Kolumne von Florian Grummes

Chartanalyse pro aurum: Goldpreis steht weiterhin unter Druck

Sah es bis Anfang November noch nach einer fortgeschrittenen Bodenbildung bei den Edelmetallen aus, so hat sich die Lage zuletzt doch wieder deutlich verschlechtert. Vor zwei Wochen ging bereits die wichtige Marke von 1.300,00US$ ohne Gegenwehr verloren. Dann gelang es den Bären auch noch, die Aufwärtstrendlinie seit dem Juni-Tief mit Tageschlusskursen unterhalb von 1.265,00US$ eindeutig zu brechen. Damit ist die Serie höherer Tiefs beendet und die Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung des Abverkaufs Richtung 1.180,00US$ deutlich erhöht.

Gestern Nachmittag war jedoch eine erste bullische Gegenreaktionen zu beobachten. Während das Tagestief bei knapp 1.227,00US$ erreicht wurde, lag der Tagesschlusskurs oberhalb von 1.252,50US$. Damit liegt ein kleines Reversal vor, welches den Goldpreis auf Sicht der nächsten Tage bis mindestens 1.277,00US$ voranbringen sollte.

Übergeordnet bleibt Gold auf dem Monats-Chart jedoch weiterhin in einem mittelfristigen Bärenmarkt. Nach wie vor liegt ein Verkaufssignal beim MACD Indikator vor. Ebenso notiert der RSI klar unter 50.

Der Wochenchart hingegen hatte den Sommer über berechtigte Hoffnungen bei den Bullen geschnürt. Mittlerweile bahnt sich jedoch auch hier ein erneutes MACD Verkaufssignal an.
Der Tageschart ist trotz des gestrigen Kursgeschehens zunächst weiterhin als negativ einzustufen. Denn solange der "embedded" Status des "Slow Stochastic"-Indikators aktiv ist, bleiben die Bären im Vorteil. Auch notiert der Goldpreis nach wie vor unterhalb der 50-Tagelinie (1.307,35US$) als auch sehr deutlich unterhalb der 200-Tagelinie (1.394,39US$). Die Tatsache, dass es dem Goldpreis trotz der dynamischen Sommerally nicht gelang, bis an die 200-Tagelinie anzusteigen, muss rückblickend als eindeutiges und vor allem frühzeitiges Warnsignal verstanden werden. Seit dem Februar 2013 bewegt sich der Goldpreis unterhalb dieser wichtigen Durchschnittslinie.

Kurzfristig ist aber ein Anstieg bis zur gebrochenen Aufwärtstrendlinie bei ca. 1.277,00US$ sowie der 21-Tagelinie (1.292,75US$) denkbar. Mehr als eine potentielle Erholung lässt sich aus den Charts aktuell jedoch nicht herauslesen.

Laut dem neuesten CoT-Report haben die kommerziellen Händler aktuell 51.515 Future-Kontrakte auf den Goldpreis leerverkauft. Die Zahlen spiegeln die Positionierung vom letzten Dienstag mit einem Schlusskurs bei knapp 1.275,00US$ wieder. Mit Sicherheit dürften die "Commercials" weitere leerverkaufte Positionen in die schwächeren Goldpreise der letzten Tage hinein eingedeckt haben.

Die CoT-Daten jedenfalls bleiben günstig, schließlich befindet sich die kommerzielle Shortposition auf dem niedrigsten Niveau seit Ende August und im langfristigen Vergleich sowieso auf Mehrjahrestiefstständen.

Die Bildzeitung, einer der besten Kontraindikatoren überhaupt, meldete sich gestern mit einer bemerkenswerten Schlagzeile zu Wort. Demnach wurde auf der Titelseite empfohlen, eine Immobilie ohne Eigenkapital und zu "Mini-Zinsen" zu erwerben. Vor knapp zweieinhalb Jahren schmückte die Bildzeitung exakt am Hoch- und Wendepunkt der Edelmetallhausse ihre Titelseite mit Goldbarren.

Ich vermute daher, dass wir nun an der Spitze des "Betongoldbooms" angekommen sind. Ein Immobilienkauf, vor allem auf Kredit, ist daher auf Sicht der nächsten Monate und vermutlich auch Jahre nicht ratsam. Überhaupt halte ich die weitverbreitete Meinung, dass die einzig konservative und sichere Anlageform eine Immobilie sei, für vollkommen falsch. Richtig geplant und ausgeführt, ist der Kauf einer selbstbewohnten Immobilie "Goldwert", wer aber zu Spekulationszwecken oder Sicherheitsaspekten in Immobilien investiert, dürfte in den nächsten Jahren viele unliebsame Überraschungen machen.

Die Stimmung für die Edelmetalle hingegen ist depressiv und niedergeschlagen. Nach zweieinhalb Jahren Korrektur dürfte der Großteil des Materials in den Händen des "smart money" sein. Gut möglich allerdings, dass ein finales kräftiges Schütteln des Baumes notwendig ist, um auch die letzten schwachen Hände abzuwerfen. Aus antizyklischer Sicht gibt der Sentiment – Analysebaustein weiterhin und eindeutig ein klares Kaufsignal für die Edelmetalle.

Weiterhin will sich der Goldpreis nicht an seine saisonalen Vorgaben halten. In Bärenmarktjahren sind die statistischen Erfahrungswerte leider nicht sehr hilfreich. Eigentlich sollte der Goldpreis seit Mitte November steigen, zu Buche stehen jedoch herbe Kursverluste. Ob die erste Hälfte im Dezember schwach ausfallen wird, gefolgt von einem starken Finish bis zum Jahresende, bleibt daher fraglich.

Grundsätzlich ist die saisonale Komponente bis zum Frühjahr 2014 günstig.

Die Halter von Gold-ETF´s trennen sich weiterhin von ihren Beständen. Laut Bloomberg wurden alleine am letzten Freitag erneut Abflüsse von 5,6 Tonnen verzeichnet. Damit liegen die Gold-ETF Bestände mittlerweile auf dem niedrigsten Stand seit März 2010.
Während die Nachrichtenlage vom Papiergoldmarkt ungünstig bleibt, steigt China dieses Jahr zum größten Goldkonsumenten auf. Laut dem World Gold Council dürfte China in diesem Jahr mehr als 1.000 Tonnen Gold einführen. Bereits jetzt haben die Chinesen mehr Gold gekauft als im Gesamtjahr 2012. Der bisherige Spitzenreiter Indien hingegen dürfte dieses Jahr aufgrund der verschärften Importregeln nur noch maximal 900 Tonnen importieren.

Dass die Verlagerung des Goldes von West nach Ost in vollem Gange ist, unterstreicht auch die Meldung wonach die Malca-Amit Global Ltd. in diesem Monat einen neuen Tresor in Shanghai eröffnet hat. Dort können bis zu 2.000 Tonnen Gold gelagert werden.

Ganz andere Töne hingegen sind aus Venezuela zu hören. Die dortige Zentralbank hat sich auf einen spektakulären Deal mit Goldman Sachs eingelassen. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Zentralbank 45 Tonnen Gold an Goldman Sachs verleiht und im Gegenzug US-Dollar erhält. Im Sommer 2011 beherrschte der damalige Präsident Hugo Chavez noch die Schlagzeilen mit der Rückführung der venezolanischen Goldreserven.

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