Kolumne von Ingrid Heinritzi

Schock am Dünger-Markt

K+S bricht um 25 Prozent ein. Dahinter steckt der Zusammenbruch eines Kartells. Der Düngermarkt ist damit im Umbruch – Agrarpreise dürften sinken.

Ein Jahrhundert-Ereignis erlebten Börsianer Ende Juli. Oder wann bricht schon mal der Aktienkurs eines Dax-Unternehmens um ein Viertel in wenigen Stunden ein? Zumal es sich um einen von vielen Anlageberatern und Vermögensverwaltern hoch gelobten Konzern handelt. Die Rede ist von Kali und Salz, heute unter K+S bekannt. Die Aktie des Streusalz und Kali-Dünger herstellenden Konzerns aus Kassel leidet unter Aussagen von Uralkali. Der russische Produzent von Pottasche erklärte aus einer Zusammenarbeit mit dem weißrussischen Konkurrenten Belaruskali zur Vermarktung des Düngers auszusteigen. Damit wird das Quasi-Kartell auf dem Pottasche-Markt, das auf europäischer Seite aus Uralkali und Belaruskali bestand, und in Nordamerika ein Pendant in Canpotex hat, einer Zusammenarbeit einiger US-amerikanischer und kanadischer Kaliumchlorid-Hersteller, aufgebrochen.

Für die Branche ist dies fatal, denn Uralkali ist der größte Hersteller des Düngers mit einem Weltmarktanteil von rund 20 Prozent. Zudem deutete das Management der Russen an die Produktion von heute 9,4 Millionen Tonnen im Jahr auf 13 Millionen Tonnen ausweiten zu wollen. Damit dürfte auch der Preis von Kaliumchlorid (K-Cl) nach unten tendieren, prognostizierten die Experten von Uralkali. Sie gehen von einem Preis um 300 US-Dollar je Tonne aus. Vor der Ankündigung notierte K-Cl bei 400 US-Dollar je Tonne. Uralkali kann durchaus mit Saudi-Arabien in der Opec verglichen werden. Würde Saudi-Arabien anfangen die vollen Kapazitäten auszuschöpfen, würde der Ölpreis sicherlich nicht nur um 25 Prozent einbrechen. Die Voraussage von Uralkali ist daher eher konservativ zu sehen.

Für K+S bedeutet dies nichts Gutes. Die Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre werden sicherlich deutlich herunter geschraubt. Bisher waren rund 2,80 Euro für 2013 und 2,87 Euro für 2014 nach 3,49 Euro im vergangenen Jahr geschätzt worden. Es würde nicht verwundern, wenn der Gewinn tatsächlich unter 2 Euro je Aktie 2014 liegen würde. Doch es kommt noch dicker. Denn K+S hat begonnen in Kanada ein Milliarden-Projekt aufzubauen. Zumindest wird dieses einige Abschreibungen benötigen. Voraussichtlich wird K+S dieses Projekt sogar um einige Zeit später in Produktion bringen, wenn die weltweiten Überkapazitäten abgebaut sind.

Ähnliche Probleme mit ihren Zukunftsprojekten im Düngemittelbereich werden überall auf der Erde die Konzerne haben, sei es in Chile, Kanada oder Äthiopien. So kann zum Beispiel Western Potash froh sein bereits vor einigen Wochen einen potenten Partner aus China gewonnen zu haben, der Rückhalt bietet. Doch in absehbarer Zeit wird unter den aktuellen Voraussetzungen das Projekt in Kanada wohl kaum umgesetzt werden. Weniger betroffen dürften Düngemittelkonzerne sein, die weniger Pottasche in ihrem Portfolio haben wie Monsanto und Agrium.

Profitieren werden dagegen die Händler und Verbraucher von Düngemitteln. Denn diese werden größere Mengen für günstigere Preise bekommen. Und wenn mehr gedüngt wird, weil es nun günstiger wird, sollten die Ernten Tonnen mäßig höher ausfallen. Der Münchener Agrarprodukte- und Baustoffhändler BayWa dürfte zum einen mehr Düngemittel verkaufen und zum anderen aufgrund zukünftiger besserer Ernten mehr Handelsgewinne einstreichen. Vorstandschef Klaus Josef Lutz dürfte auf der Halbjahresbilanz-Vorstellung am 8. August in München sicherlich auf das Düngemittel-Thema eingehen.

Weitere Profiteure dürften alle Konzerne sein, die Mais und Soja verarbeiten. Denn die Preise der Produkte sollten bei besseren Ernteerträgen eher nach unten tendieren. Zu dem Kreis gehören vor allem die Lebensmittelkonzerne wie Archer Daniels Midland, Tyson Foods, ConAgra Foods, Hormel Foods Corporation, Pilgrims Pride und Ralcorp Holdings oder auch Restaurantketten wie McDonalds.

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