Kanada: Die "First Nations" wehren sich

Kanadas Politiker haben in diesen Tagen ein großes Problem: Ihr Verhältnis zu den "First Nations". Die Ureinwohner Kanadas fühlen sich derzeit häufig nicht von den Volksvertretern ernst genommen und ihrer Rechte beschnitten. Dabei geht es um ihr Land sowie das Verhalten von Politikern und Rohstoffkonzernen. Premierminister Stephen Harper will einen Wachstumsschub für die kanadische Wirtschaft erzielen, dabei setzt er vor allem auf Rohstoffe. Das nördliche Ontario mit seinen vielen Bodenschätzen, Alberta mit den Ölvorkommen und die Gaslager von British Columbia stehen bei seinem Programm im Fokus. Allein im nördlichen Ontario vermutet man Rohstoffe im Wert von 50 Milliarden Dollar.

Mehrfach hat es in den vergangenen Monaten teils gewaltsame Proteste gegen Explorationsvorhaben gegeben, bei denen sich die "First Nations" gegen die Pläne von Rohstoffkonzernen gewehrt haben. Teils wurden die Bergbaupläne in der Folge zu Grabe getragen, teils hat ein Gericht zugunsten der Unternehmen entschieden.

Doch die kanadischen Ureinwohner haben einen starken Rückhalt. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs von 2004 stärkt ihre Rechte gegenüber Rohstoffprojekten. Dort wird klar gemacht, dass man die "First Nations" zuerst befragen muss, wenn es um Projekte auf ihrem Areal geht. Man muss sie in die Planungen einbeziehen, sie haben jedoch kein absolutes Vetorecht. Mindestens sechs Großprojekte sind in der Folge am Widerstand der lokalen Bevölkerung gescheitert.

Dabei sprechen die "First Nations" nicht mit einer Stimme. Man kann sie in die Traditionalisten, die alles wie bisher bewahren wollen, sowie in die Progressiven, die Abbauvorhaben genehmigen wollen, wenn sie entsprechend davon partizipieren können, unterscheiden. Einige ehemals führende kanadische Politiker haben sich zu ihren Fürsprechern gemacht und wollen im Einzelfall eine Einigung zwischen den lokalen Stämmen, den Rohstoffgesellschaften und den Politikern herbeiführen. Selbst ein ehemaliger Premierminister des Landes hat sich auf die Seite der Stämme geschlagen.

Etwa jeder 20. Bewohner Kanadas gehört zu den "First Nations". Die Hälfte von ihnen lebt in den Städten, die andere Hälfte wohnt auf dem Land, meist in den rund 600 Reservaten. In vielen Reservaten ist die Arbeitslosigkeitsrate hoch, bis zu 90 Prozent sind keine Ausnahme. Bei den Durchschnittsverdiensten kommen die ersten Einwohner des nordamerikanischen Landes auf ein Drittel der Summe der Gesamtbevölkerung. So ist es erklärlich, dass man so sehr auf seine angestammten Rechte beharrt.

Klar ist, dass sie derzeit in einer starken Position sind. Mit geschickten Verhandlungen können sie vieles für ihre Gemeinden erreichen. Oft werden sie dabei auch von den Provinzregierungen unterstützt, die gleichzeitig sowohl einen lukrativen Bergbau als auch zufriedene Einwohner anstreben. Doch nicht immer gelingt der Dialog zwischen allen Beteiligten.

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