Die Bilder der tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Arbeitern aus der südafrikanischen Bergbaubranche und Sicherheitskräften sind längst nicht vergessen. Über 50 Menschen starben im vergangenen Jahr in Südafrika bei Unruhen im Rahmen einer Streikwelle, die große Teile der wichtigen Platinbranche lahm legten. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass man mit Sorge auf das Land am Kap schaut, in dem seit einigen Wochen die Verhandlungen um neue Löhne für die Arbeiter im Goldbergbau laufen.

Seit wenigen Tagen streikt die erste der rivalisierenden Gewerkschaften, die gegenüber den Arbeitgebern hohe Lohnsteigerungen fordern. Insgesamt scheint das Klima der Verhandlungen erneut alles andere als ruhig zu sein, was in anderen Sparten des Rohstoffsektors ebenfalls die Gefahren von Arbeitskämpfen und neuen Auseinandersetzungen erhöht. Dies ist vor allem für die Platinbranche ein ständiges Risiko, und damit ebenso für den Platin-Weltmarkt. Südafrika ist trotz aller Probleme bei diesem Rohstoff nach wie vor die absolut dominierende Fördernation.

Trotz einer weiter schwachen Konjunktur im europäischen Autosektor, Platin ist ein wichtiger Rohstoff für den Bau von Katalysatoren, ist der Preis für Platin seit Ende Juni stark gestiegen. Der Blick auf den Future für die Feinunze des Metalls zeigt eine Aufwärtsbewegung von 1.296 Dollar auf bis zu jüngst erreichten 1.558 Dollar. Den breiten Widerstand um 1.550 Dollar hat der Platinpreis allerdings nicht überwunden, es wurden Gewinne mitgenommen, was den Future leicht unter Druck gebracht hat. Die Kurse südafrikanischer Platinminenbetreiber haben sich in der Zeit seit Ende Juni ebenfalls deutlich erholt.

Doch Marktbeobachter warnen. Kommen die Verhandlungen um die Löhne im Goldsektor zu einem schneller als erwarteten Erfolg, könnte die Aufwärtsbewegung rasch beendet sein. Erste Anzeichen in diese Richtung sind auszumachen, wenngleich die Verhandlungsparteien derzeit noch weit von einem Ende der Gespräche und einer Einigung für die neuen Löhne beim Goldbergbau entfernt sind.

Allerdings bleibt abzuwarten, wie stark sich in Zukunft die Löhne in der Platinbranche nach oben bewegen werden. Fest steht, dass die Südafrikaner mit enormen Problemen zu kämpfen haben, was die Kosten angeht – und das sind im Bergbau nun einmal vor allem Kosten für Arbeitskräfte. Drastische Lohnsteigerungen könnten daher zu mehr oder weniger groß ausfallenden Einschnitten beim Platinangebot führen. Schon seit längerem treten die Konzerne in der Kap-Nation auf die Kostenbremse, schrumpfen Aktivitäten ein, entlassen Arbeitskräfte und bemühen sich um wirtschaftliche Gesundung. Enorm höhere Löhne dürften da kaum ins Konzept der Manager passen.

Das allerdings birgt neben dem Risiko möglicher Streiks, die die Platinförderung nur kurzfristig belasten, die Option, dass weitere Standorte schließen müssen, die mit höheren Löhnen nicht mehr rentabel betrieben werden können. Das wiederum ist ein Szenario, das den Platinpreis schon weit im Vorfeld solcher möglichen Minenschließungen oder Produktionskürzungen in die Höhe schießen lassen könnte. Der Rückschlag der vergangenen Tage muss daher nicht das Ende der Erholungsbewegung bedeuten. Sollte neben dem guten Wachstum der Autoindustrie unter anderem in China auch der europäische Automarkt wieder anspringen, werden die Karten ohnehin neu gemischt.