Goldcorp/Osisko: Die Übernahmewelle lässt noch auf sich warten

Das Angebot kommt überraschend, aber das Timing ist alles andere als ungeschickt. 2011 hatte Goldcorp (ISIN: CA3809564097) seinen 10-prozentigen Anteil an Osisko Mining (ISIN: CA6882781009) für mehr als eine halbe Milliarde Dollar verkauft. Nun legt man für rund den fünffachen Betrag ein Kaufgebot für das Zehnfache der Anteile auf den Tisch. Das klingt nach einer klugen Investmententscheidung von Goldcorp im Jahr 2011.

Streiten kann man allerdings über verschiedene andere Fragen, die die Übernahmeofferte aufwirft. Ob Goldcorp zum Zuge kommt, zum Beispiel, und damit in Kanadas Provinz Quebec zum größten Goldförderer der Region avancieren kann, ist noch offen. Osisko und die Börse finden das Angebot zu niedrig und Stimmen sind zu hören, dass Goldcorp nachlegen muss. Der Börsenkurs der Osisko-Aktie liegt bereits über dem offerierten Kaufpreis.

Zweifelhafter ist da schon die Spekulation, dass ein anderer Konzern den kanadischen Branchenriesen überbieten wird. Das liegt schlicht und einfach an der immer noch alles andere als stabilen finanziellen Verfassung vieler Rohstoffkonzerne. Hohe Schulden und gewaltige Abschreibungen haben die Bilanzen belastet, vielfach benötigen andere Baustellen noch größte Aufmerksamkeit des Managements. Und die Zahl der branchenangehörigen Konzerne, die für Osisko schnell eine Gegenofferte zusammen stricken könnten, ist begrenzt.

Das Beispiel zeigt: Zwar könnte der Goldcorp-Osisko-Deal eine Art Eisbrecher bei den nahezu zum Stillstand gekommenen M&A-Aktivitäten in der Goldbranche spielen. Vor einer neuen Welle von Übernahmen und Zusammenschlüssen steht man bei den Goldförderern allerdings nicht – zumindest kurzfristig. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen hat in den Chefetagen der Unternehmen, nicht zuletzt auf Druck der Investoren, ein Umdenken stattgefunden. Man achtet stärker auf Faktoren wie Dividende, Cashflow oder Rendite, statt nach purer Größe zu streben. Zum anderen brauchen viele Konzerne einfach noch Zeit, eben diese Hausaufgaben zu erledigen, die im Management reichlich Kapazitäten binden.

Doch die Zeiten bessern sich wieder. Trotz gesunkener Rohstoffpreise erwarten Analysten in diesem Jahr deutlich bessere Cashflows bei den zehn größten Goldförderern, wie Bloomberg-Daten zeigen. Vor allem Kostenkürzungen sind hier einer der wesentlichen Faktoren für die erwartete Verbesserung der Zahlen. Zieht nun noch der Goldpreis an, könnte sich die Lage weiter verbessern. Hinzu kommt ein Faktor, der am Markt eher wenig Beachtung findet: Die Goldkonzerne müssen wahrscheinlich ihre Reserveschätzungen kürzen, da viele zuvor ausgewiesene Goldvorkommen nicht mehr rentabel abbaubar sind oder die entsprechenden Projekte der Restrukturierungsschere zum Opfer gefallen sind.

Das übt natürlich Druck auf die großen Konzerne aus, dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Abzuwarten bleibt, ob man dabei die Fehler der Vergangenheit wiederholt, oder diesmal selektiver vorgeht. Das Umdenken in den Konzernzentralen dürfte auch die Einsicht gefördert haben, dass längst nicht jede Übernahme Sinn macht. Wer eine Goldmine in Australien betreibt, braucht nicht unbedingt ein zweites Projekt in Südamerika, denn ein "Add-On" beim Wert dürfte eine solche Transaktion nicht generieren. Welche Synergien die Manager mit Übernahmen zu heben gedenken, wird daher eine der wichtigsten Fragen sein, die die Verantwortlichen bei zukünftigen Deals beantworten müssen. Insofern könnte der Goldcorp-Osisko-Deal mit den nachbarschaftlichen Aktivitäten der beiden Gesellschaften in Quebec nicht nur ein Eisbrecher, sondern auch richtungsweisend für weitere Deals sein.

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