Am Goldmarkt passieren seit einiger Zeit merkwürdige Dinge, die so gar nicht in das Bild vom abgestürzten Feinunzenpreis passen. Wir haben darauf bereits mehrfach hingewiesen. Ein wichtiger Faktor ist dabei die physische Goldpreisnachfrage. Denn die befindet sich nicht erst seit dem Preisrutsch auf Rekordniveau. Edelmetallmünzen und -Barren aus Gold und Silber sind derart beliebt, dass Münzprägeanstalten 2013 zwischenzeitlich den Verkauf einzelner Exemplare einstellen mussten. Die Bestände waren schlicht ausverkauft. Und in Asien müssen Käufer immer höhere Aufschläge zum tatsächlichen Goldpreis zahlen. Diese Premiums sind die Folge des physischen Goldmangels.

Ein anderer Faktor sind die Goldförderer, denn diese agieren seit einiger Zeit komplett entgegen der Markttendenz. Während von der Finanzbranche Goldpreisbaisse gespielt wird, ist die Goldförderbranche bullish für den Feinunzenpreis gestimmt. Das haben bereits frühere Daten vom Terminmarkt angedeutet, das beweisen aber auch neueste Zahlen.

Bei denen geht es um das Hedging der Goldförderung. Damit sichern sich die Minenbetreiber gegen fallende Kurse und damit Verluste ab. Es ist ein Instrument, das besonders zum Einsatz kommen sollte, wenn die Preise fallen – glaubt man zumindest. Doch die Hedgingaktivitäten der Goldproduzenten sprechen eine völlig andere Sprache. Sie sind schlicht längst nicht so hoch, wie man anhand der Baisse der vergangenen Monate erwarten könnte. Man darf nicht vergessen: Der Goldpreis ist allein im laufenden Jahr von 1.697 Dollar im Januar auf Ende Juni erreichte 1.180 Dollar gefallen.

Und was machen die Unternehmen? Die fahren zugleich ihr Hedging zurück, das sie eigentlich gegen sinkende Kurse sichern soll, obwohl die Goldpreise mittlerweile ein ernstes Problem für die Margen sind. Die Zahlen, die Thomson Reuters GFMS und Societe Generale veröffentlichen, zeigen dies. Allein im ersten Quartal soll es zu einem Rückgang von 9 Prozent gekommen sein. Und auch die bisherigen statistischen Indikationen für das abgelaufene zweite Quartal, in dem der Goldpreis gleich zweifach scharfen Baisse-Attacken ausgesetzt war, scheint die Goldminenbetreiber nicht aus der Ruhe gebracht zu haben.

Hier passt etwas nicht zusammen, das ist mittlerweile mehr als deutlich zu erkennen. Dass der Finanzanlegersektor massiv aus Gold ausgestiegen ist, als klar wurde, dass die US-Notenbank ihre enorm expansive Geldpolitik langsam normalisieren wird, ist ein Faktor für den Goldpreisrutsch. Und das „hot money“ der vielen trendsuchenden Hedgefonds ist nach und nach in den Aktienmarkt geflossen. Dort zeigt sich seit 2011 eine deutlich gegenläufige Tendenz zum Goldpreis, die wichtigen und liquiden Aktienindizes steigen, der Feinunzenpreis fällt zeitgleich. So agieren Märkte, die stark von trendfolgenden Anlegern geprägt werden.

Beim Gold steht der Zockerei an den Terminmärkten allerdings der reale Goldsektor gegenüber. Und der wird zumindest in Teilen der Welt von einer Knappheit des Rohstoffes geprägt. Zudem scheint man in der Branche nicht mit einer lang anhaltenden Baisse zu rechnen, dann würde man sich am Terminmarkt stärker absichern. Überspielt wird dieser bullishe Ausblick derzeit aber durch die turbulente Situation an den Märkten mit den starken Aufwärtstrends am Aktienmarkt, die Investorengelder anlocken.

Aber das weiß jeder, der sich mit Börse beschäftigt: Solche Trends enden einmal. Bei wichtigen Blue-Chip-Indizes wie dem Dow Jones, dem britischen FTSE 100 oder dem DAX sind charttechnische Gefahren einer Topbildung zu erkennen. Zugleich hat sich der Goldpreis zuletzt spürbar erholt und könnte eine Trendwende einleiten, obwohl „big guy“ Goldman Sachs weiter im Bärenpelz daher kommt und vor sinkenden Goldpreisen warnt. Durchaus möglich also, dass sich die Voraussetzungen an den Märkten, die seit 2011 zu gegenläufigen Bewegungen von Gold und Aktien geführt haben, derzeit umkehren. Dann wären Gold und Goldaktien wieder Favoriten. Anleger sollten den Markt daher zurzeit genau beobachten!

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