Platin und Palladium haben im vergangenen Jahr einen harten Umschwung beim Verhältnis von Angebot und Nachfrage gesehen. Ein Report von Johnson Matthey gibt einen Ausblick auf die Lage und auf das, was kommen könnte.

Das Jahr 2012 war für den Platinmarkt eine harte Zäsur. Die Auseinandersetzungen in Südafrika zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern mit vielen Todesopfern als Folge von Ausschreitungen haben die Platinförderung des Landes einbrechen lassen. Einem Report von Johnson Matthey zufolge hat Südafrika mit 4,1 Millionen Unzen im vergangenen Jahr 16 Prozent weniger geliefert als noch 2011. Für den Markt war das verheerend, denn das Land am Kap der Guten Hoffnung ist mit weitem Abstand der wichtigste Förderer des Edelmetalls. Das zeigt der Blick auf die Weltproduktion, die im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 5,64 Millionen Unzen eingebrochen ist.

Das deftige Minus konnte durch andere Länder nicht kompensiert werden, sodass inklusive Recycling und trotz einer leicht fallenden Nachfrage der Platinmarkt 2012 mit rund 0,375 Millionen Unzen im Angebotsdefizit landete.

Johnson Matthey geht in seinem viel beachteten Report auch für 2013 von einem zu geringen Angebot aus, das die Nachfrage nicht decken kann. Doch das Defizit soll nur leicht sein, damit deutlich geringer als noch im vergangenen Jahr. Risikofaktoren hierfür gibt es allerdings, unter anderem die europäische Automobilkonjunktur. Die Branche ist ein wesentlicher Verbraucher und mitentscheidend für das Nachfragevolumen nach dem Rohstoff. Platin kommt in Katalysatoren für die Reinigung von Abgasen zum Einsatz, die Nachfrage hängt demnach stark an der Autoproduktion – und die schwächelt in Europa, wie letzte Zahlen unter anderem von Volkswagen deutlich gezeigt haben.

Das dürfte auch die Platinpreise prägen, Johnson Matthey rechnet bei einer Preisspanne von 1.415 Dollar bis 1.710 Dollar mit einem Durchschnittspreis von 1.570 Dollar für die nächsten sechs Monate. Im heutigen Handel zeigen sich bisher Preise zwischen 1.479 Dollar und 1.492 Dollar für die Platin-Feinunze.

Einen heftigen Umschwung musste 2012 ebenso der Palladiummarkt verkraften. Aus einem Angebotsüberschuss von 1,19 Millionen Unzen wurde ein Defizit von 1,07 Millionen Unzen. Hierfür war gleich ein ganzes Bündel an Faktoren verantwortlich, unter anderem eine Rekordnachfrage bei zugleich geringerer Förderung. Die Palladium-Bergwerke haben dabei die niedrigste Förderrate seit dem Jahr 2002 verzeichnet, mit 6,55 Millionen Unzen kamen 11 Prozent weniger als noch 2011 aus den Minen, so Johnson Matthey.

Während beim Palladiumangebot 2012 ebenso die langen Produktionsunterbrechungen in Südafrika eine Rolle spielten, macht hier ein weiterer Angebotsfaktor Sorgen: Die Verkäufe des Rohstoffes aus staatlichen russischen Lagerbeständen. Diese sollen im vergangenen Jahr deutlich gefallen sein und bleiben für 2013 ein steter Unsicherheitsfaktor. Johnson Matthey rechnet mit einem weiter fallenden Angebot aus staatlichen russischen Lagerbeständen, sodass Palladium auch im laufenden Jahr ein Angebotsdefizit verzeichnen dürfte. Bei prognostizierten Kursen zwischen 635 Dollar und 830 Dollar rechnet Johnson Matthey für das Metall mit einem Sechsmonats-Durchschnittspreis von 740 Dollar je Unze. Am Montag notiert der Rohstoff zwischen 700 Dollar und 709 Dollar.

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