Die Suche nach Rohstoffen treibt den Menschen immer tiefer unter die Erdoberfläche, um dort Kohle, Gold, Diamanten oder anderen Rohstoffe abzubauen. Mit zunehmender Tiefe steigen nicht nur die Temperaturen, sondern auch die sonstigen Herausforderungen für Mensch und Material, welche Ingenieure immer wieder zu neuen Höchstleistungen fordern. Nachfolgend wollen wir einen Blick auf die zehn tiefsten Bergwerke werfen, wobei sich acht der zehn tiefsten Bergwerke in Südafrika und die verbleibenden zwei Bergwerke in der Provinz Ontario in Kanada befinden.

Platz 1 nimmt aktuell die „Mponeng Gold Mine“ von AngloGold Ashanti südwestlich von Johannesburg ein. In dieser Goldmine wird Gold in einer Tiefe von 2,4km bis mehr als 3,9km unter der Erdoberfläche abgebaut. Im Dezember 2012 betrugen die verbleibenden bekannten Goldreserven der Mponeng Gold Mine noch 13,7 Millionen Unzen Gold, wobei jährlich ca. 400.000 Unzen abgebaut werden. Aktuell laufen Erkundungen auf einem Niveau, welches die 4km-Marke überschreitet und die Laufzeit der Mine bis zum Jahr 2040 sichern soll. Das Erz von Mponeng weist einen durchschnittlichen Goldgehalt von mehr als 9g/t auf, so dass eine Förderung trotz der extremen Tiefe und des damit verbundenen technischen Aufwands wirtschaftlich ist. Die Gesteinstemperatur in 4000m Tiefe beträgt etwa 60°C, die Lufttemperatur 55°C. Durch aufwendige Kühlmaßnahmen wird diese knapp 30°C abgesenkt.

Platz 2 geht an die TauTona Goldmine, ebenfalls im Besitz von AngloGold Ashanti. Auch hier wurden Stollen bis auf eine Tiefe von 3,9km in die Erdkruste getrieben, auch wenn sich das aktuell Abbaugebiet „nur“ in einer Tiefe von 1,85 bis 3,45km befindet. Die bereits 1962 in Betrieb genommene TauTona Mine befindet sich weitestgehend am Ende ihrer Produktionszeit, im Laufe 2015 soll hier die Goldförderung eingestellt werden.

Auch Platz 3 geht an eine Mine der AngloGold Ashanti, die Savuka Gold Mine. Hier führen die Stollen bis in eine Tiefe von 3,7km unter der Oberfläche. Die Produktion auf der Savuka Goldmine wurde Ende 2012 aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt, nachdem im Gesamtjahr 2012 nur noch 37.000 Unzen Gold gefördert wurden.

Auf Platz 4 folgt die Driefontain Mine von Gold Fields, ebenfalls in Südafrika gelegen. Die Driefontain-Mine wurde bereits 1952 eröffnet und erreicht aktuelle eine Tiefe von bis zu 3,4 km. Aus der Driefontain-Mine wurden bislang mehr als 100 Millionen Unzen Gold gewonnen, wobei der durchschnittliche Vererzungsgrad bei 14,2g Gold pro Tonne Gestein lag.

Platz 5 geht an die Kusasalethu Gold Mine von Harmony Gold. Auch diese Mine befindet sich in Südafrika und führt bis in eine Tiefe von 3276m unter die Oberfläche. Die Kusasalethu Gold Mine wurde erhielt ihren Namen 2010 als Erweiterung der Elandsrand Mine, da unter der ursprünglichen Mine weitere 9,8 Mio Unzen Gold entdeckt worden waren.

Platz 6 nimmt die Moab Khotsong Gold Mine von AngloGold Ashanti ein, welche vergleichsweise jung ist und erst 2003 in Produktion ging. Hier wird Gold in einer Tiefe von bis zu 3054m abgebaut. Im Jahre 2012 gab es ein sehr umfangreiches Explorationsprogramm auf der Mine, wodurch die Reserven deutlich gesteigert werden konnten und ein Abbau bis ins Jahr 2040 vorgesehen ist.

Auf Platz 7 folgt South Deep Gold Mine von Gold Fields, die in einer Tiefe von 2995m endet. Die Resource der South Deep Gold Mine beträgt ca. 39Mio Unzen Gold, wobei die Produktion von aktuell ca. 300.000 Unzen pro Jahr bis zum Jahre 2017 auf 700.000 Unzen ausgebaut werden soll. Auch bei dieser Mine gibt es langfristige Explorations- und Expansionspläne, die einen Betrieb bis zum Ende des Jahrhunderts andeuten.

Auf Platz 8 folgt die erste Mine außerhalb Südafrikas, die Kidd Creek Kupfer und Zink Mine in Ontario. Die Mine befindet sich im Besitz von Glencore/Xstrata, und führt in eine Tiefe von 2927m. Die Mine startete 1966 als Tagebau-Mine, wurde jedoch immer wieder nach unten erweitert.

Platz 9 geht an die Great Noligwa Gold Mine von AngloGold Ashanti in Südafrika. Diese Mine führt „nur“ in eine Tiefe von 2,6km, konnte in der Vergangenheit jedoch kommerziell sehr erfolgreich ausgebeutet werden. Inzwischen ist die Mine in ein kritisches Alter gekommen, in denen die Vererzungsgrade nachlassen und der Abbau mit konventionellen Abbaumethoden zunehmend uninteressant wird.

Platz 10 der tiefsten Bergwerke belegt wiederum eine Mine aus Ontario, die Creighton Mine. In dieser im Besitz des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale befindlichen Mine wird Nickel und Kupfer abgebaut, und das bis in eine Tiefe von 2500m. Auch die dieser Mine handelt es sich um eine „uralte Mine“, die ihren Ursprung in einem Tagebau aus dem Jahr 1901 hat, und sukzessiv nach unten erweitert wurde. Im Jahre 2012 wurden knapp 800.000t Erz mit einem Gehalt von durchschnittlich 1,8% Kupfer und 1,84% Nickel abgebaut. Ein in 2007 durchgeführtes Explorationsprogramm bestätigte, dass die Mineralisierung sich nach unten weiter fortsetzt und sich dort weitere 32 Millionen Tonnen Erz mit einem Mineralisierungsgrad von ca. 2% Kupfer und 2% Nickel befinden

Die Erfahrung zeigt, dass gute Lagerstätten so lange wie möglich abgebaut und ggf. entsprechend nach unten erweitert werden. Jedoch steigt mit jedem Meter, den es Tiefer unter die Erde geht, nicht nur die Temperatur, sondern auch der technische Aufwand, und damit die Kosten. Gerade die Goldminen in Südafrika kämpfen nach dem Preisrückgang beim Gold von mehr als 1800 USD/Unze auf aktuell ca. 1300 USD/Unze mit der Wirtschaftlichkeit, so dass trotz einer vorhandenen Mineralisierung und stetiger technischer Weiterentwicklung ein Abbau nicht bis zu jeder Tiefe wirtschaftlich sinnvoll ist.

Daneben zeigt sich, dass das Ende einer Tagebaumine nicht automatisch das Projektende bedeuten muss. Ein weiteres prominentes Beispiel ist die größte Kupfer-Tagebaumine der Welt, die Chuquicamata Mine des chilenischen Staatskonzerns Codelco. Nachdem der Tagebau inzwischen eine Tiefe von ca. 1000m erreicht hat, scheint die Grenze der Wirtschaftlichkeit weitestgehend erreicht. Da unter der jetzigen Tagebaugrube aber noch riesige Kupfervorkommen liegen, soll er Tagebau ab 2014 um einen Untertagebau erweitert werden, der bis 2020 seine maximale Produktionskapazität erreicht haben soll, während der Tagebau bis 2017 eingestellt werden soll.

Es zeigt sich, dass zwar auch für die mittlere Zukunft ausreichend Rohstoffe auf unserem Planeten vorhanden sind, jedoch wird der Abbau mit den aktuell bekannten Abbauverfahren immer aufwändiger und teurer. Ohne eine Revolution in den Abbau-Verfahren ist allein aufgrund der hohen Abbaukosten auch langfristig nicht mit einem gravierenden Einbruch der Rohstoffpreise zu rechnen, den ein solcher Einbruch würde zahlreiche Minen unrentabel machen.

Ihr Manuel Giesen

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