Immer wieder werden beim Goldpreis Ziele genannt, die so hoch liegen, dass sich Experten und Laien fragen, woher dieser Optimismus stammt. Es kursieren Ziele von 3000, 5000 oder gar 10000 USD/Unze. Nachdem der Goldpreis im letzten Jahr die schlechteste Performance in diesem Jahrtausend gezeigt hat, fragt man sich, wie seriös solche Kursziele sind oder woher die jeweiligen Autoren einen solchen Optimismus schöpfen.

Nick Baresheff, der CEO der Bullion Management Group (einem der größten physischen Edelmetall-Händler in Kanada) bleibt trotz des Preisrückgangs bei seiner extrem optimistischen Vorhersage von 10.000 USD/Unze bis zum Jahr 2020.

„Letztes Jahr – ein Jahr, indem der größte Rückgang des Goldpreises in den letzten 32 Jahren zu beobachten war – wurde mein Buch „10 000$ Gold“ veröffentlicht. Das nenne ich Timing.“, sagte Baresheff scherzhaft bei einem Auftritt vor dem „Empire Club of Canada Business“. Aber was er direkt im Anschluss an seine Rede einem vertrauten Kreis beim Mittagessen anmerkte, ließ einige Augenbrauen zucken.

„Ich bin weiterhin zuversichtlich, dass der Aufwärtstrend beim Goldpreis noch intakt ist“. Trotz der düsteren Aussichten unter den Edelmetallanalysten, die einen weiteren Preisrückgang auf 1200$ pro Unze vorhersagen, glaubt der Edelmetallexperte, dass der Goldpreis in diesem Jahr auf 1800$ ansteigt – und dass der Preis pro Unze bis zum Jahr 2020 10.000$ erreichen wird.

Er argumentiert damit, dass die US-Regierung den Goldpreis durch Leerverkäufe (insbesondere von sogenanntem „Papiergold“, also Zertifikaten, die nicht oder zumindest nur teilweise mit physischem Gold unterlegt sind) gedrückt hätte. Da die Nachfrage nach physischem Gold aber weiterhin steigt, glaubt Barisheff daran, dass Gold in 2014 wieder einen Aufwärtstrend zeigt und der Goldpreis sich erholt.

„Da es keinen politischen Willen gibt, um die erhöhte Verschuldung einzudämmen oder Sparmaßnahmen einzuführen, glaube ich, dass der Goldkurs 1800$ übertreffen und 2014 neue Höchststände markieren wird“, merkte Baresheff an.

Der Goldpreis erreichte am 6. September 2011 ein Allzeithoch von 1921,15$ pro Unze, schaffte es jedoch nie über die psychologisch wichtige 2000$ Marke, die damals sehnsüchtig erwartet wurde. Barisheff ist von dem Rückgang des Goldpreises nicht abgeschreckt, er stellt vielmehr da, dass dieser Preisrückgang Investoren jetzt eine der besten Möglichkeiten bietet, physisches Gold als Schnäppchen zu kaufen. „Heutzutage werden viele Investoren dazu verleitet, ihre leistungsschwachen Edelmetallbestände zu verkaufen und den Erlös an die US-Aktien und Staatsanleihen zu investieren. Aber bedenken Sie das alte Sprichwort der alten Wall Street, welches besagt: „Buy low, sell high“, nicht „Sell low, buy high““, warnte er.

Laut Aussage von Baresheff besteht der konservativste Weg den Investmentbestand zu schützen darin, mindestens 10% der gesamten Anlagesumme in Gold zu investieren. Und er stellt fest, dass es physisches Gold, wie z.B. Goldbarren und Goldmünzen sein soll anstelle von „Papiergold“. Die Nachfrage nach „Papiergold“ habe im letzten Jahr extrem nachgelassen, während die Nachfrage für die eigentliche Ware in Asien, insbesondere in China, stieg.

Die Desjardins Financial Group, eine der größten Finanzdienstleister Kanadas, kommt zu einer gänzlich anderen Sicht der Dinge. Desjardin prognostiziert einen Preisrückgang des Goldpreises bis zum Jahr 2017 auf 1350$ pro Unze. Damit wurde die bisherige Prognose von 1500$ pro Unze nochmals reduziert. Ferner revidiert die Firma ihre Langzeitprognose für den Silberpreis um 10% von 27$ auf 24,5$. „Wir haben unsere Preisannahmen für die Edelmetalle auf der Grundlage angepasst, dass die 10 weltgrößten Goldproduzenten ihre Gesamtkosten reduzieren konnten.“

„Wir sehen 2014 weiteren Gegenwind für den Goldpreis, da viele der gegebenen Rahmenbedingungen, die im letzten Jahr zum Preisabfall führten, immer noch vorhanden sind“ (das Phantom der Reduzierung von Anleihekäufen durch die FED, die steigende Verzinsung, die starke Aktienmarktperformance und der Verkauf von Gold-ETF-Betrieben). Gold wird in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als „sicherer Hafen“ gesehen, der Optimismus an den Aktienmärkten sowie eine Belebung der Weltwirtschaft würden dazu führen, dass mehr und mehr Anleger diesen sicheren Hafen verlassen.

Fazit

Ich persönlich glaube, dass die 10.000 USD/Unze von Herrn Baresheff doch eher Wunsch als konkretes Kursziel sind. Dennoch halte ich diese Marke in einem Markt, der wie der Goldmarkt vor allem von der Psychologie der Marktteilnehmer bestimmt wird, nicht für völlig ausgeschlossen. Spätestens dann nicht, wenn der nächste „schwarze Schwan“ im Finanzsystem auftaucht.

Ihr Manuel Giesen