Die Charttechnik ist sicherlich nur einer von vielen Faktoren, nach denen man ein Investment ausrichten sollte. Doch gerade in hoch komplizierten Bereichen des Finanzmarktes wie zum Beispiel beim Gold bietet sie eine sehr gute Orientierung. Deswegen ist ein Blick auf den Goldpreischart immer wieder interessant – gerade jetzt ganz besonders.

Zwei Dinge lassen sich festhalten: Zum einen hat die Feinunze des Edelmetalls ganz klar und deutlich die Unterstützung bei 1.180/1.182 Dollar bestätigt. Es ist eine mächtige Phalanx gegen die Bären, die sich hier mittlerweile findet. Zudem hat der Goldpreis gerade diverse wichtige charttechnische Hindernisse überwunden, unter anderem bei 1.251 Dollar sowie um 1.261/1.267 Dollar. Das hat den Ausblick für den begehrten Rohstoff enorm verbessert. Eine neue Kursrallye scheint möglich.

Goldpreisanstieg hat viele Gründe

Tatsächlich ist die jüngste Aufwärtsbewegung des Goldpreises von 1.182,53 Dollar bis knapp unter die 1.300er-Marke die längste Aufwärtsbewegung seit einigen Monaten für das Edelmetall. Am Markt führt man dies unter anderem auf Äußerungen aus der US-Notenbank zurück. Die neue Fed-Chefin Janet Yellen ist mit der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt längst noch nicht zufrieden. Die Aussagen signalisieren eine weiter expansive Notenbankpolitik, sodass die Fed keine große Eile beim „Tapering“ haben dürfte, glaubt man am Markt. Das ist Treibstoff für den Goldpreis.

Hinzu kommen die jüngsten Turbulenzen um die Emerging Markets. Im Blickpunkt der Öffentlichkeit standen dabei unter anderem die Türkei und die dortigen politischen Unruhen sowie die Schwäche der Türkischen Lira. Doch nicht nur am Bosporus gibt es reichlich Probleme, auch andere Staaten aus der Gruppe der Emerging Markets kämpfen mit Kapitalabflüssen, ihren Währungen und anderen Problemen. Dies hat den Goldpreis zuletzt ebenfalls unterstützt.

Sitzen die Gold-Bären schon in der charttechnischen Falle?

Doch das sind bei Weitem nicht die einzigen beiden Gründe, die für steigende Goldpreise sprechen. Dass die Nachfrage nach dem Rohstoff vor allem aus China weiter enorm ist, wurde an dieser Stelle schon oft thematisiert. Der Goldmarkt ist eng, vor allem mit Blick auf die enormen Handelsvolumina, die an den Terminbörsen notiert werden. Für „Gold-Shorties“ kann der rettende Ausgang ganz schnell viel zu klein werden, wenn der Feinunzenpreis anspringt. Ein Short-Squeeze wäre die Folge.

Bären gibt es jedenfalls genug. Mit Goldman Sachs und Morgan Stanley haben im Januar erst zwei „big guys“ vom US-amerikanischen Finanzmarkt mit markigen Worten vor einem weiteren Goldpreisverfall gewarnt. Morgan Stanley ist mit einem auf 1.160 Dollar gesenkten Kursziel für den Goldpreis noch der optimistischere der beide Pessimisten. Goldman Sachs prophezeit 1.050 Dollar. Vielleicht sitzen die Bären aber bereits in der Squeeze-Falle, ohne es zu ahnen. Klettert der Goldpreis weiter, wird diese Falle irgendwann zuschnappen.