Chile ist mit ca. 750.000 km² etwa doppelt so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, hat jedoch nur 16,6 Mio Einwohnern, von denen fast 40% in und um die Hauptstadt Santiago leben. Chile gilt weithin als einer der bedeutendsten Rohstoff-Produzenten weltweit und als weltweit wichtigster Kupferproduzent, liegen doch etwas 40% der bekannten Kupfervorkommen und die weltgrößten Kupferminen in dem Andenstaat.

Schaut man auf die wirtschaftliche Entwicklung, so hat sich Chile in den letzten 10 Jahren zum Vorzeige-Staat in Südamerika entwickelt, mit einem Pro-Kopf-Einkommen von ca. 16.300 USD/ Jahr, etwa 40% von dem Pro-Kopf-Einkommen der Bundesrepublik. Erstaunlich ist aber die Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens, welches sich in den letzten zehn Jahren mehr als von 4780 USD/Jahr auf 16.300 USD/Jahr mehr als verdreifacht hat. Chile ist also bei weitem kein „armes Land“ mehr, auch wenn der Reichtum recht ungleich verteilt ist, was regelmäßig zu Spannungen und Konflikten wie den Studentenprotesten im Jahre 2011 führt, als Studenten und Schüler gegen die hohen Gebühren des weitestgehend privatisierten Bildungssystems protestierten und hier dringend Reformen forderten.

Der Bergbau hat in diesem Zeitraum massiv zur Steigerung des Bruttosozialproduktes beigetragen und mit dem Bergbau-Boom ist nicht nur die Arbeitslosigkeit gesunken, sondern auch die Gehälter teils in exorbitante Regionen gewachsen. So verdient beispielsweise ein chilenischer Truck-Fahrer in einer Kupfermine bis zu 80.000 USD/Jahr, und damit mehr als beispielsweise seine Kollegen in den Vereinigten Staaten oder in Europa. In Verbindung mit den beschriebenen Problemen im Bildungssystem hat dies dazu geführt, dass eine Vielzahl junger Männer die Schule vorzeitig verlässt und im Bergbau-Sektor das schnelle Geld sucht. Dieses Geld wird dann vorzugsweise in Eigenheime oder schicke Neuwagen investiert, was Handel und Wirtschaft des Staates belebt.

Schätzungen gehen davon aus, dass jeder neue Job im Bergbau drei zusätzliche Jobs im Dienstleistungssektor schafft. Obwohl der Bergbau selbst mit Problemen wie Wassermangel, Erdbeben und unzuverlässiger Stromversorgung zu kämpfen hat, bleibt der Bergbau-Sektor Treiber des Wirtschaftswachstums. In den Jahren 2011 und 2012 ist Chiles Wirtschaft (dank des starken Bergbau Sektors) um 6% bzw. 5,6% gewachsen.

Auch wenn Chiles Kupferminen mit durchschnittlich 55 Jahren ein hohes Lebensalter aufweisen und für die Produktion zunehmend auf schwächere Vererzungen zurückgegriffen werden muss, liegen die Produktionskosten im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Doch zunehmend können die Erzvorkommen nicht mehr im Tagebau abgebaut werden, sondern muss im kostenintensiveren Untertagebau erschlossen werden. Dies kann zwar bei den großen Lagerstätten zu einer signifikanten Erweiterung der Resourcen und damit einer entsprechenden Verlängerung der Lebenszeit der Minen führen, verlangt aber in der Übergangsphase hohe finanzielle Aufwendungen und ggf. eine Reduktion der Produktion.

Auf der anderen Seite sind momentan keine neuen Lagerstätten in Sicht, welche die großen Minen in Chile ersetzen könnten bzw. einen Produktionsabfall ausgleichen könnten. Auch wenn der Kupfermarkt zwischen Angebot und Nachfrage in etwa ausgeglichen ist, bleibt es in den nächsten Jahren spannend, in wie weit die Erweiterung bzw. Erschließung der neuen Minenteile in Chile gelingt. Außerdem wird es spannend, ob in Chile ein ähnlicher Effekt wie in Australien zu beobachten sein wird, wo die explodierenden Gehälter im Bergbau-Segment dazu geführt haben, dass viele Minen (insbesondere im Goldsektor) bei einem Rückgang der Rohstoffpreise nicht mehr kostendeckend arbeiten können.

Ihr Manuel Giesen