Während der zweitgrößte Aluminiumproduzent Alcoa im abgelaufenen Quartal noch relativ solide Zahlen vorlegen konnte, ist der weltgrößte Aluminiumhersteller Rusal angesichts fallender Preise und geringerer Produktion in die Verlustzone gerutscht. Der russische Konzern wies mit seinen zu Wochenbeginn veröffentlichten Zahlen für das abgelaufene Quartal ein Minus von 208 Millionen Dollar aus. Im Vergleich dazu stand im Vorjahr noch ein von 125 Millionen Dollar in den Büchern des russischen Aluminium-Giganten.

Als Konsequenz will nun Rusal seine Aluminium-Produktion um 357.000 Tonnen oder 8,5 Prozent senken. Gleichzeitig forderte das Rusal Management die Wettbewerber auf, ebenfalls die Produktion zu drosseln, um einen langfristigen Angebotsüberschuss zu vermeiden. Bereits in den Jahren 2007 – 2011 lag die Produktion stets über der Nachfrage nach Aluminiumprodukten, was zu einem Preisverfall und hohen Lagerbeständen geführt hat.

Als eine weitere Maßnahme bitte Rusal nun um staatliche Unterstützung. So überlegt die russische Regierung ein staatliches Aluminiumlager aufzubauen und somit den Produktionsüberhang abzufedern. Aluminium hat sich seit Marz 2011 von einem Hoch von 2800 USD/t auf inzwischen 1932 USD/t verbilligt. Mit einem solchen staatlichen Lager ließen sich zum einen strategische Reserven aufbauen, zum anderen könnten Preissprünge und Versorgungsengpässe abgemildert werden, wenn die Produktion aufgrund des niedrigen Aluminiumpreises weltweit drastisch zurückgefahren wird.

Dementgegen steht eine aktuelle Diskussion in den USA, in wie weit sich Großbanken am physischen Handel und der Lagerung von Rohstoffen beteiligen dürfen, weil diese nicht zum Kerngeschäft von Finanzinstituten gehören. Großbanken wie Goldman-Sachs oder JP Morgan wird vorgeworfen, durch entsprechende Eingriffe am Markt die Preise künstlich hochzuhalten, was diese Finanzinstitute vehement bestreiten.

Eine mögliche Beeinflussung des Aluminiummarkts durch die US-Großbank Goldman Sachs beschäftigt inzwischen aber auch ein Gericht. Gegen die Bank und die London Metal Exchange (LME) ist von dem Aluminium-Unternehmen „Superior Extrusions“ bei einem Bundesgericht in Detroit Klage eingereicht worden. Der Vorwurf: Verstoß gegen Wettbewerbsrecht.

Beide Unternehmen würden das Angebot an Aluminium beschränken und trieben dadurch die Preise für das Leichtmetall in die Höhe. Damit verstießen die Beklagten gegen Wettbewerbsrecht. Die Börse Hongkong, als Mutter der London-Metal-Exchange, teilte auf Anfrage mit, dass die Klage aus ihrer Sicht gegenstandslos sei und wies die Vorwürfe ebenfalls entschlossen zurück. Die LME schreibt ihren lizensierten Lagerhäusern vor, täglich mindestens 3000t auszuliefern. Globale Rohstoffhändler und Großbanken würden diese Regelung aber umgehen, in dem sie Waren zwischen den eigenen Lagerhäusern hin und her verschieben.

Goldman Sachs hat die Lagerfirma Metro International Trade Services im Jahr 2010 gekauft. In den Lagern von Metro International wird ca. 25% des auf dem US-Markt verfügbaren Aluminiums bevorratet. Durch die künstliche Verknappung soll die Bank Lieferzeiten für Aluminium verzögert haben und dabei nicht nur von den Mieteinahmen für die Lagerhäuser, sondern auch von der Tatsache profitiert haben, dass die Ware mit entsprechenden Aufschlägen gegenüber dem Referenzkurs verkauft wird.

Ein Manager der Großbrauerei Miller Coors hatte in einem Statement für eine Senatsanhörung in Washington den Vorwurf bekräftig, dass die weltweiten Ausgaben auf dem Aluminiummarkt allein im vergangenen Jahren um drei Milliarden Dollar in die Höhe getrieben worden seien. Die Regeln der LME führten zu künstlichen Begrenzungen des Aluminium-Angebots. Miller Coors braucht Aluminium für die Produktion von Getränkedosen, insbesondere von Bierdosen. Angesichts der aktuellen Diskussion hat Goldman Sachs den Kunden der Metro-Lagerhäuser angeboten, gekauftes Aluminium unverzüglich auszuliefern.

Ihr Manuel Giesen

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