin als das schwächste, aber damit eben mittelfristig auch als das chancenreichste, der vier Edelmetalle. Auf dem Tageschart verlaufen sowohl die 50-Tagelinie (20,14US$) also auch die 200-Tagelinie (20,83US$) klar und deutlich oberhalb des aktuellen Preisgeschehens. Im Gegensatz zum Goldpreis liegt auch weiterhin kein „Golden Cross“ der beiden Durchschnitte vor. Zudem konnte der mehrjährige Abwärtstrend (aktuell ca. 20,10US$) noch nicht überwunden werden.
Lustlos und ohne klares Signal reflektiert der „MACD“-Indikator die aktuelle Seitwärtsphase recht eindeutig. Beim „Slow Stochastic“ Indikator finden sich immer hin positive Divergenzen, denn die letzten Tiefs wurden vom Indikator nicht mehr nachvollzogen.

Die breite Unterstützungszone zwischen 19,20US$ und 18,20US$ muss unbedingt halten, sonst könnte Silber sogar noch bis 14,65US$ weiter fallen. Aktuell deutet aber nichts auf dieses „worst case“ Szenario hin.

Vielmehr halte ich einen Ausbruch aus dem Keil nach oben bis zum Sommer für wahrscheinlich. Vor allem die seitwärts laufenden Bollinger Bänder (oben 20,05US$, unten 19,04US$) definieren bis auf weiteres das Spielfeld für den Silberpreis.

Nachdem die kommerziellen Händler ihre Netto-Shortposition auf den Silberkontrakt an der COMEX seit Mitte März kontinuierlich in die fallenden Kurse hinein reduziert hatten, wurde in der letzten Woche ein leichter Anstieg vermeldet. Das bedeutet zwar noch nicht die Trendwende, aber im langfristigen Vergleich sind die kumulierten 23.356 Kontrakte weiterhin sehr gering. Am Hoch im Mai 2011 lag die Zahl oberhalb von 60.000 Kontrakten! Grundsätzlich gibt dieser Analysebaustein daher mittelfristig grünes Licht für einen Anstieg der Silberpreise. Eine ideale Engstelle wie im letzten Juni (damals weniger als 5.000 leerverkauften Kontrakte) liegt aber derzeit sicherlich nicht vor.

Alle Sentimentdaten zeichneten aus antizyklischer Sicht zuletzt ein durchaus günstiges Bild. Die Stimmung ist schlecht und die meisten Marktteilnehmer machen mittlerweile einen Bogen um die Edelmetalle. Die 57,8% Bären in der letzten Kitco Umfrage sind extrem und erhöhen die Chance, dass der Goldpreis den Boden der seit März laufenden Korrektur in der vorletzten Woche bei knapp 1.270,00US$ tatsächlich gesehen haben dürfte.

Wie zuletzt immer wieder geschrieben, sind die Monate Mai und Juni statistisch betrachtet ziemlich ungünstig für die Edelmetalle. In der Regel gab es meistens eine ordentlich Korrektur, die den Boden für eine nachhaltige Sommerrally ab Mitte/Ende Juni bereitete.

Nun sind in diesem Jahr die Edelmetallpreise jedoch bereits seit Mitte März auf dem Rückzug. Die letzten drei Wochen scheinen eher eine Bodenbildung gewesen zu sein und Gold konnte heute vor einer Woche den Abwärtstrend nach oben aufbrechen. Insofern muss das saisonale Muster in diesem Jahr nicht unbedingt greifen.

Bei der Auswertung der letzten Jahre ist mir zudem aufgefallen, dass noch kein einziges Mal das Tief vor der Sommerrally in zwei aufeinanderfolgenden Jahren im gleichen Monat stattfand. Da 2013 das Tief Ende Juni erreicht wurde, ist die Wahrscheinlichkeit für ein Juni-Tief sehr gering. Vielmehr erscheint mir konträr zur Statistik dieses Jahr ein Anstieg (vor allem beim Goldpreis) bis Mitte/Ende Juni möglich. Die typische Frühsommerkorrektur könnte daher erst im Juli stattfinden.