Der Stahlsektor produziert derzeit einige Rekorddaten. So zum Beispiel Rio Tinto (ISIN: AU000000RIO1). Der anglo-australische Rohstoffkonzern ist einer der wichtigsten Eisenerzproduzenten und hat 2013 so viel gefördert wie nie zuvor. 259 Millionen Tonnen des Stahl-Rohstoffes wurden ausgeliefert, 266 Millionen Tonnen wurden gefördert. Beide Zahlen liegen rund 5 Prozent höher als im Jahr 2012.

Dass Rio Tinto so viel ausliefern kann, liegt vor allem an China. Es gibt nur noch wenige Tonnen Eisenerz, die über die Weltmeere geschifft werden, die nicht am Ende ihrer Reise in China zu Stahl weiterverarbeitet und verbraucht werden. Rund drei Viertel des verschifften Volumens geht nach China. Der asiatische Boomstaat saugt das international verfügbare Eisenerz auf wie ein Staubsauger die Krümel vom Frühstücksbrötchen vom Boden. Dahinter steht nicht nur der Boom in der chinesischen Stahlproduktion, sondern auch die mangelhafte Qualität des Eisenerzes, das in dem asiatischen Land gefördert wird.

Zwiespältiges Marktumfeld

Hiervon profitieren andere: Der Eisenerz-Hauptlieferant der Chinesen ist Australien, das Land ist zugleich einer der wichtigsten Standorte (unter anderem) von Rio Tinto. Der international tätige Rohstoffriese setzt weiter auf den Boom in dem Land, wo der Stahl vor allem für die expandierenden Städte und den Ausbau der Infrastruktur gebraucht wird. Die Experten des australischen Bureau of Resources and Energy Economics rechnen damit, dass China 2014 rund 7,4 Prozent mehr Eisenerz importieren wird, vor allem aus Ländern wie Australien und Brasilien aber auch vom afrikanischen Kontinent.

Das klingt auf den ersten Blick fast wie ein Paradies für die Eisenerzförderer. Doch der Scheint trügt, denn tatsächlich ist der Markt höchst problematisch. Experten rechnen damit, dass das laufende Jahr für die Eisenerzkonzerne Belastungen bringen wird. Hauptfaktor ist dabei, wie könnte es anders sein, China. In dem Land wird eine Abschwächung der Stahlkonjunktur befürchtet, Überkapazitäten drücken und die Regierung des Landes will nicht mehr länger ihre schützende Hand über Staatsunternehmen halten, die finanziell in Schieflage sind – das wird auch den Stahlsektor betreffen, glaubt Janus-Asienfondsmanager Hiroshi Yoh. Die Effekte könnten sich für Rio Tinto & Co. allerdings abschwächen, da die Asiaten weiterhin verstärkt Eisenerz aus dem Ausland dem einheimischen Erz, meist von geringerer Qualität, vorziehen dürften.

Preisdruck bei Eisenerz zu erwarten

Doch auch die Produzenten selbst sorgen für ein problematischeres Marktumfeld. Im Vertrauen auf den riesigen chinesischen Boom wurden viele Bergwerksprojekte in Angriff genommen, mit denen man dem erwarteten Nachfragewachstum aus der chinesischen Wirtschaft Herr werden wollte. Doch die Bergbaubranche war zu euphorisch und so könnten Eisenerz-Förderkapazitäten, die nun nach und nach auf den Markt gelangen, die Preise belasten. Neue Projekte unter anderem von BHP Billiton (ISIN: AU000000BHP4), Fortescue Metals (ISIN: AU000000FMG4) und Rio Tinto stehen vor dem Produktionsstart. So ist in diesem Jahr mit einem Sprung bei den Angebotsmengen vor allem aus Australien und Brasilien zu rechnen.