Die Erholung beim Goldpreis geht weiter. Gestern hat die Feinunze an der US-amerikanischen Börse mit dem Anstieg über das charttechnische Hindernis um 1.348/1.356 Dollar ein Kaufsignal generiert, das sich im europäischen Handel am Morgen mit Notierungen zwischen 1.360 Dollar und 1.365 Dollar bestätigt. Nachhaltig ist das Signal noch nicht, das zeigt die Charttechnik des Goldes, das bei 1.366 Dollar auf ein weiteres kleines Hindernis trifft.

Doch plötzlich sieht alles nicht mehr so dramatisch aus beim Gold. Trendwerte wie die kanadische Barrick Gold vollziehen den jüngsten Preisanstieg bei der Feinunze überproportional nach, das Papier ist von 13,43 Dollar auf gestern erreichte 19,88 Dollar geklettert, während die Aufwärtsbewegung beim Goldpreis bei 1.180 Dollar begonnen hat.


Für den Milliardär und Rohstoffexperten Eric Sprott kommt das alles nicht überraschend. Der Investor hält den Goldpreis-Absturz für inszeniert und vor allem für völlig übertrieben. In der Tat sind einige Aspekte, die Sprott als Argument für seine Thesen nutzt, alles andere als von der Hand zu weisen. Ein auffälliger und wichtiger Punkt war auch bei miningscout.de schon mehrfach ein Thema: Der enorme Unterschied bei der Goldnachfrage am Terminmarkt bzw. den Exchange Traded Funds (ETF) und den Käufen physischen Goldes.

Diese schwer zu erklärende Divergenz zeigen auch aktuelle Zahlen wieder einmal. Während die Nachfrage nach Goldmünzen, -barren etc. sehr hoch bleibt, verzeichnen die ETFs eine regelrechte Fluchtbewegung institutioneller Anleger aus dem Gold. Das gleiche Bild zeigt sich am Terminmarkt, wo die Finanzbranche über Futures und andere Termingeschäfte auf den Goldpreis eindrischt, während die Goldförderer in den vergangenen Monaten mehr und mehr zu Goldbullen wurden. Das nährt Theorien über einen von der Wall Street inszenierten Goldpreisabsturz.

Das mag man glauben oder nicht – fest steht, dass Goldaktien infolge des Kurssturzes massiv an Wert verloren haben. Das gilt insbesondere für Juniors und Newcomer der Branche, die noch in frühen Stadien ihrer Entwicklung stecken. Die Branchenkrise hat viele Unternehmen in Schwierigkeiten gestürzt und die Aktienkurse auf selten gesehen, niedrige Bewertungsniveaus geschickt. Doch das ist möglicherweise eine große Chance für Anleger, die mutig zugreifen.

Für Eric Sprott, einen bekannten Gold-Bullen, ist es sogar die Chance schlechthin. In einer Leserfragerunde bei der kanadischen Tageszeitung „The Globe And Mail“ spricht der Experte von hohen Kurschancen, die sich im Goldsektor auftun. Er rechnet mit einem zunehmend deutlicheren Angebotsengpass bei physischem Gold. Das ist bereits heute in Asien zu sehen, wo sich die Anleger teils wie verrückt auf das verfügbare Gold stürzen und sogar hohe Preisaufschläge akzeptieren. Bei Aktien von Gold-Juniors solle vor dem Hintergrund einer weitergehenden Erholung des Feinunzenkurses explosives Kurspotenzial von mehreren hundert Prozent bestehen, glaubt Sprott. Das gilt sicherlich nicht für alle Titel, muss man redaktionell an dieser Stelle ergänzen, denn zum Beispiel Explorations-Negativmeldungen und ähnliches können auch in einer Goldrallye einzelne Werte und Kurse belasten.

Das Gute allerdings: Der Goldpreis muss nicht mal Sprotts Kursziel-Träumen von bis zu 2.400 Dollar folgen, um den Aktien des Sektors ein heftiges Erholungspotenzial zu bescheren – dazu reichen schon kleinere Bewegungen, das haben die jüngsten Kursentwicklungen bei der Feinunze des Edelmetalls und bei Aktien wie Barrick Gold deutlich gezeigt.