Aluminium ist in vielen Produktionsprozessen in der Wirtschaft tief verwurzelt. Die Nutzung des Metalls ist so breit über viele verschiedene Branchen hinweg, dass es als ein inoffizielles Konjunkturbarometer gilt. Von besonderem Interesse sind zum Beispiel immer die Zahlen des US-Aluminiumproduzenten Alcoa (ISIN: US0138171014), der traditionell die Quartalszahlenzeit in den USA eröffnet und erste Fingerzeige gibt, was da wohl von anderen zu erwarten ist.

Der Daumen dieses Konjunkturbarometers zeigt seit 2011 deutlich nach unten. Der Preis hat seitdem in der Spitze rund 40 Prozent nachgegeben. Ein jüngster Versuch der Trendwende beim Aluminiumpreis scheiterte an der Zone um die 1.800-Dollar-Marke und seit einigen Tagen geht es für das Metall wieder kräftig nach unten. Am Freitag pendelt der Preis um 1.731/1.748 Dollar und liegt damit nicht weit vom Mehrjahrestief bei 1.694 Dollar entfernt – das Niveau hat der Rohstoff erst Anfang Februar dieses Jahres erreicht.

Steigt der Aluminiumpreis?

Es ist vor dem Hintergrund der Krim-Krise und der schwächer als erwartet laufenden chinesischen Wirtschaft fraglich, ob Norsk Hydro (ISIN: NO0005052605) mit der jüngst abgegebenen Preisprognose richtig liegen wird. Die Norweger setzen auf steigende Aluminiumpreise, weil die Aluminiumnachfrage sich stärker als das Angebot entwickeln werde. Es sei aber schwer zu prognostizieren, ob dies auch an den Marktpreisen oder „nur“ an den Aufpreisen für Aluminiumbarren zu sehen sein wird, so die Skandinavier.

Andere Branchenvertreter sind da pessimistischer für den Preis des Metalls. Der australisch-britische Branchenriese BHP Billiton (ISIN: AU000000BHP4) sorgt sich unter anderem um die hohen Lagerbestände des Metalls und derzeit brach liegende Produktionskapazitäten in der Branche. Diese beiden Faktoren haben das Zeug dazu, jeden durchgreifenden Preisanstieg zu verhindern. Klettert der Aluminiumpreis deutlicher, würde hier neues Material auf den Markt kommen und den Preis so wieder drücken.

China könnte defizitären Aluminiumproduzenten den Kredithahn abdrehen

Tatsächlich sind die Kapazitäten in der Aluminiumbranche ein möglicher Schlüsselfaktor. So plant zum Beispiel Aserbaidschan ab dem kommenden Jahr einen höheren Ausstoß des Metalls. An anderer Stelle dagegen bemüht man sich in der Branche, Kapazitäten vom Markt zu bekommen. So schließt Alcoa in Australien den Standort Point Henry, da man nach einer zweijährigen Prüfphase keine Chance mehr sieht, die Schmelze wirtschaftlich betreiben zu können.

Ähnliche Probleme gibt es in China. Dort vorhandene Überkapazitäten in der Aluminiumproduktion sind ein enormer Belastungsfaktor für den Markt. Faktisch werden diese Produzenten nur noch durch immer neue Kredite am Leben gehalten. Und hier könnte es eine interessante Entwicklung geben: Offenbar plant Chinas Regierung, die Kreditengagements der Banken in Sektoren zu überprüfen, die dauerhaft defizitäre Produktionskapazitäten aufweisen – neben dem Aluminiumsektor ist dies unter anderem auch die Stahl- und stahlverarbeitende Industrie. Hinter den Prüfungen könnte der Wille der Politiker stecken, die Kreditflüsse an Unternehmen, die dauerhaft defizitär sind, zu kappen. Kommt es dazu, könnten schneller als erwartet größere Kapazitäten beim weltweiten Aluminiumangebot verschwinden. Für den Preis des Metalls und auch die Rentabilität der anderen Produzenten wäre das dann sicherlich ein positiver Faktor.