Derzeit herrschen am Goldmarkt zwei Trends vor. Zum einen die aggressiven Verkäufe nordamerikanischer Anleger über die börsennotierten Fonds (Gold-ETFs) und zum anderen die hohe Nachfrage nach physischem Gold aus Asien. Noch überwiegen die Verkäufe der ETF-Anleger.

Der Goldpreis schloss am gestrigen Donnerstag bei rund 1.388 USD pro Unze Gold und bewegt sich nach fünf negativen Tagen langsam wieder in Richtung des Zweijahrestiefs, auf das er Mitte April eingebrochen war. Mitten in diese Turbulenzen hinein hat die Interessenvertretung der Goldbranche, der World Gold Council (WGC), einen Bericht veröffentlicht, der beleuchtet, wie schnell Anleger ihre Bestände abstoßen.

Dieser zeigt, dass die Goldnachfrage im ersten Quartal 2013 insgesamt um 13% gegenüber dem Vorjahr gefallen ist. Auf den ersten Blick sieht das nicht so schlimm aus, doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die Investmentnachfrage um gewaltige 49% einbrach. Die Anleger verkauften über ETFs in den ersten drei Monaten 2013 netto 176,9 Tonnen Gold, was einem Gegenwert von rund 9,3 Mrd. USD entspricht.

Da der Goldmarkt an sich sehr klein ist, die Gesamtnachfrage liegt nach Aussage des WGC bei rund 1.000 Tonnen pro Quartal, können die Schwankungen in den ETF-Goldbeständen übergroße Auswirkungen auf den Papierpreis haben. Und angesichts der Tatsache, dass April für Gold der schwankungsreichste Monat seit 2008 war, könnte die Investmentnachfrage im laufenden Quartal noch weiter nachgeben.

Die ETF-Goldverkäufe überdecken aber die Tatsache, dass die grundlegende physische Nachfrage nach Barren und Münzen zuletzt sehr hoch war. In Indien und China sogar extrem hoch. Wie der World Gold Council meldet, stieg die Goldnachfrage bei den chinesischen Konsumenten im ersten Quartal nämlich um 20%, während es in Indien sogar 27% waren. Das zeige, so der Bericht, dass die Goldkäufer in Asien nur zu gerne zuschlagen, wenn der Preis deutlich zurückgeht. Ein Verhalten, das bereits im Bullenmarkt für Gold zu beobachten war.

Insbesondere die Goldeinfuhren nach China sind zuletzt geradezu explodiert. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die Chinesen im März 223,5 Mio. Tonnen oder fast 8 Mio. Unzen des gelben Metalls über Hong Kong importierten. Auch im Western war die physische Nachfrage teilweise sehr hoch. Der WGC berichtete, dass die Nachfrage nach Barren und Münzen in den Vereinigten Staaten im ersten Quartal um 40% zulegte, während die Schmucknachfrage dort zum ersten Mal seit 2005 stieg. Weltweit verzeichnete die Schmucknachfrage nach Gold mit 551 Tonnen im Wert von 28,9 Mrd. USD einen neuen Rekord.

Hinzu kam, dass auch die Zentralbanken weiter zugreifen. Sie erwarben in den ersten drei Monaten 2013 109 Tonnen des Edelmetalls. Damit haben die Notenbanken nun das neunte Quartal in Folge ihre Bestände erhöht. Marcus Grubb, Managing Director des WGC sieht die Goldnachfrage in den verschiedenen Bereichen in Ost und West als hoch an und erwartet auch, dass sie es bleiben wird.

Es kann also darauf gezählt werden, dass die physische Nachfrage einen Boden für den Goldpreis schafft, wenn die Fonds verkaufen. Das Problem ist nur, dass noch niemand weiß, wo dieser Boden liegen wird. Chartanalysten sehen technische Unterstützung bei rund 1.300 USD pro Unze. Allerdings bracht der Goldpreis im April auch durch mehrere starke Unterstützungen – in nur zwei Tagen.

Sollte der Goldpreis in den Bereich von 1.200 USD pro Unze fallen und dort länger verweilen, wird es für viele Goldproduzenten eng, warnen Experten. Dann stehen umfassende Restrukturierungen an, zu denen auch Minenschließungen gehören würden. Schon jetzt senken die Firmen der Branche ihre Budgets, um ihre Bilanzen zu schonen.

Allerdings: Bleiben viele Minen länger geschlossen und sinken die Explorationsaktivitäten zur Entdeckung und Erkundung neuer Vorkommen weiter, wird sich das auf das Angebot auswirken – und mittel- bis langfristig der Goldpreis zwangsläufig wieder zurückkommen.

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