John Llodra ist Partner bei der New Harbor Financial Group und bringt laut einem Bloomberg-Bericht einen interessanten Bewertungsvergleich für Goldminenaktien ins Spiel. Im Fokus stehen dabei der Aktienindex Philadelphia Gold and Silver Index (XAU), der die wichtigsten börsennotierten Unternehmen der Gold- und Silberbranche umfasst, sowie der Feinunzenpreis selbst. Gestern beendete der XAU den Handel mit knapp 89 Punkten, während der Goldpreis pro Feinunze zurzeit bei knapp 1.238 Dollar steht.

Llodra setzt beide zueinander ins Verhältnis. Mit anderen Worten: Eine Goldunze ist fast 14 mal der XAU, bzw. ein XAU steht für 0,07 Feinunzen Gold. Schaut man auf Vergleichszahlen der letzten Jahrzehnte, so offenbart sich, dass eine wesentlich höhere Zahl als die 0,07 normal ist, fast das Dreifache sogar. Llodra sieht vor diesem Hintergrund die Goldminenaktien im Vergleich zum Goldpreis unterbewertet. Schaut man sich die Relationen zwischen dem „normalen“ Bewertungsverhältnis und dem aktuellen Bewertungsverhältnis an, sind sie sogar deutlich unterbewertet.

Bewertungsvergleich: XAU vs. Goldpreis

Die Situation kann sich nur auf zwei Wegen wieder auf „Normalmaß“ zurück bewegen: Entweder steigen Goldminenaktien nun wieder stärker als der Goldpreis, oder der Goldpreis fällt stärker zurück als die Goldminenaktien. Letzteres zumindest wäre tendenziell eher ungewöhnlich, denn allgemein gelten die Aktien der Edelmetallkonzerne als Werte, die sich stärker als ihre Benchmark bewegen – und in diesem Fall ist der Goldpreis der Vergleichsmaßstab. Selbst wenn Gold noch einmal deutliche Verluste erleidet, wären Goldminenaktien vergleichsweise attraktiv, so Llondra.

Einiges spricht dafür, dass die erste der beiden genannten Varianten zukünftig zum Tragen kommt. Die Stimmung für Gold und Edelmetallaktien ist völlig im Keller, obwohl sich die Minenkonzerne längst schlanker aufgestellt und Kosten gekürzt haben. Charttechnisch könnte der XAU in einem breiteren Band oberhalb von 79,73 Punkten, dem kurz vor Weihnachten erreichten Tief, einen tragfähigen Boden erreicht haben. Der Anstieg über charttechnische Hürden zwischen 86,54 Punkten und 88,30 Punkten hat erste kleinere Kaufsignale gesetzt, ist aber noch keine übergeordnete Trendwende für den Index. Hierzu müsste das sehr schwankungsfreudige Marktbarometer den breiten Hindernisbereich um 110/115 Punkte überwinden. Beim Goldpreis selbst lassen sich oberhalb von 1.180/1.182 Dollar ebenfalls Tendenzen für einen möglichen Doppelboden und damit erste Anzeichen einer Trendwendeformation ablesen. Hier ist die Formation aber ebenfalls noch nicht vollendet.

Profis setzen auf Aktien-Outperformance

Wer konsequent ist und in den Goldsektor investieren will, müsste aufgrund dieser Unterbewertung demzufolge auf die wesentlich volatileren und risikoreicheren Goldaktien setzen, statt Gold selbst zu kaufen. Ein Trend, der sich scheinbar in der Praxis ablesen lässt. Bloomberg-Autor Lewis Braham weist auf steigende Assetzahlen bei Goldminenaktien-ETFs hin, während die Aktienkurse gefallen waren – ein Zeichen von Mittelzuflüssen seitens der Investoren, die damit auf eine bessere Performance der Aktien im Vergleich zu ihrer Benchmark setzen. Angesichts der Erfahrungen mit Goldaktien in Zeiten steigender Feinunzenpreise ist diese Erwartung auch gar nicht weit hergeholt.