Was ist ihre erste Assoziation mit Peru? Die Panflöte spielenden Indios in Ihrer Fußgängerzone, die CD’s verkaufen wollen? Die Ruinen von Machu Pucciu? Die legendären Goldschätze der Inka?

Peru liegt als Anden-Anrainerstaat an der Westküste Südamerikas und wird damit von dem sogenannten „Ring of Fire“, einer geologisch höchst aktiven Zone rund um den Pazifik durchzogen. Die Voraussetzungen in diesem Land zahlreiche Bodenschätze zu finden sind also sehr gut. Dies hat sicherlich schon im Mittelalter zum Aufstieg des Inkareiches zu einem der mächtigsten Kulturen seiner Zeit geführt. Nach der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 durch Kolumbus und angetrieben von den ersten Gold- und Silberfunden in den nachfolgenden Expeditionen, begannen die Spanier im frühen 16. Jahrhundert damit, größere Teile Mittel- und Südamerikas unter ihre Kontrolle zu bringen. Die großen Gold- und Silberschätze, mit welchen die Spanier ihre Kolonialpolitik und Eroberung des Kontinents finanzierten, waren dabei sicherlich ein Schlüssel beim Aufstieg Spaniens zur führenden Weltmacht.

Nach der Eroberung Mexikos zwischen 1519 und 1521, welche der spanischen Kolonialmacht großen Reichtum brachte, folgte die Eroberung des Inka Reiches. Getrieben von der Gier nach Gold und Silber, sowie nach Macht, gelang somit ein weiterer Meilenstein um den Einfluss auf dem neuen Kontinent auszudehnen.

Technologisch waren die Spanier den Inkas zwar deutlich überlegen, aber allein aufgrund ihrer zahlenmäßigen Übermacht waren die Indios klar im Vorteil. Wie konnte sich eine kleine Explorationstruppe mit im Kern nur ca. 200 spanischen Söldnern unter der Führung von Francisco Pizarro gegen ein Heer von ca. 30.000 Inka-Kriegern durchsetzen? Es begann mit einer gewaltigen Provokation seitens der Spanier. Die Spanier schlugen ein Treffen mit dem Inka-König Atahualpa vor. Dabei forderten ihn auf, die spanische Herrschaft anzuerkennen und zum christlichen Glauben überzutreten. Dabei lockten Sie den König der Inka und seinen Stab in einen Hinterhalt, wobei es gelang ihnen, Atahualpa festzusetzen.

Obwohl der König gefangen in einer Zelle saß, hatte er immer noch die Befehlsgewalt über seine Armee und sein Volk. Die große Gier der Konquistadoren nach Gold erkennend, machte Atahualpa ein verhängnisvolles Angebot. Er schlug den Spaniern vor, sich freizukaufen. Seine Untertanen sollten dafür seine Gefängniszelle bis zu der Höhe mit Gold füllen, die er selbst mit der Hand auf Zehenspitzen erreichte. Als Francisco Pizarro überrascht zögerte, bot ihm Atahualpa noch zwei weitere Räume voller Silber an. Schließlich willigte Pizarro ein. Darüber hinaus erhielten die Spanier die Erlaubnis, sich frei im Land bewegen zu können und überall das benötigte Gold einzufordern. Dadurch wurde die Gier der Eroberer nach Gold und Silber noch weiter befeuert.

Trotz dieser Zugeständnisse ließ Pizarro Atahualpa nicht frei, sondern ließ ihn zum Tode verurteilen. Nach dem Tod Atahualpas übernahmen die Spanier die Macht im Inkareich und gründeten die Stadt Lima als neue Hauptstadt des Vizekönigreiches Peru. Ferner wurden die Indios gezwungen, zum Christentum zu konvertieren und Zwangsarbeit in den Silberminen zu leisten. Erst knapp 300 Jahre später (1821) gelang die Unabhängigkeit von Spanien. Lima ist noch heute die Hauptstadt und mit Abstand größte Stadt Perus, hier leben etwa ein Viertel der ca. 30 Millionen Einwohner des Landes.

Knapp 500 Jahre später sind diese Gräueltaten zwar noch nicht ganz vergessen, aber inzwischen sind Ausländische Investoren, die in friedlicher Absicht kommen, wieder willkommen. Man hat erkannt, dass die Wirtschaft Perus von ausländischem Know-how und ausländischen Investoren profitiert. Dabei ist der Ausblick auf lukrative Funde an Edel- und Industriemetallen weiterhin der größte Treiber ausländischer Investitionen. Peru verfügt über die größten Silber-Reserven der Welt, nach Chile über die zweitgrößten Kupfer-Reserven und auch bei Gold, Zink, Blei und Zinn gehören die Reserven jeweils zu den Top-Ten weltweit.

In der jüngsten Vergangenheit sorgte der Bergbau in Peru durch die Verhandlungen von Glencore mit der chinesischen MMG über das gigantische „Las Bambas“ Projekt für Schlagzeilen. Las Bambas ist ein Kupferprojekt mit einer geplanten jährlichen Kapazität von bis zu 450.000t Kupfer. Damit gehört diese Projekt zu den größten Projekt, die in den nächsten Jahren in Produktion gehen sollen. Der Verkauf ist eine Auflage der chinesischen Kartellbehörden im Rahmen der Fusion von Glencore und Xstrata, damit der neue Großkonzern im Kupfersektor nicht zu mächtig wird. Der Kaufpreis von Las Bambas wird auf mindestens 5 Mrd. USD beziffert, wobei Glencore bereits 1,7Mrd USD in die Entwicklung des Projekts gesteckt hat, welches bereits im Frühjahr 2015 in Produktion gehen könnte.

Aber nicht nur das Las Bambas Projekt, sondern zahlreiche weitere Neuprojekte sollen helfen, die jährliche Kupferproduktion von 1,3 Millionen Tonne in 2012 auf 2,8 Millionen Tonnen bis 2016 zu erhöhen. Was macht Peru in der jüngsten Vergangenheit zum attraktivsten Ziel für Bergbaukonzerne und Explorer in Südamerika? Peru ist eine der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften in Lateinamerika. Für 2014 ist ein Wirtschaftswachstum von ca. 6% vorhergesagt, bei einer erwarteten Inflation von ca. 2,5% und einer Staatsverschuldung von nur ca 23% des Bruttosozialproduktes. 2013 gelang Peru als einzigem Staat in Südamerika ein positiver Haushaltssaldo. Die Infrastruktur ist vergleichsweise gut, besonders die für den Bergbau wichtige Versorgung mit Energie und Wasser. Die Regierung fördert die Investitionen in den Bergbau, in dem sie ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren geschaffen hat, bei Konflikten mit lokalen Interessengruppen vermittelt und einen stabilen gesetzlichen Rahmen geschaffen hat, der ausländischen Investoren weder durch unklare Eigentumsverhältnisse noch durch überhöhte Steuern abschreckt. Und ohne ausländische Investoren und fremdes Kapital sind die ehrgeizigen Expansionspläne des peruanischen Bergbaus auch kurzfristig nicht umsetzbar.

In den letzten beiden Jahren haben sich beispielsweise die ausländischen Direktinvestitionen in Peru von 8,2 Mrd USD auf 16 Mrd. USD quasi verdoppelt. Peru weist eine positive Außenhandelsbilanz auf, Exporten von ca. 27 Mrd. USD stehen Importe in Höhe von ca. 21 Mrd USD gegenüber. Auf den Bergbau entfällt dabei der Löwenanteil der Investitionen, aber auch der Exporterlöse. Der Bergbau ist der größte Wirtschaftsfaktor des Landes, 60% der Exporterlöse und über 20% der Steuererlöse stammen aus diesem Segment. Mehr als ein Zehntel der Bevölkerung ist direkt oder indirekt im Bergbau beschäftigt, mit den geplanten neuen Minen und Erweiterungen bestehender Minen dürfte sich dieser Anteil noch vergrößern. Arbeitskräfte in Peru sind relativ preisgünstig (beispielsweise auch im Vergleich zum direkten Nachbarn Chile), die Rahmenbedingungen exzellent. Trotz der in den letzten zwei Jahren rückläufigen Preise für Industrie- und Edelmetalle kam es zu keinem signifikanten Einbruch der Investitionen in Peru, lediglich der Anstieg an Investitionen fiel etwas verhaltener aus als ursprünglich geplant.

Die Kombination aus bestehenden Minen, vergleichsweise hohen Ausgaben für Exploration und Erweiterung bestehender Projekte, sowie die positiven Rahmenbedingungen geben Grund zur Hoffnung, dass Peru auch weiterhin zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften Südamerikas gehören wird. Die Weichen für eine positive Zukunft sind jedenfalls gestellt…

Ihr Manuel Giesen