Eigentlich gibt es gute Voraussetzungen für den Bergbau in Ecuador. Bodenschätze sind reichlich vorhanden, das Land ist im Grundsatz marktwirtschaftlich orientiert und will seinen Bergbausektor vorantreiben. Zumindest hat diese Absicht Staatspräsident Rafael Correa geäußert, als er jüngst für seine zweite Amtszeit vereidigt wurde. Nun haben neue Vorschriften für den Bergbausektor den Gesetzgebungsprozess durchlaufen – und das Ergebnis ist vor allem für die Großkonzerne enttäuschend.

Kaum etwas illustriert dies besser als die jüngste Entscheidung des Goldförderers Kinross, das riesige Goldprojekt „Fruta del Norte“ in Ecuador nicht weiterzuführen. Nach zwei Jahren Verhandlungen mit der Regierung des Landes wirft man die Brocken hin und akzeptiert lieber 720 Millionen Dollar Belastungen in der Bilanz statt weiterzumachen. Zuvor konnte man sich mit dem Staat nicht über die Konditionen des Projektes einigen und sieht sich benachteiligt.

Das hat Gründe, denn vor allem die Besteuerung sogenannter Windfall-Profite in Ecuador hat enorme Ausmaße. Dabei handelt es sich um Gewinne, die anfallen, wenn ein Rohstoffförderer Verkaufspreise über einem vorher ausgehandelten Niveau erzielt. Diese Gewinne werden von Ecuador mit satten 70 Prozent Steuern belegt – ein Satz, der schlicht viele Unternehmen von Investments in dem lateinamerikanischen Andenstaat abhält, allen vorhandenen Bodenschätzen zum Trotz.

Der Steuer-Passus wurde mit den neuen Vorschriften nicht gestrichen, somit müssen Unternehmen in dem Land weiter hohe Besteuerungen von Windfall-Profiten akzeptieren. Ecuador verschenkt damit Chancen, denn für große Unternehmen ist das Umfeld unattraktiv und für kleinere und mittlere Gesellschaften der Branche alles andere als einfach. Es fällt schwer, Investoren zu überzeugen, Geld für Projekte in dem südamerikanischen Andenstaat locker zu machen – vor allem, solange interessante Rohstoffprojekte weltweit in wesentlich bergbaufreundlicheren Staaten zu finden sind. Die Exploration neuer und noch nicht erschlossener Rohstoffvorkommen in dem Land dürfte damit, so die erste Einschätzung von Marktbeobachtern, nicht in Gang kommen.

Die neuen Paragraphen aus Ecuadors Hauptstadt Quito könnten jedoch an anderer Stelle für Fortschritte im Bergbausektor des Landes sorgen. Unterhalb einer bestimmten Größe müssen Unternehmen keine Vereinbarungen mit der Regierung in Quito abschließen. Schlüsselgröße hierfür sind die täglichen Fördermengen, die abhängig von der Abbauart verschiedene Grenzen haben. Werden diese nicht überschritten, gibt sich Ecuador mit einer deutlich geringeren Beteiligung an den Überschüssen zufrieden.

Experten gehen davon aus, dass diese Regelungen nun die Erschließung und den Abbau von bereits bekannten, kleineren Vorkommen in Gang setzen könnten. Den großen Durchbruch für den Bergbausektor des Landes wird dies allerdings nicht bringen, solange Großkonzerne und Investoren durch die Steuergesetze abgeschreckt werden. Aber eine erste Belebung ist zu erwarten. Das ist noch nicht viel, aber immerhin stimmt die Richtung für die Branche.