Von einem Gold-Jahresdurchschnitt bei 1650 US-Dollar geht der Schweizer Edelmetall-Experte Viktor Püntener aus. Welche Einflussfaktoren dafür sprechen und warum mittelgroße Goldminen kaufenswert sind, erklärt der Vermögensverwalter in einem Exklusivinterview.

Über viele Jahre als Chef einer auf Investments in Edelmetallen spezialisierten Schweizer Vermögensverwaltung (Noble Asset Management) konnte Viktor Püntener einen großen Erfahrungsschatz in der Goldbranche sammeln. Durch die Tochter Noble Refinery, die Gold raffiniert und verkauft, ist der Edelmetall-Experte zudem am Puls des Marktes. In absehbarer Zeit will der Schweizer zudem einen Edelmetallfonds auflegen. Wie Püntener den aktuellen Goldmarkt einschätzt, erklärt er im folgenden Interview.

Frage: Herr Püntener kann der Goldpreis in naher Zukunft die 1600 Dollar je Unze hinter sich lassen?

Viktor Püntener: Wir erachten den momentanen Goldpreis in der Zone von 1580 bis 1620 US-Dollar pro Feinunze als relativ gesichert. Bei einem Unterschreiten der Marke von 1570 Dollar könnte jedoch kurzfristig der Abgabedruck durchaus verstärkt werden. Grundsätzlich zeigen aber viele Indikatoren neutrale Werte auf, so dass wir auf längere Sicht mit wieder steigenden Preisen rechnen dürfen. Wir rechnen mit einem Jahresdurchschnittspreis von 1650 US-Dollar, gestützt auch auf die Nachfrage der Zentralbanken.

Frage: Sind die Zentralbanken der einzige Lichtblick?

Viktor Püntener: Nein, im Grunde sind es die volkswirtschaftlichen Einflussfaktoren. Die oft gehörte und geschriebene Aussage, dass der Goldpreis hoch ist, widersprechen wir mit der Aussage, dass die Währungen schwach sind!

Frage: Also Dollar, Euro und Yen gemeinsam…

Viktor Püntener: …nun, so ganz einfach ist es dann doch nicht. Es kumulieren sich für die Preisbildung der Edelmetalle eine ganze Reihe von Einflussfaktoren. Die Staaten drucken beinahe ohne Rücksicht auf stark erhöhte Defizite neues Geld. Damit ist die Geldentwertung maßgeblich beeinflusst, dazu kommen staatliche Regulierungen, welche den Goldpreis wohl nicht entscheidend schwächen können.

Frage: Das heißt…

Viktor Püntener: „Gold ist das einzige Geld, alles andere ist Kredit.“ Diese Aussage stammt von J.P. Morgan aus dem Jahr 1912. Die Staaten, insbesondere deren Zentralbanken, haben aber durchaus erkannt, dass Gold als Deckung der eigenen Währungsreserven nicht nur attraktiv ist, sondern auch helfen kann das eigene Rating zu stärken und kaufen aktuell deutlich wieder vermehrt Gold.

Frage: Und die Privatanleger?

Viktor Püntener: Zahlreich sind die Anleger welche Gold als Versicherung halten. Dazu kommt die historische Bedeutung als Zahlungsmittel oder einfach die Faszination Gold, welche Investoren bewegen Gold und Silber zu erwerben.

Frage: Was würden Sie jetzt Privaten als Goldinvestment raten?

Viktor Püntener: Obwohl etwas umständlicher wegen der Lieferung und Lagerung bevorzugen wir klar das physische Material in Form von Barren und Münzen. Dabei empfehlen wir Anlegern mit langfristigem Horizont Goldbarren zeitlich gestaffelt zu kaufen, um damit einen optimalen Durchschnittsankaufspreis zu erreichen. Kurzfristig denkende und handelnde Anleger können durchaus Gold-ETFs oder Gold-Spot auf einem Metallkonto erwerben.

Frage: Wie sieht es mit Silber aus?

Viktor Püntener: Das Preisverhältnis zwischen Gold und Silber ist seit längerer Zeit über 50 zu 1. Dadurch hat der Silberpreis ein beträchtliches Aufholpotenzial. Weil aber Silber nicht nur als Edelmetall für Anlagen interessant ist, sondern auch als äußerst hochwertiges Industriemetall eingesetzt und verarbeitet wird, ist Silber vor allem dann attraktiv, wenn die Wirtschaft gute Zahlen zeigt oder solche prognostiziert werden.

Frage: Können auf dem gedrückten Niveau auch Produzenten interessant sein?

Viktor Püntener: Der Preis von Gold- und Silberminenaktien hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, wobei die Marktpsychologie vielfach eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Für langfristig orientierte Anleger empfehlen wir Aktien von mittelgroßen Gesellschaften, welche über eine Produktion, zudem über entsprechende Ressourcen verfügen und einen soliden positiven Cash-Flow ausweisen. Die Marktkapitalisierung sollte wegen der Marktgängigkeit nicht unter 300 Millionen US-Dollar liegen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 bis 24 erachten wir in diesem Sektor als marktgerecht. Ich favorisiere in diesem Segment Eldorado Gold, Yahama Gold und Silver Wheaton.