Der Uranpreis notiert auf dem niedrigsten Niveau seit fast acht Jahren. Anleger und Versorger scheinen die Hoffnung aufgegeben zu haben, dass es eine schnelle Auferstehung für die Atomkraft geben wird.

Der Markt für das radioaktive Material hat sich noch immer nicht von dem gewaltigen Erdbeben und dem daraus resultierenden Tsunami erholt, der das japanische Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zerstörte. Auf Grund von Sicherheitsbedenken nach dem Desaster sind in Japan immer noch nur zwei von 50 Reaktoren in Betrieb, während Deutschland und Frankreich ihre Abhängigkeit von der Atomkraft reduzieren. Auch in den USA haben einige Versorger ihre Pläne für neue Atomkraftwerke aufgegeben.

Der Spotpreis für Uran ist dieses Jahr so mittlerweile um 22% gefallen. Er lag zuletzt bei 34 USD pro Pfund und damit auf dem niedrigsten Niveau seit November 2005. Das ist nicht nur ein Ergebnis der Fukushima-Tragödie und der daraus resultierenden politischen Situation, sondern auch den insgesamt schwachen Rohstoffmärkten geschuldet.

Als die Rohstoffpreise im vergangenen Jahr immer stärker unter Druck gerieten, versuchten einige Anleger in den Uranmarkt auszuweichen, einen kleinen Markt, auf dem die Futures im Großen und Ganzen von Versorgern und Minenfirmen gehandelt werden. Ansonsten kann man den Uranpreis über Aktien des Sektors oder ETFs (Exchange Traded Funds) handeln. Die Hoffnung war groß, dass Japan, traditionell ein großer Urankonsument, seine Reaktoren wieder in Gang bringen und damit die Nachfrage wieder anziehen werde.

Stattdessen verlangsamte sich das Wachstum der Weltwirtschaft, was die Preise aller Rohstoffe, von Kupfer bis Getreide, fallen ließ. Und Uran wurde in Mitleidenschaft gezogen, da langsamer laufende Wirtschaften weniger Elektrizität benötigen. Doch die Verluste bei Uran fielen stärker aus als bei vielen anderen Rohstoffen, da die Atomkraft sich immer noch einem starken Gegenwind aus der Politik gegenübersieht. Das dürfte schmerzen, selbst wenn die wirtschaftliche Aktivität weiter steigt.

Anleger handeln Uran hauptsächlich durch ETFs wie den Global X Uranium ETF oder die Aktien von Minenfirmen wie Cameco (WKN 882017), Uranium One (WKN A0MU9G) und Paladin Energy (WKN 890889), die zusammen eine Marktkapitalisierung von rund 11 Mrd. USD aufweisen. Der Global X Uranium ETF, der nur vier Monate vor dem GAU in Japan an den Start ging und die Kursbewegung von fast 20 börsennotierten Produzenten und Explorern abbildet, hat dieses Jahr 18% an Wert verloren, während der breite Aktienindex S&P 500 18% zulegen konnte. Seit dem Erdbeben in Japan hat der Fonds rund 75% an Wert verloren.

Nachdem Japan 2011 alle Reaktoren abgeschaltet hatte, war man davon ausgegangen, dass ein Großteil davon dieses Jahr wieder in Betrieb gehen würde. Stattdessen haben die Versorger um Erlaubnis gebeten, nur 12 Reaktoren wieder anlaufen zu lassen – neben den zweien, die bereits wieder Strom liefern. Das Genehmigungsverfahren dürfte sich hinziehen.

Und in Nordamerika hat der Schiefergasboom den Versorgern, die Kraftwerke errichten, die Option verschafft, auf billiges Erdgas zu setzen statt auf Uran. In Europa ist der politische Widerstand gegen die Atomenergie gestiegen und Deutschland hat sich sogar entschlossen, bis 2022 alle Reaktoren stillzulegen. Selbst Frankreich will seine Abhängigkeit von Atomstrom bis 2020 von 80 auf 50% senken.

Experten halten den Uranpreisrückgang zwar für eine „Verirrung“ auf Grund eines einmaligen Ereignisses, gehen aber dennoch nicht davon aus, dass er sich so schnell wieder erholen wird. Anleger weisen darauf hin, dass die Uranbestände steigen. Die Bergbaufirmen hocken auf Bergen von nicht verkauftem Material, sodass das Angebot derzeit die Nachfrage um rund 25 Mio. Pfund übersteigt, wie die Experten von Ux Consulting erklärten. Vor Fukushima sei der Markt im Gleichgewicht gewesen, hieß es weiter.

Einige Experten glauben aber, dass die der Uranpreis nun so niedrig ist, dass einige Minengesellschaften beginnen werden, ihre Produktion zu reduzieren. Dann werde diese schlussendlich soweit sinken, dass die Überschüsse aufgezehrt und dann der Preis wieder steigen würde. Die Analysten von JPMorgan Chase jedenfalls sagen für das kommende Jahr einen Uranpreis von durchschnittlich 59,20 USD pro Pfund voraus.

Andere Investoren und Analysten aber gehen davon aus, dass es mehrere Jahre dauern wird, bevor sich der Uranpreis signifikant erholt. Politischer Widerstand und billige alternative Treibstoffe wie Erdgas und Kohle könnten eine Erholung erschweren, meinen diese.

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