Auch wenn jüngsten Umfragen zufolge viele US-Amerikaner nicht an die Evolutionstheorie glauben, so kann man diese doch als ziemlich gesichertes wissenschaftliches Fundament ansehen. Im Laufe der Jahrmillionen haben sich in der Welt der Lebewesen erstaunliche Dinge ereignet. Menschen haben sich entwickelt, prähistorische Vorfahren der Blauwale sollen einmal so groß wie Wölfe gewesen sein und mancher Wissenschaftler sieht Ratten eines Tages so groß wie Schafe.

Was das alles mit der Rohstoffwirtschaft zu tun hat? Einiges. „Think big“ war jahrelang in der Branche die einzig wahre Unternehmensstrategie und wird es, wenn die Krise erst einmal vorbei ist, wieder sein. Und die Technologie hat immense Fortschritte gemacht, so wie die Evolution. Technischer Fortschritt hat Dinge möglich gemacht, die vor einigen Generationen oder wenigen Jahrhunderten gerade mal Träume einiger „Verrückter“ waren, falls man überhaupt schon an sie dachte.

Auch in Zukunft werden Wissenschaft und technische Entwicklung Dinge ermöglichen, die heute noch als unmöglich gelten, als zu risikoreich oder nicht realisierbar. Nicht alles, wovon man träumt, wird sich realisieren lassen. Bei anderen Herausforderungen scheinen die technischen Hürden aber nicht unüberwindbar, egal wie absurd sich der Gedanke zurzeit anhören mag. Beim Rohstoffsektor denkt man da unweigerlich an den Tiefsee-Bergbau. Damit ist nicht das gemeint, was außerhalb des Öl- und Gassektors hier und da in geringen Meerestiefen bereits abläuft. Gemeint ist der Abbau von Bodenschätzen in vielen tausend Meter tiefen ozeanischen Regionen.

Der Bund mischt beim Tiefsee-Bergbau kräftig mit

Längst laufen Projekte, Forschungen, Überlegungen, wie man solche Vorhaben wohl realisieren kann. Selbst die Bundesregierung mischt bei dem Thema mit, genauer gesagt die beauftragte Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe – und das schon seit Jahren. Seit 2006 zum Beispiel läuft ein Projekt in einem bundesdeutschen Lizenzgebiet im Nordatlantik, wo man den Abbau polymetallischer Knollen erforscht. Bis 2021 soll das Programm laufen, das, wenn es gut geht, die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Rohstoffen wie Mangan, Kupfer, Nickel und Kobalt sichern soll. Die Aktivitäten werden ausgedehnt, so will die Bundesanstalt eine weitere Lizenz beantragen, diesmal im Indischen Ozean vor Madagaskar.

Viele Branchen, Unternehmen und damit Arbeitsplätze hängen davon ab, dass Rohstoffe zu erschwinglichen Preisen in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Nicht nur in Deutschland steht der Tiefsee-Bergbau daher im Blickpunkt. Angesichts des Kampfes um die knapper und wichtiger werdenden kritischen Bodenschätze ist es nicht erstaunlich, dass man sich weltweit mit alternativen Abbau- und Gewinnungswegen beschäftigt. Monopolstellungen einzelner Förderer wie zum Beispiel China im Bereich der Seltenen Erden verstärken diesen Trend nach Unabhängigkeit.

2014 wird es bei diversen Konferenzen um das Thema Tiefsee-Bergbau gehen, unter anderem Ende März auf dem Seabed Mining Summit in London sowie auf der Rare Earths North America im Juni in New York – es ist ein Thema, das in den kommenden Jahren im Rohstoffsektor für Furore sorgen könnte, trotz aller Herausforderungen für die Ingenieure und des knappen Kapitals, das für Investitionen zur Verfügung steht.